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Aussaat und Ernte 2019

USA: Flutkatastrophe verhindert Aussaat und bedroht Ernte

Feld überflutet
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
26.03.2019

Die Flutkatastrophe im Mittleren Westen der USA lässt weltweit die Getreidepreise steigen. Die Aussaat von Sommergetreide fällt in vielen Regionen aus oder verzögert sich.

Die Flutkatastrophe im Mittleren Westen der USA lässt weltweit die Getreidepreise steigen. Gleichzeitig sind im Norden des Landes die Böden metertief gefroren und eine zeitgerechte Aussaat von Sommerweizen, Mais und Sojabohnen ist in vielen Regionen praktisch unmöglich. Das heizt die Spekulationen an den Terminmärkten über deutlich kleinere Ernten bei Sommerweizen, Mais und Soja kräftig an.

Besonders schlimm von der Flutkatastrophe betroffen sind derzeit die Bundesstaaten Nebraska und Iowa. Dort sind viele Felder überflutet und eine Aussaat ist praktisch nicht möglich. Allein für Nebraska werden die aktuellen Schäden in der Landwirtschaft auf knapp 1 Mrd. USD geschätzt.

Im wichtigsten Anbaustaat für Sommerweizen, in Norddakota, verhindern zudem eine geschlossene Schneedecke und tief gefrorener Boden die Aussaat. Außerdem nimmt auch dort die Gefahr von Überflutungen dramatisch zu.

Weitere Überflutungen durch Schneeschmelze

Felder überflutet

Schwerer, nasser Schnee bedeckt derzeit Norddakota, den führenden US-Anbaustaat von Sommerweizen. Die Aussaat von Sommerweizen sowie Soja und Mais ist damit in nächster Zeit nicht möglich. In den weiter südlich gelgegen Bundesstaaten haben Überflutungen bereits Milliardenschäden angerichtet. 

Landwirte von Missouri bis Süddakota mussten zuschauen, wie ihre Mais- und Sojabohnenfelder überflutet wurden, als die Schneemassen dort schmolzen. Dies macht deutlich, was das wärmere Wetter für den Weizenstaat Norddakota bedeuten kann. 

"Wie schnell die Überschwemmungen und Verwüstungen nach Nebraska und Iowa kamen, hat auch den Weizen-Farmern in Norddakota gezeigt, was auf sie zukommen kann", sagte Jim Peterson, Marketing Director der North-Dakota-Wheat-Commission. 

Keine Aussaat auf tiefgefrorenen Böden

Die dicke Schneedecke und mögliche Überflutungen könnten die Aussaat von Sommerweizen verhindern. Dieser macht bis zu einem Drittel der gesamten Weizenproduktion in den USA aus. Die Aussaat des sehr proteinreichen Sommerweizens, der meist mit proteinärmeren Weizensorten gemischt wird, um die Mahlqualität für Brot und Pizzateig zu verbessern, beginnt in Norddakota im April. 

In einigen Regionen des Bundesstaates sind die Böden noch immer bis zu einer Tiefe von 150 cm gefroren. Hinzu kommt die dicke Schneedecke, durch deren Abtauen es vor allem im Red River Valley, im Osten von Norddakota, zu Überflutungen kommen kann. Die Aussaat wird auf jeden Fall verzögert.

Die nationale Wetterbehörde hat diese Woche das Red River-Becken zu den US-Regionen gezählt, die in diesem Frühjahr das größte Risiko für starke Überschwemmungen haben. Prognosen zufolge sollten die Hochwassergefahren dort Mitte April ihren Höhepunkt erreichen. Bis dahin wird es wohl keine Feldarbeiten geben.

Sommerweizen kann sich zwar auch nach einem späten Aussaattermin noch gut entwickeln, berichten US-Agronomen. Landwirte ziehen es jedoch vor, den Weizen vor Mais und Sojabohnen zu säen, um das Stressrisiko durch die häufige Sommerhitze zu verringern.

Getreidesilos und Ethanol-Fabriken überflutet

US-Präsident Donald Trump hatte am vorigen Donnerstag zugesagt, den Bundesstaat Nebraskas durch staatliche Katastrophenhilfe zu unterstützen.

Laut einem Cargill-Sprecher war das Werk in Fremont, Nebraska, weiter geschlossen. Trotz der Transportprobleme sagte Cargill, dass das Werk in Blair, Nebraska, einschließlich seiner Ethanol-Anlage weiter in Betrieb sei. Darüber hinaus sind die Getreidesilos von Cargill in Albion, Gibbon, Shelton und Carleton in Nebraska diese Woche ebenfalls wieder in Betrieb. Laut dem Nebraska-Ethanol-Board stehen viele Ethanol-Anlagen vor großen logistischen Herausforderungen durch die Überschwemmungen.

Einige Anlagen sind sogar weiterhin überflutet, wie etwa die von ADM (Archer Daniels Midland) in Columbus. Viele Agrarunternehmen in Nebraska und Iowa stehen deshalb vor großen logistischen Herausforderungen aufgrund der weitreichenden Schäden an der öffentlichen Infrastruktur. Oft ist nicht klar, wann der normale Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Der Zeitpunkt hängt vor allem davon ab, wie schnell sich das Wasser zurückzieht und wann der volle Schienenverkehr wieder möglich ist.

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