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Getreideernte und Getreidepreise

Ukraine: Streit über die Weizenernte und Exportquoten

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am Freitag, 26.06.2020 - 08:00 (Jetzt kommentieren)

Über die Größe der ukrainischen Weizenernte wird heftig gestritten. Und über Exportquoten.

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In der Südukraine haben die Landwirte Mitte Juni mit der Getreideernte begonnen und die erste Gerste für den Export an Seehäfen geliefert. Analysten hatten bereits erwartet, dass die Bauern die Wintergetreideernte etwa 8 bis 10 Tage früher als normal beginnen würden.

Wegen des sehr trockenen Frühjahrs in einigen Teilen des Landes, erwartet die ukrainische Regierung in diesem Jahr eine Getreideernte von 65 bis 68 Millionen Tonnen. Im vorigen Jahr gab es noch eine gewaltige Rekordente von 75 Millionen Tonnen. Insbesondere die Weizenernte dürfte auch wegen der deutlich kleineren Anbaufläche, nicht an die rekordhohe Erntemenge aus dem vorigen Jahr heranreichen.

Bei der Maisernte erwarten die meisten Analysten – vorausgesetzt es regnet ausreichend – aber einen neuen Rekord. Dagegen dürfte die auf vollen Touren laufende Gerstenernte nicht viel kleiner ausfallen als im vorigen Jahr. Die Getreideexporte werden offenbar – wie in Russland auch – auf eine bestimmte Größenordnung beschränkt. Darüber gibt es Streit mit den Getreidehändlern.

Die Exportpreise für ukrainischen Weizen sind unter dem Eindruck der sehr großen russischen Ernte zuletzt gefallen – auch für Gerste und Mais stehen die Preise unter Druck. Für ukrainischen Brotweizen wurden an den Schwarzmeerhäfen zuletzt fob-Preise von 198 bis 200 USD je Tonne verlangt – rund 20 USD weniger als zum Beginn des Monats.

Für Gerste verlangen ukrainische Exporteure fob-Preise von 176 USD je Tonne und Mais wurde zuletzt für 181 USD je Tonne verladen.

Getreideunion: Keine Export-Quoten für Weizen nötig

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Vor Beginn der neuen Saison müssen die Teilnehmer des ukrainischen Getreidemarktes die Mengen für den Export wichtiger Getreidekulturen für 2020/21 MY vereinbaren und genehmigen lassen. Dazu dient ein Memorandum mit dem Ministerium für Entwicklung von Wirtschaft, Handel und Landwirtschaft der Ukraine.

„Die Absicht des Ministeriums, den Export von Weizen einzuschränken, ist der Wunsch zu verdienen, und nicht die Sorge um die Ernährungssicherheit des Landes“, sagte der Präsident der ukrainischen Getreideunion UGA, Mykola Gorbachov. "Das ist ein Pseudo-Anliegen eines staatlichen Gremiums. Wir erwarten eine Weizenernte von 26,8 Millionen Tonnen, und nur 4 Millionen Tonnen werden für die heimische Brotproduktion benötigt", sagte er.

Das USDA hat für die Ukraine einen Inlandsverbrauch von etwa 9,5 Millionen Tonnen ermittelt – einschließlich Futterweizen. Die Ernteschätzung fürWeizen hat das USDA im Juni von 28 Millionen Tonnen auf 26,5 Millionen Tonnen zurückgenommen – und liegt damit ähnlich hoch wie die Getreideunion - jedoch deutlich höher als das Wirtschaftsministerium. 

Staatliche Prognosen sind sehr niedrig

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Die staatlichen Behörden halten indessen eine deutlich kleinere Weizenernte für möglich. Das ukrainische Wirtschaftsministerium hatte die Produktion 2020/21 zuletzt nur auf 23,2 Millionen Tonnen geschätzt und die möglichen Exporte um mehr als ein Viertel kleiner als in der aktuellen Saison auf 14,9 Mio. t.

Das Wirtschaftsministerium sagte auch, es werde die Weizenexportquote von 20,2 Millionen Tonnen für die laufende Saison nicht verändern. Die Weizenernte des vorigen Jahres übertraf den Inlandsverbrauch bei weitem, aber Bäcker und Müller hatten die Regierung aufgefordert, die Exporte zu begrenzen, um einen Anstieg der Brotpreise zu verhindern.

Im vorigen Jahr hatte die Ukraine 29,2 Millionen Tonnen Weizen geerntet, und die Exporte könnten am Ende der Saison 2019/20 ebenfalls einen Rekordwert von 20,5 Millionen Tonnen erreichen.

Händler und Analysten rechnen für dieses Jahr mit einer deutlich größeren Weizenernte als das Ministerium – nämlich mit gut 26 Millionen Tonnen. "Ich erwarte eine Weizenproduktion von 25 bis 26 Millionen Tonnen und Exporte in Höhe von 17 bis 18 Millionen Tonnen", sagte die Analystin Elena Neroba gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die ukrainische Getreidehandelsunion UGA erwartet sogar, dass die Weizenexporte in der Saison 2020/21 rund 18 Millionen Tonnen erreichen werden.

Regen hat die Aussichten auf sehr große Maisernte verbessert

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Das ukrainische Wirtschaftsministerium erwartet außerdem eine Getreideernte von insgesamt 68 Millionen Tonnen, darunter 35 Millionen Tonnen Mais und 7,9 Millionen Tonnen Gerste. Das Ministerium geht außerdem davon aus, dass die Getreideexporte 47 Millionen Tonnen betragen werden, darunter 28,1 Millionen Tonnen Mais und 3,7 Millionen Tonnen Gerste.

Das USDA hatte im Juni mit einer Gerstenernte von 9,4 Millionen Tonnen gerechnet und Exporten von 5 Millionen Tonnen. Bei Mais erwartet das USDA sogar eine Rekordernte von 39 Millionen Tonnen – und bei den Mais-Exporten ein neues Allzeithoch von 33 Millionen Tonnen.

Die ukrainische Landwirtschaftsberatung ProAgro hat seine Prognose für die Getreideernte 2020 aufgrund des besseren Wetters von zuvor 72,5 Millionen Tonnen auf 74,4 Millionen Tonnen erhöht. ProAgro setzte seine Schätzungen für die ukrainische Weizenernte von 25,4 Millionen auf 26,7 Millionen Tonnen nach oben und für Mais von 37,3 Millionen Tonnen auf 37,6 Millionen Tonnen.

"Die Regenfälle im Mai haben uns einen Grund gegeben, die Prognose für die Getreideproduktion zu erhöhen", heißt es.

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