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Aussaat und Ernte 2019

USA: Extrem nasses Wetter verhindert Getreideaussaat

Überflutungen USA
am Mittwoch, 08.05.2019 - 14:00

Das Jahr bleibt für die US-Farmer extrem schwierig. Nach den massiven Überflutungen im Mittelwesten verhindern jetzt massive Regenfälle die Aussaat.

Besonders die Aussaat von Mais und Sommerweizen liegt in den wichtigsten Bundestaaten weit hinter den normalen Werten. Auch bei Sojabohnen gibt es bereits einen deutlich Rückstand zum normen Aussaattempo. Gute Nachrichten kamen zuletzt vom Winterweizen. Hier lagen die Ertragsschätzungen der wichtigen Kansas-Crop-Tour in der vorigen Woche weit über den Werten vom vorigen Jahr.

Insgesamt wird das Aussaatfenster für Sommerweizen und Mais jedoch immer kleiner. Viele Farmer könnten deshalb auf die üblicherweise später gesäten Sojabohnen umswitchen. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Ernteaussichten und die Preise. Bislang stehen die Preise für Mais, Weizen und vor allem für Soja jedoch massiv unter den Druck. Das hat vor allem mit dem Handelskrieg zwischen den USA und China und den deshalb deutlich schlechteren Exportaussichten für die US-Farmer zu tun.

Am Freitag Abend wird das USDA in seinem Mai-Report aktuelle Daten zur Anbauentwicklung und den erwarteten Erntemengen für Mais, Weizen und Soja in den USA und weltweit veröffentlichen. Dann wird man sehen, welche Folgen das extrem nasse Wetter auf die Ernteaussichten in den USA und auf die globalen Märkte für 2019 hat. 

Felder sind weiter überflutet

Felder überflutet

Nach den Überflutungen im März und im April haben massive und lang anhaltende Regenfälle die Aussaat aller wichtigen Kulturen im Mittleren Westen extrem verzögert. Vor allem im Norden der USA (auch in Kanada) liegt oft noch Schnee und es war sehr lange sehr kalt. Mit den zuletzt etwas wärmeren Temperaturen wurden die bereits extrem durchnässten Felder oft zusätzlich durch den schmelzenden Schnee und weitere Regenfälle überflutet und sind oft nicht befahrbar.

Eine Aussaat von Mais oder Sommerweizen oder eine andere Bearbeitung der Flächen war in vielen Staaten des Mitteleren Westens deshalb nicht möglich. Hinzu kommen die in den nördlichen Bundesaaten unverändert sehr kühlen Temperaturen und Schnee. Diese Kühlen Temperarturten bremsen nicht nur das Aussaattempo, sondern sie verzögern auch die Entwicklung der bereits ausgesäten Pflanzen.

Nur die Hälfte der Maisflächen bestellt

Bis zum vorigen Sonntag waren erst 23 Prozent der US-amerikanischen Maisflächen bestellt. Das ist die Hälfte des Fünfjahresdurchschnitts von 46 Prozent, teilte das US-Landwirtschaftsministerium in seinem Bericht mit. Im vergangenen Jahr waren trotz des ebenfalls sehr späten Frühjahrs bereits 36 Prozent gepflanzt.

In den beiden wichtigsten Anbaustaaten Iowa und Illinois waren 36 Prozent und 10 Prozent der Maispflanzen im Boden. Im langjährigen Mittel lag der Aussaatfortschritt in den beiden Top-Anbaustaaten zu diesem Termin bei 66 Prozent und 51 Prozent.

Im Norden war das Aussaattempo noch erheblich langsamer. In Norddakota haben die Farmers erst 3 Prozent der Flächen bestellt, in Minnesota sind 6 Prozent, in Ohio 2 Prozent und In Indiana 3 Prozent. Ob der Rückstand hier noch aufgeholt werden kann, ist auf jeden Fall fraglich.

Auch Sojaaussaat beginnt schleppend

Felder überflutet

Bei Sojabohnen hatten die US-Farmer bis Ende der vorigen Woche 6 Prozent ausgesät. Das entspricht knapp der Hälfte der für diese Jahreszeit üblichen Anbaufläche von 14 Prozent, meldet das USDA.

Im vorigen Jahr, mit einem ebenfalls sehr späten Frühjahr, waren zu diesem Zeitpunkt auch 14 Prozent der Sojabohnen im Boden.

In den beiden auf für den Sojaanbau wichtigsten Anbaustaaten Iowa und Illinois war am vorigen Sonntag 8 Prozent und 3 Prozent der Sojabohnen im Boden. Im langjährigen Mittel lag der Aussaatfortschritt in Iowa und Illinois bei 12 Prozent und 16 Prozent.

Sommerweizen ebenfalls weit im Rückstand

Beim Sommerweizen meldet das USDA bis Ende voriger Woche einen Aussaatfortschritt von 22 Prozent im Vergleich zu 49 Prozent im langjährigen Mittel. Auch hier ist das Aussaat-Tempo also nur halb so schnell wie üblich. Kanadische Weizenproduzenten sind in der gleichen Situation, da das anhaltend kalte Wetter nördlich der US-Grenze ebenfalls ein großes Problem darstellt.

Analysten gehen bislang davon aus, dass die kanadischen Farmer den Anbau des proteinreichen Sommerweizens sehr kräftig ausweiten wollen und die möglichen Anbaurückgänge in den USA damit sogar überkompensieren könnten.

Gründe für die kanadische Anbauexpansion sind neben den erwarteten Anbaurückgängen in den USA, vor allem auch die massiven Exportprobleme der Kanadier beim Export von Canola (Sommerraps) nach China. Hier bremsen hohe Zölle die Ausfuhr und  sorgen für ein umswitchen der Farmer auf  Sommerweizen.

Winterweizen ist in Top-Verfassung

Winterweizen

Für die Entwicklung des US-Winterweizens war das Wetter und der viele Regen offenbar sehr günstig, wie der aktuelle Bericht des USDA zeigt. Am vorigen Sonntag befanden sich immerhin 64 Prozent der gesamten Weizenbestände in gutem oder ausgezeichnetem Zustand, verglichen mit 34 Prozent im Jahr 2018.

In dem mit Abstand wichtigsten Anbaustaat Kansas, befanden sich 58 Prozent der Weizenbestände in guter oder sehr guter Verfassung. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Kansas-Crop-Tour wider. Dort werden die Erträge für die aktuelle Saison mehr als ein Viertel höher eingeschätzt als im vorigen Jahr und knapp ein Fünftel höher als im langjährigen Mittel.

Sollen sich diese Ertragserwartungen bestätigen, könnte die US-Weizenernte – trotz der teilweise sehr deutlichen Anbaueinschränkungen - erheblich größer ausfallen als bisher erwartet.

Der Chef von Kansas Wheat, Justin Gilpin, sagte außerdem, dass die Ernte 2019 auch in den umliegenden Bundesstaaten sehr vielversprechend aussieht. "Die Tour-Scouts haben außerdem nicht viel Krankheitsbefall gemeldet", sagt er außerdem.