Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Getreideernte Ukraine

Wie viel Getreide erntet die Ukraine 2023? – Fakten und Spekulationen

Ukraine Winter.
am Samstag, 14.01.2023 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Trotz des Krieges hat die Ukraine 2022 deutlich mehr Getreide geerntet als erwartet. Doch 2023 wird alles noch schwieriger. Die ukrainischen Getreidepreise sind niedrig und die Betriebsmittel knapp und teuer. Die Ernte bei Weizen und bei Mais wird deutlich schrumpfen.

ukraine weizenfläche.

Die Ergebnisse der Pflanzkampagne 2022 zeigen, dass die Fläche für Winterweizen in der Ukraine im Vergleich zu 2021 um 40 bis 45 % zurückgegangen ist, sagte der stellvertretende Vorsitzende des ukrainischen Agrarrates Denys Marchuk gegenüber AKP-Inform. Wie der Experte weiter feststellte, ist die negative Entwicklung auf die Folgen des Krieges, fehlende Mittel für die Landwirte und die Wetterbedingungen zurückzuführen.

Besatzung, Kriegshandlungen, zerstörte Bauernhöfe, verminte Felder und Probleme mit der Logistik beeinträchtigen die Möglichkeiten der Landwirte, die Aussaat ordnungsgemäß durchzuführen. Der Mangel an finanziellen Mitteln hat außerdem auch den Einsatz moderner Technologien und von Düngemittel verringert. Dies wird die Ernte von 2023 beeinträchtigen, obwohl bereits die vorherige Ernte (2022) einen Rückgang der Produktion traditioneller Getreidearten um fast 50 % zeigte“, sagt Marchuk.

Gleichzeitig betonte er, dass die Reduzierung der Anbauflächen in keiner Weise die Ernährungssicherheit der Ukraine gefährdet, da die Landwirte trotzdem mehr ernten, als der heimische Markt verbrauchen könne.

Mit ähnlichen Probleme sind die ukrainischen Landwirte bei der Aussaat von Sommerkulturen wie Mais und Sonnenblumen im Jahr 2023 konfrontiert, sagte der stellvertretende Minister für Agrarpolitik und Ernährung der Ukraine, Denys Bashlyk. „Zum einen fehlt es den Landwirten an Geld. Zweitens haben sie nicht genug Saatgut und Drittens gibt es Probleme mit der Elektrizität und mit den meisten Betriebsmitteln.

Wie groß wird die Weizenernte 2023?

Ukraine Weizenernte.

Einige Wochen zuvor hatte Alex Lissitsa, CEO des Landwirtschaftsunternehmens IMC, die Lage gegenüber Interfax Ukraine noch kritischer eingeschätzt: „Die Ernte von Frühgetreide (hauptsächlich Weizen und Gerste) könnte um 50 bis 70 % geringer ausfallen (2023 gegenüber 2022). Tatsächlich werden wir unseren eigenen Bedarf BER decken, aber mit dem Export wird nicht alles so rosig sein“, sagte Lissitsa.

Die Ukraine verbraucht selbst rund 7 Millionen Tonnen Weizen und bis zu 4 Millionen Tonnen Gerste pro Saison. Lissitsa sagte weiter, dass der Mangel an Geldern für die Aussaat ein großes Problem für die Landwirte bleibe, in einer Situation, in der die lokalen Getreidepreise fielen, während die Kosten für Betriebsmittel stark stiegen. „Ich denke, dass wir 2023 einen enormen Produktivitäts- und Ertragsrückgang haben werden, und am Ende des Jahres werden wir ziemlich geschlagen daraus hervorgehen: nicht tot, aber schwer geschlagen“.

Das Landwirtschaftsministerium hat noch keine offizielle Prognose für die Weizenernte im Jahr 2023 abgegeben, wobei Landwirtschaftsminister Mykola Solsky gegenüber Reuters sagte, dass die Fläche aufgrund der russischen Invasion auf 3,8 Millionen Hektar sinken könnte. Analysten befürchten jedoch, dass die Anbaufläche noch deutlich kleiner sein könnte. Die Ukraine hatte für die Ernte 2022 ursprünglich mehr als 6 Millionen Hektar Winterweizen gesät, aber seit der Invasion im Februar ist ein großes Gebiet von russischen Streitkräften besetzt und konnte nicht abgeerntet werden.

Trotz der vielen Probleme, hat die Ukraine 2022 mit rund 21 Millionen Tonnen etwa 2 Millionen Tonnen mehr Weizen geerntet, als zunächst erwartet wurde, jedoch deutlich weniger als die Rekordernte von 33 Millionen Tonnen aus dem Jahr 2021. Das USDA geht zudem für 2022/23 von Weizenexporten von insgesamt 13 Millionen Tonnen aus – im Vergleich zu den 18,8 Millionen Tonnen in der vorigen Saison 2021/22.

Sehr viel Mais wurde (noch) nicht geerntet

Maisernte Ukraine.

Die Maisproduktion der Ukraine könnte von 41,9 Millionen Tonnen im Jahr 2021 auf 22 bis 23 Millionen Tonnen im Jahr 2022 fallen, da die Erntefläche durch Russlands Invasion zurückgegangen ist, sagte der Landwirtschaftsminister der Ukraine Ende Dezember. „Es wäre gut, wenn wir 22 bis 23 Millionen Tonnen (Mais) ernten würden“, sagte Landwirtschaftsminister Mykola Solsky gegenüber Reuters in einem Interview. Das Ministerium prognostizierte im Herbst dann immerhin eine Maisernte von 25 bis 27 Mio. Tonnen.

Solsky sagte, die Landwirte hätten angesichts eines Mangels an Treibstoff und Geld viel Mais auf ihren Feldern gelassen, und diese Gebiete könnten bis zum Frühjahr geerntet werden. „Das bedeutet weniger Volumen und schlechtere Körnerqualität“, – sagte er. Das USDA hat die Maisernte in seinem aktuellen Januarreport indessen mit 27 Millionen angegeben und damit deutlich größer als erwartet und die Exporte mit 20,5 Millionen Tonnen.

Solsky sagte, eine große Fläche mit nicht geerntetem Mais würde die Landwirte daran hindern, 2023 erneut Mais auf diesen Feldern zu säen, wobei Sonnenblumen eine mögliche Ersatzpflanze im nächsten Frühjahr sein könnten. „Die Maisernte im Winter bedeutet, dass die Felder nicht bereit für die Maisaussaat im Frühjahr sind, und dies ist ein weiterer Grund, warum es weniger Mais gibt. Die Felder werden mit etwas anderem bestellt werden“, sagte er. „Ich denke, es wird weitere Millionen Hektar Sonnenblumenanbau geben. In erster Linie durch Reduzierung der Maisernte“.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...