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Anbauplanung und Getreideernte 2020

USA: Riesige Maisfläche überrascht den Markt

Maispflanzen
am Mittwoch, 01.04.2020 - 11:00 (Jetzt kommentieren)

Die US-Farmer wollen für die neue Ernte 2020 die größte Maisfläche seit 8 Jahren bestellen, meldet das USDA in seinem Prospective Planting Report am Dienstag Abend.

Mit dieser Maisfläche werden die Erwartungen des Marktes erheblich übertroffen. Gleichzeitig blieben die geplanten Aussaatflächen für Sojabohnen und Sommer-Weizen unter den Erwartungen des Marktes. Analysten und Farmer bezweifeln jedoch, dass die Daten der Befragung vor dem Hintergrund der derzeitigen Turbulenzen und wegen der abgestürzten Ethanolpreise realistisch sind.

Die Terminmärkte reagierten auf die neuen Anbaudaten am Dienstag zunächst mit nachgebenden Maispreisen und festeren Kursen für Soja und Weizen. Am Mittwoch gaben die Preise am US-Terminmarkt für Mais, Soja und Weizen jedoch deutlch nach. Auch an der MATIF gab es im Sog der fallenden US-Preise für  Mais, Weizen und Raps sehr kräftige Kursverluste.

"Der Markt wird auf die Zahlen noch reagieren, aber die Botschaft, die er an die Landwirte sendet, ist einfach: Pflanzen Sie keinen Mais!", hatte ein Rohstoffhändler aus Chicago am Dienstag gesagt.

Befragung fand Anfang März statt

Maispflanzen

Nach einer Befragung von rund 80.000 US-Landwirten, die in den ersten beiden Märzwochen durchgeführt wurde, hat das USDA die Maisfläche für die Ernte 2020 auf 39,3 Mio. Hektar (96,990 Millionen Acres) und die Sojabohnenfläche auf 33,8 Mio. Hektar (83,510 Millionen Acres) veranschlagt.

Im Vorfeld es Berichtes hatten die wichtigsten US-Analysten in einer Befragung der Agentur Reuters angegeben, dass sie davon ausgehen, das in diesem Frühjahr etwa 38,1 Mio. Hektar (94,328 Millionen Arces) mit Mais und 34,4 Mio. Hektar (84,865 Millionen Arces) mit Sojabohnen bestellt werden.

Das heißt: Die erwartete Aussaatfläche für Mais liegt sehr deutlich 1,2 Mio. Hektar über den Analystenerwartungen und die Sojafläche etwa 600.000 Hektar darunter. Bei Weizen bezifferte das USDA die US-amerikanische Anbaufläche für Sommerweizen auf 5,1 Mio. Hektar (12,6 Millionen Acres), verglichen mit der Analysten-Erwartung von 5,3 Mio. Hektar (13,0 Millionen Acres).

Ethanolpreise dramatisch eingebrochen

Viele Analysten kritisieren, dass die Prognose für die sehr große Maisanbaufläche nicht berücksichtigt, dass zahlreiche Ethanolanlagen, die mehr als ein Drittel der US-amerikanischen Maisernte verarbeiten, die Produktion verlangsamt oder gestoppt haben. Grund ist der Absturz der Ethanol- und Energiepreise, der hauptsächlich durch die Coronavirus-Pandemie ausgelöst wurde.

Bill Lapp, Präsident der Analystenfirma Advanced Economic, sagt dazu auf einem US-Agrarportal: "Das Ergebnis wäre eine um 15 Prozent größere Maisernte, wenn man die Trenderträge zu Grund legt. Das ist sehr viel Mais, den der Markt aufnehmen muss, in einem Umfeld mit sehr schwacher Ethanolnachfrage und einer starken Dollarsituation, die die Exporte beeinträchtigt".

Maisfläche zu hoch, Weizen und Soja zu niedrig

Maisfeld

Der Analyst Sal Gilbertie, sagt ebenfalls, dass die Daten aus dem heutigen USDA-Bericht heutigen USDA-Berichte mit einiger Skepsis betrachtet werden, was angesichts der schnellen Änderung der Fundamentaldaten seit der Erstellung des Berichts aber auch nicht überraschend ist.

Die Mais-Flächen werden als zu hoch angesehen, die Weizen-Flächen als zu niedrig, und Zahlen zum Mais können angesichts des gegenwärtigen Zustands der Ethanol-Margen überhaupt nicht als verlässlich angesehen werden.

"Die Märkte erwarten eindeutig, dass die Weizenfläche mindestens auf das Niveau des letzten Jahres ansteigt, und Bohnen könnten noch überraschen und dem Mais weit mehr Anbaufläche abnehmen, als die meisten derzeit erwarten“, sagt Gilbertie.

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