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Prognose Getreideernte 2020

USDA: Die nächste Ernte wird riesig – und die Preise niedrig

Farmer Maisernte
am Dienstag, 05.11.2019 - 17:00 (1 Kommentar)

Fast unbemerkt hat das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) in der vorigen Woche seine erste Prognose zu den Anbauflächen und Getreidepreisen im nächsten Wirtschaftsjahr veröffentlicht.

Und diese Prognose sieht leider nicht gut aus. Sie schafft "zusätzliche Unsicherheiten", sagt USDA-Chefökonom Robert Johansson. Auch für die globalen Getreidemärkte hat die Entwicklung in den USA sehr großes Gewicht.

US-Farmverbände und Analysten kritsierten die USDA-Schätzungen in diesem Jahr bereits mehfrach masssiv. Der Vorwurf: Die Anbauflächen und Angebotsentwicklung würden nicht realistisch dargestellt.

Für seine aktuelle Prognose verwendet das USDA die Erntebedingungen und -preise vom Oktober als Ausgangspunkt und nicht die Bedingungen im November. Dann ist die Ernte in den meisten Jahren fast abgeschlossen und die Märkte sind meist deutlich ruhiger. Die Einschätzungen des USDA stoßen in diesem Jahr auf besonderes Interesse, denn das Tempo der Mais- und Sojaernte liegt seit Wochen weit hinter dem Normalwert zurück.

Der Anbau und das Wachstum von Mais und Sojabohnen, den beiden größten Kulturen in den USA, wurden in diesem Jahr durch das regenreichste Frühjahr seit einem Vierteljahrhundert extrem verzögert. Dieser Rückstand beeinflusst weiterhin die Märkte.

Farmer kritisieren USDA-Daten

Maisernte

In den letzten Wochen behinderten erneut massive Regenfälle und ein Wintereinbruch im Mittleren Westen die Erntearbeiten. Bis Anfang November waren erst 52 Prozent des Maises und 75 Prozent der Sojabohnen geerntet. In normalen Jahren haben die Famer zu diesem Termin bereits 75 Prozent der Mais- und 87 Prozent der Sojabohnen vom Feld geholt.

Die US-Farmer hatten in diesem Jahr heftig kritisiert, dass das USDA die Größe der Ernte überschätzt habe, was die Marktpreise negativ beeinträchtige. "Wir haben die aktuelle Prognose einen Monat vorgezogen", sagte Johansson, um es für die Landwirte einfacher zu machen, Schätzungen der landwirtschaftlichen Produktion und der Subventionskosten rechtzeitig beim Weißen Hauses einzureichen. "Die USDA-Ernteschätzungen haben sich außerdem von Oktober bis November kaum verändert", sagte der USDA-Chefökonom.

Seth Meyer, der das Ministerium in diesem Sommer verließ, um stellvertretender Direktor des FAPRI-Think-Tanks an der Universität von Missouri zu werden, äußerte sich ähnlich wie das USDA zur Entwicklung der Marktpreise im Oktober und November. Auf einer Podiumsdiskussion in der vergangenen Woche über die Zuverlässigkeit des Ernteberichts vom Oktober sagte Meyer, dass die Erträge pro Hektar und die Erntegrößen bis Oktober einigermaßen sicher seien.

Sehr hohe Prognosen bei Mais und Soja

Maisernte

In seinen Anbauschätzungen erwartet das USDA, dass die Maisfläche 2020 um 5 Prozent ausgeweitet wird und der Anbau von Sojabohnen sogar um 10 % zunimmt. Die Weizenfläche soll mit 18,2 Mio. Hektar hingegen nochmals geringfügig kleiner sein als in diesem Jahr. Der Anbau von 38,3 Mio. Hektar Mais würde nach Einschätzung des USDA eine neue Rekordernte ergeben, die den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2016 übertrifft.

Die Soja-Pflanzungen von 34 Mio. Hektar würden die viertgrößte Ernte aller Zeiten ergeben. Damit würden die US-Lagerbestände kräftig in die Höhe schnellen. Reichlich 40 % mehr Mais  als in dieser Saison wären zum Ende des nächsten Wirtschaftsjahres eingelagert. Auch der Sojabohnenvorrat wächst im Wirtschaftsjahr 2020/21 auf den dritthöchsten Wert aller Zeiten.

Fakt ist jedoch: Die Prognosen beruhen auf historischen Produktions-, Verbrauchs- und Preismustern und gehen von normalem Wetter und normalen Erträgen aus – und nicht von extremen Jahren wie 2019.

Rote Tinte bei Mais und Soja

Maispreise

Die Maispreise schätzt das USDA für das noch laufende Wirtschaftsjahr auf voraussichtlich 3,80 USD pro Buschel. Aktuell liegen die Maispreise am Terminmarkt in Chicago bei 3,83 USD je Buschel. Die saisonalen Durchschnittspreise im Jahr 2020 würden jedoch auf 3,40 USD je Scheffel fallen, angesichts der gewaltigen Erntemenge und Lagerbestände. Auch langfristig erwartet das USDA bei Mais nur eine geringfügige Erhöhung der Preise

Entsprechend dürften die Sojabohnenpreise, die für die Ernte 2019 auf durchschnittlich 9,0 USD je Buschel veranschlagt werden, 2020 ebenfalls deutlich auf nur 8,85 USD je Buschel fallen. Aktuell liegen die Sojapreise am Terminmarkt in Chicago noch bei 9,34 USD je Buschel. In den kommenden Jahren soll es aber weiter runter gehen – bis auf 8,45 USD je Buschel.

Die Weizenpreise erwartet das USDA im aktuellen Wirtschaftsjahr bei 4,70 USD je Buschel und in der kommenden Saison etwas höher bei 4,80 USD. Aktuell liegen die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago bei 5,16 USD je Buschel. Bei der langfristigen Prognose geht das USDA bei Weizen ebenfalls von einem tendenziellen Preisanstieg aus.

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