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Getreidemarkt und Getreidepreise

USDA-Report: Preisrallye oder Crash der Getreidepreise?

Futtermittel Weizen wird verladen
am Freitag, 09.10.2020 - 13:29 (Jetzt kommentieren)

Der heutige USDA-Bericht könnte die Rallye der Getreidepreise beenden – oder einen weiteren Preissprung bringen. Beides ist möglich, sagen Analysten.

weizenpreise.

Und der Bericht wird die Preisentwicklung der nächsten Wochen bestimmen. Die US-Analystin Naomi Blohm warnt die Landwirte jedoch davor, sich nicht von den „hohen Preisen hypnotisieren zu lassen“. Die Gefahr ist nämlich, man tut nichts, wenn die Preise abstürzen, anstelle entschlossen zu handeln.

Vor der Veröffentlichung des USDA-Oktoberreports (18:00 MEZ) stehen die Zeichen an den Terminmärkten jedoch auf Grün. Sowohl die Weizenpreise als auch Mais und Sojabohnen klettern am Terminmarkt in Chicago deutlich nach oben.

Der vordere Chicago-Weizen steigt im laufenden Handel am Freitag (13:00 MEZ) um 8 Cent auf 604 Cent je Buschel. Die Maispreise legen immerhin um 4 Cent auf 391 Cent zu und für Sojabohnen notiert der Markt ein sattes Plus von 10 Cent auf 1060 Cent je Buschel.

Ähnlich optimistisch präsentiert sich auch der europäische Terminmarkt in Paris. Der vordere Weizenkontrakt notiert vor der Veröffentlichung der USDA-Daten 1 Euro im Plus bei 200 Euro je Tonne. Für Mais gibt es einen Aufschlag von 0,25 Cent auf 176 Euro und die Rapspreise steigen um 2 Euro auf 393 Euro je Tonne.

Die Stunde der Wahrheit - kommt heute

Weizenpreise.

Der US-Analyst Bruce Knorr schreibt: „Jetzt muss der Markt beweisen, dass der Optimismus gerechtfertigt war. Der Test kommt am 9. Oktober (heute), wenn das USDA zeigen wird, wie sich die aktualisierten Ernteschätzungen und die kleineren Bestände auf die Markdaten und die Preise auswirken.

Vorbehaltlich einer weiteren (deutlichen) Kürzung der Produktionsprognosen für die Ernten bei Mais, Soja und Weizen, könnte die Rallye jedoch weiter gehen. Dennoch bleiben sehr viele Unsicherheitsfaktoren, die die Entwicklung und die Einschätzungen der Analysten beeinflussen können. Das USDA steht dabei vor der Herausforderung, seine bisherigen Prognosen zu Angebot und Nachfrage an die veränderten Verhältnisse anzupassen. Bereits im September-Report hatten die USDA-Experten ihre Produktionsschätzungen für Mais und Soja gekürzt.

Doch die US-Ernten waren trotz dieser Korrekturen immer noch ziemlich groß, einschließlich der erwarteten Erträge, die weiterhin über dem 20-Jahres-Trend lagen. Die US-Maisproduktion war im Septemberreport immer noch die zweitgrößte aller Zeiten, während die erwartetet Sojabohnenernte an dritter Stelle lag. Diese Daten müssen nun (deutlich) nach unten angepasst werden. Ansonsten könnte der Markt überreagieren.

Große Unsicherheitsfaktoren für Händler und Analysten (sogenannte Wildcards), die die weitere Preisentwicklung erheblich beeinflussen können, sind das sehr trockene Wetter in weiten Teilen Südamerikas und Russlands sowie die weitere Entwicklung der zuletzt ungewöhnlich starken Nachfrage aus China.

Nicht von Getreidepreisen hypnotisieren lassen

Mais.

Die Getreide-Futures, die zuletzt steil nach oben geschossen waren, wurden mit einer Reihe bullischer fundamentaler Nachrichten befeuert. Ein Grund: Der überraschend bullische Bericht über die vierteljährlichen Endbestände in den USA. Hinzu kommt die sehr starke globale Exportnachfrage bei Weizen, Mais, und Soja.

Das führte zu kräftig steigenden Preisen an den Terminmärkten und am Kassamarkt. Wirklich gehandelt wurde zumindest in Deutschland zuletzt aber wenig. Sowohl Landwirte als auch Getreidehändler waren sich nämlich nicht sicher, ob das hohe Preisniveau hält – also ob die Preise weiter steigen – oder ob es wieder steil nach unten geht. Deshalb hat man lieber erst mal abgewartet. Das könnte sich nun aber rächen.

Der aktuelle USDA-Bericht hat jedenfalls das Potenzial, die jüngste Rallye weiter zu treiben oder auch für einen Absturz zu sorgen – je nachdem wie die Zahlen ausfallen und wie die Händler sie interpretieren. Sicher ist jedenfalls, dass weder Landwirte noch Analysten die Inhalte des USDA-Berichts oder die Reaktion des Marktes vorhersagen können.

Aus diesem Grund ist es für Landwirte enorm wichtig, für beide Möglichkeiten rechtzeitig ein Szenario zu entwicklen und sich rational zu verhalten.

Vieles ist schon eingepreist – Enttäuschung könnte groß werden

weizen verladen.

Die US-Analystin Naomi Blohm warnt die Landwirte davor, angesichts der möglichen Preissauschläge – den Kopf in den Sand zu stecken. Sie sagt: Die hypnotische Wirkung höherer Preise bringt die Landwirte manchmal dazu, nichts zu tun und „abzuwarten und zu sehen“. Das könnte fatal ausgehen.

Im Vorfeld des Oktober-Berichts erwarten Analysten einen niedrigeren Ertrag für Mais und Sojabohnen. Deshalb wird unterstellt, dass die Endbestände für das Erntejahr 2020/21 (kräftig) schrumpfen. Ein bestimmter Rückgang der Ernten und der Bestände ist aber schon eingepreist.

Damit die Preise weiter steigen, müssten die Ernte und die Bestände kleiner werden als der Markt derzeit erwartet. Andernfalls könnte es eine deutliche Korrektur geben. Damit die Futures für Mais, Sojabohnen und Weizen also noch höher gehandelt werden, müssten die Endbestände für Mais, Sojabohnen und Weizen im aktuellen Report unter den Erwartungen bzw. Schätzungen der Analysten liegen.

Die globale Nachfrage nach Getreide und Ölsaaten war zuletzt allerdings ebenfalls sehr stark. Vor allem China hat in großem Umfang Weizen, Mais und Soja gekauft. Viele Analysten gehen derzeit davon aus, dass die chinesische Nachfrage den Handel und die Preise in den nächsten Monaten weiterhin massiv beeinflussen wird.

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