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Getreidemarkt und USDA-Report

USDA: Schock für die Getreidemärkte – Ernte der Superlative

Reife Weizenähren wiegen sich im Wind
am Donnerstag, 11.06.2020 - 19:26 (1 Kommentar)

Der zweite Ausblick des USDA auf die neue Getreideernte ist noch weitaus bärischer als die erste Vorschau vom Mai.

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Vor allem beim Weizen hat das USDA den Markt mit einer nochmaligen massiven Korrektur der Eckdaten nach oben überrascht. Aber auch bei Mais, Gerste und Reis sind die Bilanzen noch schwerer als vor vier Wochen. Wenn diese Ernten wirklich so kommen, dann sind die Aussichten für die Getreide- und Ölsaatenpreise alles andere als positiv.

Allzeithochs bei den Ernteprognosen für Weizen, Mais und Reis – und auch für Soja – geben für die nächste Zeit die Richtung an den Märkten vor. Zwar wachsen Verbrauch und Handel ebenfalls kräftig – doch die Getreide-Bestände klettern trotzdem auf neue Rekordhochs.

Beim Weizen liegt das Verhältnis vom Endbestand zum Verbrauch – die für die Marktbeurteilung durch Analysten maßgebliche stocks-to-use ratio – bei 42 Prozent. So hoch wie noch nie zuvor.

Noch beeinflusst auch die Corona-Pandemie die Preisentwicklung und die globale Nachfrage. Doch die extrem hohen Ernteprognosen lassen für die Getreide-Preise nichts Gutes erwarten, wenn der Handel wieder ungestört abläuft.

Im Vorfeld des Berichts sagte Ted Seifried, Chef-Stratege bei Zaner Ag Hedge Group: "Wenn wir diesen Bericht ohne bärische, schockierende Überraschung durchstehen können, könnten wir einen saisonalen Aufwärtstrend erleben. Aber dieser Bericht hat das Potenzial, das technische Bild und die positiven Erwartungen des Marktes zu zerstören." Das ist nun offenbar geschehen.

Weizenernte der Superlative

weizenernte

Die weltweite Weizenernte für 2020/21 wurde gegen über der Maischätzung um 5 Millionen Tonnen auf 773 Millionen Tonnen nach oben gesetzt, was einer Produktionssteigerung gegenüber dem Vorjahr von 9 Millionen Tonnen entspricht.

Die indische Produktion wurde um 4,2 Millionen Tonnen auf jetzt 107 Millionen Tonnen nach oben korrigiert, und für Australien ging es um 2,0 Millionen Tonnen nach oben, beides aufgrund aktualisierter Regierungsstatistiken. Indiens Ernte wird voraussichtlich rekordgroß sein, und Australiens Ernte wird nach zwei aufeinander folgenden Jahren Dürre voraussichtlich um 75 Prozent auf 26 Millionen Tonne ansteigen.

Die Ernte für die Türkei und China wurden um 1,0 Millionen Tonnen erhöht. Chinas Ernte liegt damit rekordhoch bei 136 Millionen Tonnen.  

Diese Erhöhungen werden in geringem Umfang durch Ernteausfälle von 2,0 Millionen Tonnen für die EU und 1,5 Millionen Tonnen für die Ukraine ausgeglichen. Beide Regionen hatten sehr trockene Bedingungen während der Vegetationsperiode im April und im Mai. Für die EU liegt die Erntemenge jetzt bei 141 Millionen Tonnen Weizen (Hart- und Weichweizen) und damit rund 14 Millionen Tonnen!! unter dem Vorjahr.

Die Ernte in der Ukraine ist mit erwarteten 26,5 Millionen Tonnen etwa 2,5 Mio. Tonnen kleiner als die Rekordernte aus dem vorigen Jahr. Doch das wäre trotz des Rückgangs, im langfritistigen Vergleich, immer noch eine sehr große Weizenernte.

Für Russland schätzt das USDA die Ernte unverändert auf 77 Mio. Tonnen und damit gut 3 Mio. Tonnen größer als in der vorigen Saison. Mehrere russiche Analystenhäuser hatten die Produktion in dieser Woche – trotz der Trockenheit im Süden – sogar wieder etwas nach oben korrgiert. Das könnte die globale Bilanz im nächsten USDA-Report sogar noch weiter aufblähen.

Russland exportiert am meisten Weizen

Getreide hafen

Die prognostizierten weltweiten Weizen-Exporte für 2020/21 hat das USDA um 1 Millionen Tonnen auf 189 Millionen erhöht. Das wäre ein neues Allzeithoch. Australien verzeichnet einen Anstieg der Ausfuhren von 2,0 Millionen Tonnen auf jetzt 16 Millionen Tonnen und die russischen Exporte wachsen nochmals um 1,0 Millionen Tonnen auf 36 Millionen Tonnen - Grund sind die geringeren Ausfuhren aus der Ukraine und aus der EU.

