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Aussaat und Ernte 2019

USA: Sintflut treibt die Getreidepreise nach oben

Mais überflutet
am
29.05.2019
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Das extreme Wetter in den USA treibt die Getreidepreise weltweit immer weiter nach oben. Sowohl an den globalen Getreidebörsen als auch an den Kassamärkten steigen die Kurse rasant.

Während es zunächst für Weizen und Mais deutlich nach oben ging, hat sich die Rallye nun auch auf Sojabohnen und andere Ölsaaten ausgeweitet. Auslöser für den neuerlichen Preissprung an der Börse in Chicago (CBOT) und an der Matif in Paris ist der aktuelle Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) über den geringen Anbaufortschritt und den schlechten Wachstumszustand von Weizen, Mais und Sojabohnen.

Im aktuellen Report wurden die schlimmsten Analysten-Prognosen noch übertroffen. Das ist der Hauptgrund, weshalb sich am heutigen Mittwoch die Preisrallye an den Terminmärkten in großen Sprüngen fortsetzt. Hinzu kommt, dass die Wetterdienste in den USA auch für die kommenden Wochen (bis weit in den Juni hinein) anhaltende schwere Regenfälle, Stürme und Überflutungen vorhersagen.

Damit dürften die zunächst als viel zu pessimistisch kritisierten Prognosen einiger US-Analysten für die kommende Mais-, Weizen- und Sojaernte immer wahrscheinlicher werden.

In Chicago sind die Weizenpreise für die neue Ernte (September) im vorbörslichen Handel auf rund 528 Cent je Buschel gestiegen. Das ist der höchste Stand fünf Monaten. Mais notiert am Mittwoch Mittag (MEZ) bei 438 Cent und damit nur noch knapp unter dem letzten 4-Jahreshoch. Die US-Sojabohnen sind auf das höchste Niveau seit zwei Monaten geklettert. 

Das zieht auch die Kurse in Europa und am Weltmarkt kräftig nach oben. Weizen notiert an der Matif am Mittwochmittag für die neue Ernte nur noch knapp unter 190 Euro je t. Mais ist für den alterntigen Augustkontrakt auf 175 Euro gestiegen und Raps kletterte auf 373 Euro/t.

Farmer kämpfen gegen die Fluten

Überschwemmte farm

Wetterdienste in den USA berichten, dass im Mittleren Westen in der vorigen Woche mehr als doppelt so viel Regen gefallen ist wie erwartet worden war. In der kommenden Woche sind weitere schwere Stürme auf dem Weg, die erneut gewaltige Regenmassen in die wichtigsten Anbauregionen der USA bringen.

Der bereits aufgelaufene Mais erreicht in vielen Stark-Regengebieten nach Einschätzung von Farmern nur noch ein Ertragspotential von 60 bis 80 Prozent. Zudem hat sich das Aussaatfenster für Mais in der vorigen Woche in vielen Staaten im Mittleren Westen geschlossen. Auch in Iowa, Teilen von Minnesota und Wisconsin, Illinois und in Indiana, Michigan und Ohio endet die Maisaussaat spätestens am 5. Juni. Dann haben die Farmer nur noch die Möglichkeit, Sojabohnen zu pflanzen.

Über die großen Flüsse kann derzeit jedoch kaum Saatgut oder Getreide transportiert werden. Viele Wasserwege sind wegen des weiter steigenden Hochwassers gesperrt oder kaum schiffbar. Und es regnet immer weiter. Händler am unteren Mississippi und am Ohio konnten vorige Woche noch Getreide an den Golf transportieren. Diese Woche wurde jedoch der wichtige Umschlag-Hafen von St. Louis wegen Überschwemmungen geschlossen. Aktuellen Prognosen zufolge könnten die Transporte aus dem oberen Mississippi bis weit in die zweite Juniwoche hinein unterbrochen werden, möglicherweise auch länger.

