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Wenn Wasser richtig knapp wird - Was darf Wasser die Bauern kosten?

Bewässerung.
am Donnerstag, 17.06.2021 - 11:57 (1 Kommentar)

Landwirte brauchen Wasser. Doch die Wasserknappheit wird zum Problem. Welchen Preis können Bauern für Wasser zahlen?

Ohne Wasser ist Landwirtschaft nicht möglich. Doch weltweit wird diese wichtige Ressource immer knapper. Das hat viele Ursachen. Eine davon sind die Folgen des Klimawandels. Eine andere ist die Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Denn in Bezug auf das Wasser, würde man so seinen wirklichen Wert erfahren und könnte diesen bei den Produktionskosten berücksichtigen.

Doch es gibt auch viele Gegner der Auffassung, dass Wasser – etwa wie Boden - als ein wirtschaftliches Gut betrachtet werden sollte. Und das vor allem aus ethischen Gründen. In den USA – speziell im dürregeplagten Kalifornien - kann man Wasser für den landwirtschaftliche Bedarf seit dem vorigen Jahr am Terminmarkt handeln.

Oder anders gesagt: Landwirte können sich einen bestimmten Wasserpreis am Terminmarkt absichern. Doch wie kann ein fairer Preis von Wasser für Landwirte und für mögliche Wasserrechte überhaupt ermittelt werden. Der Wissenschaftler Paolo D‘Odorico und sein Team, von der Universität Berkeley in Kalifornien, haben sich in einer Studie erstmals damit befasst. Und sie sind zu überraschenden Ergebnissen gekommen.

Wassermärkte und faire Wasserpreise gibt es (noch) nicht

bewässerung.

Die Fähigkeit von Wasser, in der bewässerten Landwirtschaft zusätzlichen Wert zu schaffen, wird nach Ansicht der Wissenschaftler preislich bisher nicht erfasst. Ihrer Ansicht nach ist die Bewertung von Bewässerungswasser jedoch eine wichtige Information für Landwirte, die Land- und Wasserrechte erwerben wollen.

„Um eine fundierte Entscheidung über den Erwerb von Wasserrechten und über Investitionen in die Bewässerungsinfrastruktur treffen zu können, muss der Wert des Bewässerungswassers besser verstanden werden“, sagt der Hauptautor der Studie, Paolo D‘Odorico. Bisher ist der Wert von Wasser jedoch schwer zu ermitteln, da Wassermärkte und Marktpreise nur in wenigen Regionen der Welt existieren, sagt der Wissenschaftler weiter.

Und er betont: „Trotz zahlreicher Versuche, den Wert von Wasser „in Abwesenheit von Märkten“ zu schätzen – das heißt einen so genannten „Schattenpreis“ zu bilden, fehlt bisher eine belastbare und verbindliche Ermittlung des Wertes von Wasser für die Landwirtschaft“. Trotz der wichtigen Auswirkungen auf die Pflanzenproduktion und die Ernährungssicherheit, bleibt Wasser in der Regel von der Bewertung landwirtschaftlicher Vermögenswerte ausgenommen.

„Im Gegensatz zu Öl wird es nicht als Ware angesehen und auf dem Markt gehandelt, um Einnahmen zu erzielen. Vielmehr bleibt es oft unterbewertet, weil die Nutzer nicht für seinen tatsächlichen Wert bezahlen“, schreiben die Autoren der Studie.  

Gefahr durch Investoren und Spekulanten

Bewässerung.

Wassermärkte und Wasserhandel finden sich derzeit nur in wenigen Ländern. Die Autoren haben solche Beispiele in Australien, den USA, Mexiko, Chile, China, Spanien und Südafrika gefunden. Dies sind aber mehr Ausnahmen als die Regel, da es in den meisten Ländern der Welt keine handelbaren Wasserrechte gibt. Vielmehr ist Wasser entweder an die Eigentumsrechte des Landes gebunden oder wird als öffentliches Gut behandelt.

Der Wert von Bewässerungswasser in landwirtschaftlichen Gebieten ist jedoch eine wichtige Information für Landwirte, betonen die Wissenschaftler – aber auch für Kommunen und Investoren. Die Gegner der Wasserbewertung argumentieren jedoch, dass dies den Erwerb von Wasser- und Landansprüchen durch eigennützige Unternehmen sowie Investoren und Spekulanten begünstigen würde.

Nach Ansicht der Autoren ist das mangelnde Bewusstsein für den Wert natürlicher Ressourcen wie Land und Wasser ein wesentlicher Faktor, der die ländliche Entwicklung und die Landwirtschaften behindert.

Denn: Mögliche Investitionen in die Bewässerungsinfrastruktur erfordern auch eine Bewertung der möglichen landwirtschaftlichen Produktionssteigerungen und der damit verbundenen zusätzlichen Gewinne (und Kosten), die sich aus der Nutzung der Bewässerung ergeben würden, sagen die Wissenschaftler.

Was kostet das Wasser für Weizen, Reis und Mais?

Wasserkosten.

Die Wissenschaftler haben den Wert der Bewässerung für die vier wichtigsten Grundnahrungsmittel ermittelt. Diese vier Produkte machen rund 60 % der weltweiten Lebensmittelproduktion aus. Dabei kommen sie zu folgendem Ergebnis: Die globalen mittleren Wasserwerte für Weizen, Mais, Reis und Sojabohnen liegen etwa bei 0,05 USD, 0,16 USD, 0,16 USD und 0,10 USD je qm Wasser.

Weiter heißt es: „Der Wert von Wasser für die Herstellung von Mais, Sojabohnen und Reis, ist durchweg höher als für Weizen. Diese Unterschiede sind das Ergebnis des kombinierten Effekts von Unterschieden im Erntepreis und in der Wassernutzungseffizienz (Erntemenge pro Einheit Wassereintrag)“. Die Wasserwerte für Mais und Reis sind zudem in Ostasien wesentlich höher als in anderen Regionen der Welt.

Die zusätzlichen Kosten für die Bewässerungsinfrastrukturen, und deren Wartung und Betrieb, sind ebenfalls schwer abzuschätzen. In Australien erfasst man jedoch die Gesamtkosten der Bewässerung, einschließlich der Kosten für Ausrüstung, Infrastruktur, Wasserlizenz und Betrieb, sowie Daten zu Bewässerungsgebieten und landwirtschaftlichen Wasserentnahmen. Diese liegen dort zwischen 0,01 USD und 0,02 USD je qm.

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