Die Exporte für die Ukraine wurden im Junireport des USDA um 1,5 Millionen Tonnen und für die EU um weitere 0,5 Millionen Tonnen gesenkt. Damit schrumpfen die EU-Ausfuhren im Jahresvergleich um insgesamt um 8,5 Millionen Tonnen auf nur noch 28 Millionen Tonnen. Die Ukraine verliert gegenüber der letzten Saison 3 Mio.Tonnen auf jetzt 17,5 Mio. Tonnen.

Mit dem weiteren Anstieg des globalen Weizen-Angebots und einem geringfügigen Rückgang des weltweiten Verbrauchs, sollen die gobalen Endbestände um nochmals 6,0 Millionen Tonnen auf ein neues Rekordhoch von 316 Millionen Tonnen steigen. Allerdings hält China derzeit die Hälfte und Indien 10 Prozent der globalen Gesamtbestände bei Weizen.

So viel Mais und Futtergetreide wie noch nie

Maisfeld

Die weltweite Prognose für die Grobgetreide-Produktion 2020/21 wird um 3,2 Millionen Tonnen auf 1.484,6 Millionen erhöht. Die Maisproduktion wächst im Vergleich zur vorigen Prognose um 2 Millionen Tonne auf 1.188 Mio.Tonnen. Die weiterhin rekordhohen Bestände wurden wegen des ebenfalls etwas höheren Verbrauchs jedoch leicht nach unten korrigiert – bleiben aber dennoch auf einem Allzeithoch.

Die neue Maisernte in Brasilien wurde aufgrund der größer erwarteten Anbaufläche auf 107 Millionen Tonnen erhöht. Für das noch laufende Jahr 2019/20 bleibt die brasilianische Maisernte unverändert, da eine größere Fläche durch eine Ertragsreduzierung ausgeglichen wurde.

Die Ertragsaussichten für einen Großteil des US-Mittelwestens sind weiterhin sehr günstig. Die neue US-Ernte bleibt unverändert zur vorigen Prognose mit 406 Millionen Tonnen auf einem neuen Rekordhoch. Das Plus gegenüber der aktuellen US-Ernte beträgt 60 Millionen Tonnen!!

Die Gerstenproduktion wurde für die EU auf 64 Mio. Tonnen erhöht, basierend auf einem Anstieg für das Vereinigte Königreich, der teilweise durch einen Rückgang für Frankreich ausgeglichen wird. Die Gerstenproduktion für Australien wurde ebenfalls erhöht.

Für die Ukraine, Indien und Russland wurde die Gersten-Produktion leicht gesenkt. Gegenüber der vorigen Prognose wächst die Gesamternte bei Gerste jedoch um rund 1 Mio. Tonnen auf 155 Millionen Tonnen. Die Gerstenexporte für Australien wurden aufgrund einer Verringerung der erwarteten Importe nach China reduziert.. China hat sehr hohe Importzölle auf australische Gerste verhängt.

Soja: Riesige Ernten in den USA und Südamerika

Sojaernte in Brasilien

Die globalen Angebots- und Nachfrageprognosen für Ölsaaten für 2020/21 beinhalten eine etwas höhere Produktion und niedrigere Endbestände im Vergleich zum Vormonat. Die neue Sojaernte für 2020/21 blieb nahezu unverändert bei 363 Mio. Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 28 Millionen Tonnen.

Für Brasilien liegt die Ernteprognose für dei nächste Saison bei 131 Mio. Tonnen – ein Plus von 7 Mio. Tonnen zum Vorjahr. Die USA erwarten eine Sojaernte von 112 Mio. Tonnen – gegenüber 97 Mio.Tonnen in 2019 und Argentinien rechnet mit 53,5 Mio. Tonnen – gegenüber 50 Mio. Tonnen.

Die Endbestände an Sojabohnen für 2020/21 hat das USDA um 2,1 Millionen Tonnen auf 96,3 Millionen gesenkt. Grund ist der höhere Verbrauch in den USA.

Für die aktuelle Saison 2019/20 wurden die Sojabohnenexporte für Argentinien und Brasilien aufgrund des hohen aktuellen Versandtempos um jeweils 1 Million Tonnen erhöht. Diese Entwicklung spiegelt die gestiegene Nachfrage aus China wider. Chinas Importe steigen in der nächsten Saison um 2 Mio. Tonnen auf 96 Mio.Tonnen.

Die neue Rapsernte in der Europäischen Union hat das USDA nochmals um 0,2 Mio. t auf 16,8 Mio. t gesenkt, was hauptsächlich auf niedrigere Erträge in Deutschland zurückzuführen ist. Der EU-Ernte-Rückgang wird am globalen Markt jedoch durch eine höhere australische Rapsproduktion ausgeglichen.

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