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Getreidevermarktung

Vermarktungsexperte warnt: 2023 nicht in Dinkel-Anbau einsteigen

Dinkelähren
am Donnerstag, 18.08.2022 - 05:15 (1 Kommentar)

Dinkel ist in den vergangenen Jahren bei Ackerbauern und im Handel immer beliebter geworden. Mit dem Ergebnis, dass derzeit ein Überangebot den Markt belastet. Wenn Sie 2023 dennoch Dinkel anbauen wollen, hat Vermarktungsexperte Hans Jürgen Hölzmann für Sie eine klare Empfehlung.

Hans-Jürgen Hölzmann

Der Dinkelmarkt ist zwar noch immer eine Nische, hat sich in den vergangenen Jahren jedoch stetig entwickelt. Die Vermahlung hat sich in Deutschland von knapp unter 110.000 t innerhalb von fünf Jahren auf fast 242.000 t Mahlerzeugnisse aus Dinkel mehr als verdoppelt.

In Anbauversuchen und Rentabilitätsrechnungen schneidet die Kultur als Alternative zum Weizen häufig gut ab. Zwar liegt der Ertrag nicht entspelzt etwa 10 bis 15 Prozent unter dem von Weizen. Seine Ansprüche an den Standort sind jedoch verhältnismäßig gering. Den Anbau beherrschen erfahrene Ackerbauern leicht.

„Aber genau darin liegt auch das Risiko“, sagt Hans Jürgen Hölzmann, der über 30 Jahre als Geschäftsführer einer Dinkel-Erzeugergemeinschaft tätig war.

Dinkel ist als Getreide in Mode

„Der Dinkelmarkt erfuhr in den letzten Jahrzehnten einen enormen Aufschwung“, berichtet Hölzmann. War der Spelzweizen ursprünglich im süddeutschen und im ökologischen Bereich beheimatet, fehlen Dinkelprodukte heute in Deutschland in keiner gut sortierten Bäckerei. Genauso haben sich der Anbau und Entspelzbetriebe in ganz Deutschland etabliert, wenn auch noch immer mit starkem Süd-Nordgefälle.

Nicht zuletzt verhalf der Wunsch nach vielfältigeren Fruchtfolgen, die in vielen Bundesländern finanziell gefördert werden, zu einem Anbau-Aufschwung.

Ein Überangebot belastet die Dinkelpreise

Die Folge: „Seit der Ernte 2021 besteht am Dinkelmarkt ein Überangebot. Das drückt auf die erzielbaren Preise“, berichtet Hölzmann. Trotz des Überangebotes wurde der Anbau auch zur Ernte 2022 offenbar nicht reduziert. Und die neue Ernte brachte bundesweit gute Erträge, wenn auch bei etwas niedrigeren Eiweißgehalten.

„Viele Abnehmer haben zurzeit kein Kaufinteresse; das wird noch ein paar Monate so bleiben“, sagt Hölzmann. Es zeichne sich ab, dass größere Mengen aus der diesjährigen Ernte überlagert werden. Er rät, vorhandene freie Ware aus der diesjährigen Ernte frühzeitig gegebenenfalls als Futtermittel zu verwerten.

Handel bietet für Dinkel der Ernte 2023 Festpreise

„Insbesondere in Süddeutschland scheint der Anbau nach wie vor groß zu sein“, sagt der Vermarktungsexperte. Dort bietet der Handel Anbauverträge mit Festpreisen zur Ernte 2023.

Weil die gebotenen Preise im Vergleich zu den guten Weizenpreisen zwar nicht gerade verlockend, aber auch nicht „abschreckend“ seien, rechnet Hölzmann damit, dass das Überangebot am Dinkelmarkt bis zur Ernte 2023 voraussichtlich nicht vollständig abgebaut sein wird.

„Der größte Fehler, den ein Ackerbauer machen kann“

Hölzmann hat für Ackerbauern, die jetzt den Anbau von Dinkel erwägen, darum eine klare Empfehlung: „Landwirte sollten für die Ernte 2023 nur dann in den Dinkelanbau einsteigen, wenn ihnen sichere und rentable Absatzverträge angeboten werden“. Der größte Fehler, den ein Ackerbauer machen könne, sei, ohne vorherige Absatzvereinbarung in diesem Herbst Dinkel auszusäen.

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