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Marktanalyse und Preisprognosen

Getreidepreise: Was kann ich wissen? Ein Blick in die Zukunft

Getreidebauer.
am Dienstag, 14.12.2021 - 10:24 (Jetzt kommentieren)

Kann ich die Getreidepreise von morgen kennen? Ein Blick in die Glaskugel? Oder gibt es andere Möglichkeiten?

weizenpreise an der Matif.

Da wäre der Terminmarkt, der kennt ja die Preise der nächsten Monate. Für den Moment jedenfalls. Oder wälze ich den letzten USDA-Report von hinten bis vorn. Vielleicht rufe ich auch einfach meinen Händler an und frag Ihn nach dem Preis.

Oder versuch ich‘s wie mein Broker mit einer technischen Analyse. Schwierig. Wäre der Blick in die Zukunft leichter, gäbe es sicher viel mehr reiche Analysten. Doch grundsätzlich kann und muss man auch als Landwirt den Markt analysieren und sich mit den künftigen Getreidepreisen ebenso beschäftigen, wie mit den wahrscheinlichen Kosten.

Fakt ist jedenfalls: Die Möglichkeiten für Preisprognosen sind begrenzt und das Schlimme ist: Die Prognosen ändern sich ständig. Denn auch die Inputdaten, die die Grundlage der Vorhersage bilden, unterliegen einem permanenten Wandel. Also doch die Glaskugel? Lieber nicht! Es gibt auch andere Möglichkeiten.

Den Stein der Weisen finden oder einfach dem USDA-Report glauben?

Getreide verkaufen.

Jeder Landwirt wünscht sich, er würde den Stein der Weisen finden, um vorherzusagen, was in den nächsten Monaten mit den Getreidepreisen sein wird. Doch jeder Landwirt weiß eigentlich, es gibt nur eine Sache, die bei der Vorhersage der Getreidepreisen zu 100 % genau ist: Das ist, dass man eigentlich nichts genau vorhersagen kann.

Trotzdem muss man versuchen, die Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und zu reagieren. Dafür gibt es zwei Methoden: Nämlich die fundamentale und die technische Marktanalyse.

Beide Methoden basieren auf grundsätzlich unterschiedlichen Ansätzen und Instrumentarien. Zunächst einmal zur so genannten fundamentalen Analyse. Diese berücksichtigt alle Daten und Informationen, die sich direkt oder indirekt auf das Angebot oder die Nachfrage von Getreide (oder einem anderen Agrarprodukt) auswirken.

Die Wirkungen dieser Faktoren auf Märkte und Preise erfolgen unmittelbar nach dem Bekanntwerden. Am bestens sehen wir die Folgen neuer fundamentaler Informationen, wenn der neue USDA-Report mit seinen vielen Zahlen den Markt bewegt und die Preise oft auch eine grundlegend andere Richtung einschlagen.

Dabei kommen die Informationen für Marktimpulse sowohl von der Angebotsseite als auch durch veränderte Nachfrageaspekte. Auf der Angebotsseite zählen zu den wichtigsten Faktoren die Anbaufläche, der Ertrag, Erntefläche und natürlich vor allem das Wetter, aber auch noch vieles andere. Auf der Nachfrageseite wirken solche Faktoren wie die Entwicklung des Viehbestands, Exporte/Importe oder die Nutzung für andere Verwertungen wie etwa für Bioenergie

Das Wissen über Märkte ist unvollkommen

Einige der nicht so offensichtlichen fundamentalen Faktoren sind der Wechselkurs, die Preisverhältnisse der unterschiedlichen Getreidearten (Substitute), Zölle, staatliche Subventionen und die wirtschaftliche Entwicklung in den wichtigsten Handelsländern.

Das Streben der Fundamentalanalysten besteht darin, ein perfektes Wissen über alle Faktoren zu erlangen (was unmöglich ist), das jeden kleinen Punkt aller Angebots- und Nachfragefaktoren bis zum jeweils aktuellen Zeitpunkt kennt. Auch das ist absolut unmöglich.

Dennoch versuchen Fundamentalanalysten, das Marktgeschehen und die Preisentwicklung mit unvollkommenem Wissen vorherzusagen. Und das beginnt jeden Tag von vorn. Ohne Zweifel hat die Verfügbarkeit der Informationen im Internet sehr viel dazu beigetragen, der Verbreitung des unvollständigen Wissens über die Märkte erheblich zu verbessern.

Nicht nur wegen der sehr umfangreichen und für die meisten zugänglichen Informationen, sondern auch wegen der großen Aktualität, mit der die neuen Daten den Landwirten ebenso zur Verfügung stehen wie Brokern oder Analysten. Die weltweit größte Quelle für grundlegende Marktinformationen für Getreide und andere Agrarrohstoffe ist das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten (USDA).

Alles Wissen steckt in den Preisen

Weizenpreise.

Die andere wichtige Methode zur Markanalyse und Preisvorhersage ist die technische Analyse. Sie geht grundlegend anders heran, denn die Techniker nutzen zur Vorhersage der Preise nur nicht-fundamentale Informationen.

Und es gibt noch einen wesentlichen Unterschied: Die technische Analyse erklärt nicht, warum sich die Getreidepreise so oder so verhalten, wie es bei der Fundamentalanalyse der Fall ist. Die technische Analyse sagt auf Basis der vergangenen Preisentwicklung die Zukunft voraus. Sie versucht es jedenfalls.

Das Arbeitsprinzip bzw. die Annahme der technischen Analyse ist, dass alle fundamentalen und verfügbaren Informationen (perfektes Wissen), die den Markt beeinflussen, bereits im aktuellen Preis stecken bzw. diesen Preis „machen“. Danach wäre die jeweilige Preisentwicklung bei Getreide der beste Indikator für die Auswirkungen aller bekannten Fundamentalinformationen auf den Markt.

Die  Anhänger der technischen Analyse bzw. Techniker glauben:

  1. alle Preise bewegen sich in Trends,
  2. alle Bewegungen wiederholen sich immer und immer wieder (Zyklen bzw. Preismuster),
  3. der Markt preist jede neue Information sofort ein und zeigt sie in den Preisen.

Technische Analyse: Verstehen, was der Markt sagt

getreide verkaufen.

Die technische Analyse nutzt für ihre Marktbewertungen neben den Preisen unter anderem das Handelsvolumen und die Open-Interest-Daten (Anzahl aller ausstehenden Terminkontrakte für einen Basiswert). Die Daten werden in Charts übertragen und durch errechnete Indikatoren wie etwa gleitende Durchschnitte, relative Stärke und andere stochastische Größen ergänzt.

Es gibt mehr als 600 technische Systeme und Indikatoren. Einige der bekanntesten sind die Elliot-Wellen oder die Fibonacci-Folge. Der technischen Analyse wird deshalb oft nachgesagt, dass sie eher eine Kunst als eine Wissenschaft ist.

Techniker sind jedoch überzeugt, dass die technische Analyse die Sprache ist, die der Markt verwendet, um uns mitzuteilen, was mit den Preisen geschehen wird. Viele erfahrene Händler und Analysten glauben zudem, dass „der Markt immer Recht hat“.

Der Markt weiß es jedenfalls besser als jeder einzelne Analyst, Broker oder Landwirt. Nach Ansicht der Techniker ermöglicht die technische Analyse es zu verstehen, was der Markt über die kurz- und langfristige Preisentwicklung „denkt oder sagt“. Doch auch daran muss man glauben. Und man muss das System der Analyse beherrschen, was für Landwirte allein vom technischen Aufwand her nicht so einfach ist.

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