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Getreidemarkt und USDA-Report

USDA-Report: Chinas Appetit lässt die Getreidepreise steigen

Maisernte hat begonnen.
am Montag, 14.09.2020 - 13:10 (Jetzt kommentieren)

Der aktuelle USDA-Report bestätigt, dass die Mais- und die Sojaernte in den USA kleiner ist als zuvor angenommen. Die Preise für Mais und vor allem für Soja sind deshalb kräftig gestiegen.

Die globale Weizenernte ist hingegegen größer als im Vormonat geschätzt wurde, die Importe steigen jedoch ebenfalls -  und auch die Weizenpreise. Große Unsicherheit geht außerdem von der Versorgungslage und dem wirklichen Importbedarf Chinas bei Mais, Soja, Weizen und anderen Getreidearten aus.

Zuletzt war der große Einfluss der Chinesen auf die Preise bei Weizen, Mais, Gerste und Soja jedenfalls schon deutlich zu spüren. Und ein großer Teil des jüngsten Preisanstiegs ist wohl den chinesischen Großeinkäufen in den USA - und auch in Frankreich geschuldet.

Hinzu kommen nun auch die möglichen Folgen des ASP-Falls in Deutschland – nicht nur für den deutschen Schweinemarkt – sondern auch auf den Verbrauch und die Handelsströme bei Futtergetreide in Deutschland und Europa.

Im vorbörslichen Handel in den USA steigen die Preise für Soja, Mais und auch Weizen am Montag weiter. In Europa notiert am Montagmittag nur der Raps deutlich im Plus, während Mais leicht zulegt und Weizen leicht nachgibt.

Chinas Appetit auf Futtergetreide wächst weiter

Grünes und hoch wachsendes Maisfeld vor einem blauen Himmel

Die Maisernte auf der Nordhalbkugel 2020/21 ist voll im Gange. Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) berichtet, dass die Erntedaten zeigen, dass die erwartete globale Produktion kleiner als ursprüngliche erwartet ausfällt, aber immer sehr hoch ist.

Die Abwärtskorrektur der globalen Maisernte wird hauptsächlich durch die kleinere US-Ernte verursacht. Zum einen ist die US-Maisfläche kleiner als zunächst gedacht. Außerdem hat anhaltend heißes Wetter im Mittelwesten die Ertragsaussichten weiter gedrückt. Das führte zu einer kleineren Ernteprognose durch das USDA in diesem Monat.

Weltweit sind auch die Mais-Ernten in Kanada, der Europäische Union (EU) und in der Ukraine kleiner als zunächst erwartet. Gleichzeitig sind die Mais-Ernten in Brasilien, Indien und Russland größer als zuvor prognostiziert.

Der weltweite Mais-Verbrauch wird voraussichtlich etwas höher sein als zuvor gedacht. Gründe sind der höhere Futterverbrauch in Brasilien, China, der EU und Russland. Für Brasilien wird zudem erwartet, dass die starken Fleischexporte die Tierproduktion und den Maisverbrauch ankurbeln. Das könnte bei einem Ausbau der US-Schweinefleischexporte nach China (wegen ASP in Deutschland) auch für die USA zutreffen.

Chinas Wiederaufbau der Schweinebestände nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest hat vor allem die Nachfrage nach Futtergetreide angeheizt. Unklar ist aber noch, wie hoch der zusätzliche Import-Bedarf durch die Überflutungen in Chinas Getreideregionen ausfallen wird.

In der EU nimmt der Maisverbrauch nach der Prognose des USDA ebenfalls zu, da erwartet wird, dass sich die Futterhersteller bei einem knapperem Angebot an teurem Weizen  anderen Futtermitteln mit niedrigeren Preisen zuwenden.

Globale Weizenpreise trotz Riesenernte gestiegen

hoch wachsender Weizen in einem Weizenfeld mit blauem Himmel

Die weltweite Weizen-Produktion wurde im September nach oben korrigiert, da größere Ernten für Kanada und Australien die kleinere Ernte in Argentinien mehr als ausgleichen. Der weltweite Verbrauch ist aufgrund des höheren Futterverbrauchs in Australien und Kanada geringfügig gestiegen.

An der von russischen Analysten zuletzt deutlich größer als 80 Mio. Tonnen geschätzten russischen Weizenernte hat das USDA im September nichts geändert – und bleibt damit unverändert bei einer Ernteschätzung von 78 Millionen Tonnen.