Maisaussaat: Rückstand nicht mehr aufzuholen

Feld übwerschwemmt

Bis zum vorigen Sonntag hatten die Farmer erst 58 Prozent Maisflächen bestellt. Das sind 32-Prozentpunkte weniger als im Fünfjahresdurchschnitt mit üblicherweise 90 Prozent, teilte das US-Landwirtschaftsministerium in seinem Crop-Progress-Report mit. Und auch weniger als die Analysten zuvor mit 62 bis 68 Prozent erwartet hatten. Im vergangenen Jahr war trotz eines ebenfalls sehr späten Frühjahrs zu diesem Termin schon 90 Prozent des Mais gepflanzt.

In den beiden wichtigsten Anbaustaaten, Iowa und Illinois, sind aktuell 76 Prozent und nur 35 Prozent der Maispflanzen im Boden. Im langjährigen Mittel lag der Aussaatfortschritt in den beiden Top-Anbaustaaten zu diesem Zeitpunkt bei jeweils 96 Prozent.

Im Norden, an der Grenze zu Kanada, war das Aussaattempo ebenfalls extrem langsam. In Norddakota haben die Farmer erst 63 Prozent der Flächen bestellt, in Minnesota waren es 66 Prozent, in Ohio nur 22 Prozent und in Indiana ebenfalls 22 Prozent. Hier kann der Rückstand angesichts des anhaltenden Regens wohl nicht mehr aufgeholt werden. Aufgelaufen war der Mais erst auf 32 Prozent der bestellten Fläche, im Vergleich zu 69 Prozent im langjährigen Mittel.

Sojaaussaat: Weniger als ein Drittel der Fläche bestellt

feld überflutet

Bei Sojabohnen hatten die US-Farmer bis Ende der vorigen Woche nur 29 Prozent der geplanten Flächen bestellt. Das entspricht weniger als der Hälfte des für diese Jahreszeit üblichen Aussaatfortschritts von 66 Prozent, meldet das USDA. Im vorigen Jahr, mit einem ebenfalls sehr späten Frühjahr, waren zu diesem Zeitpunkt 74 Prozent der Sojabohnen im Boden.

In den beiden für den Sojaanbau wichtigsten Anbaustaaten Iowa und Illinois waren am vorigen Sonntag erst 32 Prozent und 14 Prozent der Sojabohnen ausgesät. Im langjährigen Mittel lag der Aussaatfortschritt in Iowa und Illinois bei 77 Prozent und 70 Prozent.

Zum Teil deutlich weniger als 20 Prozent der geplanten Fläche waren zum oben genannten Termin außerdem in Ohio, Süddakota, Missouri und Indiana bestellt. Aufgelaufen war die Sojabohnen auf 11 Prozent der bestellten Fläche im Vergleich zu 35 Prozent im langjährigen Mittel.

Zustand des Winterweizens wird schlechter

Für die Entwicklung des US-Winterweizens waren das Wetter und insbesondere der viele Regen nichjt mehr so günstig wie in den Vorwochen, wie der aktuelle Bericht des USDA zeigt. Am vorigen Sonntag  befanden sich immerhin 61 Prozent des Weizenbestandes in gutem oder ausgezeichnetem Zustand, verglichen mit 66 Prozent in der Vorwoche. Im vorigen Jahr hatte das USDA zum gleichen Termin nur 38 Prozent der Weizenpflanzen in die beiden besten Kategorien eingestuft. 

In dem mit Abstand wichtigsten Anbaustaat Kansas befanden sich 55 Prozent der Weizenbestände in guter oder sehr guter Verfassung, im Vergleich zu 60 Prozent in der Vorwoche. Das USDA hat die US-Winterweizenerträge bislang auf 3,38 t/ha geschätzt und damit nur 5 Prozent höher als im vorigen Jahr mit 3,22 t/ha. Die daraus abgeleitet Erzeugung liegt bei 34,5 Mio. t und damit rund 2 Mio. t höher als 2018.

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