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Ukraine-Krieg: Deutsche Landwirte verdoppeln Anbau von Sonnenblumen

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am Donnerstag, 04.08.2022 - 09:44 (3 Kommentare)

Landwirte in Deutschland haben im laufenden Jahr deutlich mehr Sonnenblumen angebaut. Sie reagierten damit kurzfristig auf fehlende Importe wegen des Ukraine-Krieges. Doch die Preise für die Nischenkultur werden womöglich nicht lange so hoch bleiben.

Die Anbaufläche von Sonnenblumen zur Ernte 2022 hat sich in Deutschland mehr als verdoppelt auf 85.300 Hektar. Das bedeutete bei einem Vorjahreswert von 38.300 Hektar einen Zuwachs um 122 Prozent. Das geht aus vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet auch für das kommende Jahr mit einem Plus beim Sonnenblumen-Anbau in Deutschland, allerdings nicht in nennenswerter Größenordnung.

Den Bedarf an Sonnenblumenöl kann Deutschland dennoch nur zu einem kleinen Teil aus der heimischen Produktion decken, wenngleich der Selbstversorgungsgrad im vergangenen Jahr stieg.

Sonnenblumen sind geeignet für trockene und weniger ertragsstarke Böden

Bereits in den Jahren zuvor war die Fläche für Sonnenblumen deutlich ausgeweitet worden. Im EU-Vergleich ist Deutschland mit einem Anteil von 0,5 Prozent allerdings ein kleiner Produzent. Führend sind Rumänien, Bulgarien, Spanien und Frankreich.

Der Sonnenblumen-Anbau werde eine Nische bleiben im Vergleich zu anderen Ackerkulturen, sagt DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Eine geeignete Kultur seien Sonnenblumen für trockene und weniger ertragsstarke Böden. In Brandenburg, wo solche Böden vorherrschen, hat sich der Anbau von 16.600 Hektar auf 29.600 Hektar in diesem Jahr stark vergrößert. Jede zweite Sonnenblume in Deutschland kommt aus dem Bundesland.

Die Erzeugerpreise sind doppelt so hoch wie im Vorjahr

Landwirte hoffen auf gute Preise für die ihre Sonnenblumenernte. Im vergangenen Jahr habe der Erzeugerpreise 250 Euro je Tonne betragen, dieses Jahr rechne er mit mehr als 500 Euro je Tonne, sagte der Geschäftsführende Gesellschafter der Landfarm Hohenstein, Stefan Teepker, im brandenburgischen Strausberg, rund 40 Kilometer von Berlin entfernt.

Doch Krüsken mahnt: „Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Das kann sich schnell ändern.“ Ob sich der Sonnenblumenanbau auch im kommenden Jahr lohne, hänge von der Witterung und der Situation in der Ukraine ab. Zudem seien auch bei Sonnenblumen in einigen Regionen Deutschlands in diesem Sommer massive Schäden durch die Trockenheit zu beobachten.

Sonnenblumen sind für die Erzeuger kein Selbstläufer

In Brandenburg kommen die Sonnenblumen laut Betriebsleiter Teepker gut mit Hitze und Trockenheit zurecht. Mais sei dagegen in diesem Jahr abgestorben, sagt der Landwirte. Ende September steht bei der Landfarm Hohenstein die Sonnenblumen-Ernte auf 120 Hektar Fläche an, vor drei Jahren waren es 15 Hektar.

Im kommenden Jahr wolle er die Fläche nicht noch einmal vergrößern. „Das ist kein Selbstläufer“, meint Teepker. Auch ein Sprecher des Verbands der Ölsaaten-verarbeitenden Industrie (Ovid) in Berlin sagte: „Es ist nicht in Stein gemeißelt, dass sich das weiter rechnet.“

Deutscher Selbstversorgungsgrad nur bei 8 Prozent

Nach vorläufigen Zahlen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft konnte Deutschland im Jahr 2021 seinen Bedarf an Rapsöl zu 43 Prozent (2020: 39 Prozent) und bei Sonnenblumenöl zu acht Prozent (2020: fünf Prozent) aus heimischer Produktion decken.

Die Einfuhr von Sonnenblumenöl lag demnach bei rund 0,47 Millionen Tonnen (Angaben in Rohöl). Die wichtigsten Lieferländer waren im vergangenen Jahr - vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine - die Niederlande (35 Prozent), Ungarn (29 Prozent) und die Ukraine (19 Prozent).

Es sei jedoch anzunehmen, dass über den Hafen in Rotterdam eine erhebliche Menge aus Drittstaaten wie beispielsweise der Ukraine nach Deutschland weiterverschifft worden sei.

Mit Material von dpa
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