Die Weizenernte ind er Europäischen Union sieht das USDA bei 136 Millionen Tonnen – im Vergleich zu 135,5 Millionen Tonnen im August – und 155 Millionen Tonne im vorigen Jahr. Ein Einbruch von reichlich 12 Prozent oder 19 Millionen Tonnen. Das ist eine ähnlich schlechte Ernte wie im Dürrejahr 2018 mit 136,7 Millionen Tonnen.

Der Welthandel nimmt ebenfalls zu, was auf stärkere Importe Chinas und höhere Exporte aus Kanada und Australien zurückzuführen ist, die beide größere exportierbare Weizenmengen zur Verfügung haben. Der prognostizierte durchschnittliche Farmpreis in den USA liegt unverändert bei 4,50 USD pro Buschel.

Die Weizenpreise in den wichtigsten Exportländern sind zuletzt durchweg gestiegen, wobei die US-Preise den größten Sprung nach oben machten. Die Ursache: Starke Weizen-Verkäufe nach China und ein stärkerer Wettbewerb um inländische Transport- und Exportkapazitäten haben den US-Preisanstieg angetrieben.

Die russischen Weizen-Preise sind aufgrund der starken globalen Nachfrage (Rekordexporte im August und wohl auch im September) ebenfalls  kräftig gestiegen und wohl auch aufgrund der Einschränkungen beim Eisenbahntransport, schreibt das USDA.

Die EU-Weizen-Preise legten aufgrund der schwachen Ernten in den wichtigen europäischen Erzeugerländern (Frankreich, Deutschland, Rumänien und Großbritannien) ebenfalls spürbar zu.

Auch die kanadischen Preise zogen trotz einer sehr großen Ernte kräftig an. In Kanada könnte es mit 36 Miollionen Tonnen die bisher die zweitgrößte Ernte überhaupt werden. Die australischen Weizen-Preise legten ebenfalls trotz einer sehr großen Ernte (drittgrößte erwartete Ernte) zuletzt immer weiter zu.

Sojabohnen: US-Ernte deutlich nach unten gesetzt

Sojabohnen werden mit einem Mähdrescher geerntet

Die globale Sojaproduktion für 2020/21 wird auf 370 Millionen Tonnen prognostiziert: Das ist ebenso viel wie im August. Die Sojabohnenernte in den USA wird aufgrund geringerer Erträge jedoch um 3 Millionen Tonnen reduziert, auch in der Ukraine erwartet das USDA eine kleinere Sojaproduktion.

Dagegen sind die Ernten in Brasilien, Kanada und Indien größer – und die Bilanz somit ausgeglichen. Außerdem meldet das USDA eine höhere Rapsproduktion in Kanada.

Der globale Handel mit Sojabohnen nimmt aufgrund höherer Sojabohnenexporte aus Brasilien zu. Die weltweiten Endbestände sind um knapp 2 Millionen Tonnen gesunken, was auf eine kleinere Produktion in den USA zurückzuführen ist.

Der prognostizierte durchschnittliche Preis für Sojabohnen in den USA wurde um 90 Cent auf 9,25 USD pro Buschel angehoben, was auf die starke Nachfrage aus China, das ungünstige Wetter und die erwartete Verknappung des kurzfristigen Angebots zurückzuführen ist.

Chinas eigene Prognose ist noch sehr unsicher

Das chinesische Landwirtschaftsministerium hat seine Prognosen für die Maisimporte für die Erntejahre 2019/20 und 2020/21 angehoben. Gleichzeitig senkten die Chinesen ihre Erwartungen an die eigene Maisproduktion im neuen Wirtschaftsjahr, das im Oktober beginnt und im September 2021 endet.

Die Maisimporte beliefen sich im Jahr 2019/20 auf 7 Millionen Tonnen, ein Anstieg von 1 Million Tonnen gegenüber der Prognose vom August, während die Maisimporte für 2020/21 voraussichtlich 7 Millionen Tonnen erreichen könnten, verglichen mit der Schätzung des Vormonats von 5 Millionen Tonnen.  

China hat in jüngster Zeit die Maisimporte aus den USA deutlich ausgeweitet, da die Inlandslieferungen immer knapper wurden. Die Maisproduktion im Jahr 2020/21 wird von den Chinesen offiziell auf 265 Millionen Tonnen geschätzt, das sind 1,8 Millionen Tonnen weniger als im August prognostiziert wurde.

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