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USDA-Report: Marktschock und viele Fragen

Ackerflächen
am
14.08.2019
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Der August-Report des USDA hat die Märkte geschockt. Landwirte, Verarbeiter und Handel äußern sich kritisch.

Das Ergebnis war ein drastischer Preissturz bei Mais, Weizen und Ölsaaten. Für Landwirte, Verarbeiter und Handel ergeben sich daraus gewaltige Verluste.

Allein an den Börsen summiert sich der Preisverfall auf viele Milliarden Dollar.

Das USDA hat gesprochen, aber was genau haben sie gesagt?, fragte deshalb Bryce Knorr, Marktanalyst bei Farm Futures.

Unverständnis und massive Kritik

Analysten, Händler und Landwirte reagierten deshalb mit Unverständnis und Kritik an den neuen Daten. Im Vorfeld des Reports waren die wichtigsten Analystenfirmen und Agrardienstleister zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Auch sie hatten viele Landwirte befragt, sich dabei aber vorranging auf neue Technologien gestützt.

Das Problem: Nicht nur in den USA sondern weltweit richten sich die Versorgungsbilanzen und Vermarktungs-Strategien der Akteure am USDA-Report aus. Das zeigen die heftigen weltweiten Reaktionen der Terminmärkte auf die Daten. Nur das USDA gibt aus Sicht der meisten Marktakteure bisher einen belastbaren Überblick über die Eckdaten an den weltweiten Ölsaaten- und Getreidemärkten.

Darauf sind die Händler und Landwirte angewiesen, denn die globalen Getreidemärkte sind über die Terminmärkte und die weltweiten Handelsströme extrem eng vernetzt. Dennoch: Diesmal ist der Frust unter den Markteilnehmern über die Daten besonders groß und man kritisiert das USDA und sucht sogar nach Alternativen.

USDA: Fakten sind Fakten?

Maisfeld

Dies ist nicht das erste Mal, dass ich Landwirte sagen höre, dass das, was das USDA festgestellt hat, falsch ist", sagte US-Landwirtschaftssekretär Perdue. "Fakten sind Fakten, und Daten sind Daten und diese werden konsistent verarbeitet."

Massive Kritik aus der Branche gab es auch schon beim Juni-Report des USDA, bei dem die erwartete Aussaatfläche vom USDA wegen der extremen Aussaatbedingungen ebenfalls gesenkt wurden. Auch im Juni übertrafen aber die Analysten-Schätzungen die Prognosen des USDA-Flächenberichts bei Weitem. Das Ergebnis war ein erster Preisrutsch am Getreidemarkt. Händler und Analysten waren überzeugt, dass bereits diese Daten die Auswirkungen der massiven Überschwemmungen und der extremen Regenfälle auf die Aussaatflächen nicht ausreichend widerspiegelten.

"Dieser USDA-Bericht war ein absoluter Witz", sagte dazu Brad Freking, Inhaber von New Fashion Pork, das in sieben US-Bundesstaaten jährlich 1,4 Millionen Schweine vermarktet." Die Probleme des USDA bei der Abbildung der Marktverhältnisse veranlassten Landwirte und Analysten, auch nach Alterativen zu suchen, um ihre Situation besser zu bewerten.

Das waren vor allem (neue) Technologieunternehmen, die Drohnenvideos und Satellitenbilder zur Analyse der Bedingungen einsetzen. Deren alternative Einschätzungen bildeten offenbar auch die Grundlage für die vor dem USDA-Report gemachten Analystenschätzungen – die dann erneut ungewöhnlich stark von der USDA-Einschätzung abwichen.

USDA befragte erneut die Landwirte

Maisfeld

Grundlage der USDA-Daten bildeten umfassende Befragungen unter Landwirten. Diese Daten wurden dann mit Satellitenbildern abgeglichen und hochgerechnet. Lance Honig, USDA-Chef der Crops Division, hatte bei einer Veranstaltung der University of Illinois mitgeteilt, dass seine Mitarbeiter im Juli auf Felder zurückgekehrt sind, die nicht bepflanzt wurden, um herauszufinden, was mit diesen Feldern passiert ist.

Honig erklärte außerdem, dass die USDA-Mitarbeiter nicht nur die betroffenen Felder besuchten. Sie haben auch mit den Farmern gesprochen haben, um herauszufinden, welche Flächen voraussichtlich für Silage oder andere Zwecke genutzt werden. Honig sagte weiterhin, das USDA verlasse sich stark auf die Landwirte, um den Ertrag abzuschätzen."Also werden die Farmer uns ihre bestmögliche Schätzung des erwarteten Ernteertrags geben. Gleichzeitig ziehen wir Satelliteninformationen heran und beurteilen die Ernte aus dieser Perspektive.

Honig wies zudem darauf hin, dass es bei der Ertragsprognose zwei Dinge zu beachten gibt: Erstens basiert die Schätzung auf dem, was bei der Aussaat passierte und welche Fläche bestellt und am Ende abgeerntet wird. Und zweitens zieht das USDA die Wetteraussichten heran und beurteilt das Ertragspotential. Bislang geht das USDA für den Rest des Erntejahres jedoch von normalem Wetter aus. "Wir nehmen also bei den Erträgen keine ungewöhnlichen Anpassungen vor", erklärte Honig.

In seinem aktuellen Report hat das USDA allerdings die Maiserträge nach oben gesetzt und die Flächensenkungen damit mehr als ausgeglichen. Auch beim Weizen ging es mit den Erträgen nach oben, während man bei Sojabohnen nichts an den Erträgen änderte.

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