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Prognose Getreideernte 2020

USDA-Report: Neue Daten, alte Sorgen – auch ohne Corona

Getreidefeld
am Dienstag, 12.05.2020 - 19:41 (Jetzt kommentieren)

Der erste Ausblick des USDA auf die neue Getreideernte stimmt alles andere als optimistisch. Was die Preise betrifft, sind die Aussichten jedenfalls ausgesprochen bärisch.

Deutlich größere Ernten bei Weizen, Mais und Reis – und auch bei Soja – geben die Richtung vor. Zwar wachsen auch Verbrauch und Handel kräftig – doch die Bestände nehmen trotzdem zu.

Zuletzt hatten vor allem die Hamsterkäufe und Handelsbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie für steigende Preise bei Weizen und Reis gesorgt. Bei Mais und Soja sowie bei Raps führten die abstürzenden Ölpreise jedoch zu einem dramatischen Preisverfall.

Derzeit bestimmt noch die Corona-Pandemie die Preisentwicklung und die globale Nachfrage. Doch die hohen Ernteprognosen lassen für die Preise nichts Gutes ahnen, wenn der Handel irgendwann wieder ungestört abläuft. Es sei denn, dass Wetter macht noch einen dicken Strich durch die Rechnung. Doch danach sieht bisher nicht aus.

Weizen: So viel Weizen wie nie – nur nicht in der EU

Getreideexport

Die erste Prognose für den Weizen zeigt für 2020/21: Eine größere Ernte, mehr Handel, mehr Verbrauch und höhere Endbestände. Das verfügbare Angebot am Weltmarkt wird voraussichtlich kräftig steigen, da für mehrere große Exporteure, wie Argentinien, Australien, Kanada und Russland für 2020/21 größere Ernten prognostiziert werden. In Australien wird der größte Anstieg um 8,8 Millionen Tonnen, auf 24 Millionen Tonnen erwartet, da das Land sich von einer mehrjährigen Dürre erholt.

Gleichzeitig erwartet das USDA, dass die Weizenernte in der EU aufgrund kleinerer Ernteflächen und Erträge um fast 12 Millionen Tonnen auf 143 Millionen Tonnen schrumpfen wird. Die Produktion in der Ukraine wird mit 28 Millionen Tonnen ebenfalls rund 1 Millionen Tonnen kleiner prognostiziert. Dies wäre jedoch immer noch die zweitgrößte Ernte überhaupt.

Der erwartete Welthandel für 2020/21 nimmt um knapp 5 Millionen Tonnen oder 2 Prozent zu und erreicht ein Rekordhoch von 188 Millionen Tonnen. Die Importe werden voraussichtlich aufgrund der höheren Nachfrage Chinas, Algeriens, Marokkos und des Iraks steigen. Russland wird erneut als führender Weizenexporteur mit Ausfuhren von 35,0 Millionen Tonnen erwartet, wobei Argentinien, Australien und Kanada ebenfalls mehr Weizen exportieren.

Dagegen werden die EU, die Ukraine und die Vereinigten Staaten weniger Weizen ausführen. Der weltweite Verbrauch für 2020/21 wird um 4,9 Millionen Tonnen auf ein Rekordniveau von 753,5 Millionen steigen. Die prognostizierten weltweiten Endbestände für 2020/21 wachsen um 5 Prozent auf den Rekordwert von 310 Millionen Tonnen, wobei China 52 Prozent der Gesamtbestände hält.

Mais: Zuwachs bei allen Top-Produzenten

Maiskörner

Der erste Ausblick für die globale Grobgetreide-Ernte für 2020/21 geht von einer Rekordproduktion und -nutzung sowie von kräftig wachsenden Endbeständen aus. Die globale Maisproduktion wird ebenfalls auf einem neuen Rekordniveau erwartet, wobei die größten Zuwächse in den USA, Brasilien, der Ukraine, Mexiko und Kanada zu verzeichnen sind.

Der weltweite Maisverbrauch wird voraussichtlich um 4 Prozent steigen. Die Maisexporte werden ebenfalls um etwa 4 Prozent zulegen. Größere Maisimporte erwartet das USDA unter anderem für die EU, Ägypten, Mexiko, den Iran, Marokko und Vietnam.

Die weltweiten Maisendbestände nehmen ebenfalls kräftig zu. Ohne China und die USA steigen die Endbestände gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent. Für China werden ingesamt Grobgetreide-Importe von 18,3 Millionen Tonnen erwartet, ein Anstieg von 1,3 Millionen Tonnen, der jedoch unter dem bisherigen Rekordwert von 25,7 Millionen Tonnen aus dem Jahr 2014/15 bleibt.

Für 2020/21 wird eine robuste Nachfrage aus China mit folgenden Grobgetreide-Importen erwartet: 7,0 Millionen Tonnen Mais, immerhin 6,0 Millionen Gerste und 5,0 Millionen Sorghum.

Soja: USA und Südamerika deutlich im Plus

Sojaernte Brasillien

Die weltweite Ölsaatenproduktion für 2020/21 wird auf einen Rekordwert von 605,9 Millionen Tonnen prognostiziert, ein Anstieg von 30,7 Millionen gegenüber 2019/20, hauptsächlich aufgrund einer höheren Sojabohnenproduktion.

Die weltweite Sojabohnenproduktion wird voraussichtlich um 26,6 Millionen Tonnen auf 362,8 Millionen Tonnen steigen, wobei die brasilianische Ernte um 7,0 Millionen Tonnen auf 131,0 Millionen Tonnen, die argentinische Ernte um 2,5 Millionen Tonnen auf 53,5 Millionen Tonnen und die US-Produktion gegenüber dem Rückgang des Vorjahres um 15 Millionen auf 112 Millionen Tonnen steigen wird.

Bei Raps wird eine größere Ernte in Kanada, Australien, der Ukraine und Russland erwartet. Für die EU liegt die erwartete Rapsernte mit 17 Millionen Tonnen nur geringfügig über dem Vorjahr. Der weltweite Verbrauch von Eiweißfutter außerhalb Chinas wird 2020/21 voraussichtlich um 2 Prozent steigen, verglichen mit dem vorherigen 5-Jahres-Durchschnitt von 3 Prozent aufgrund der sich schwächeren Weltkonjunktur.

Der Eiweißfutterkonsum wächst in China mit 6 Prozent stärker als in den Vorjahren, da sich das Land vom Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) erholt. Chinas Sojaimporte steigen um 4 Millionen Tonnen auf 96 Millionen. Die weltweiten Endbestände an Sojabohnen werden auf 98,4 Millionen Tonnen prognostiziert, was einem Rückgang von 1,9 Millionen gegenüber 2019/20 entspricht.

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