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Wasserpreise steigen kräftig: Wo die Bauern am meisten zahlen müssen

Wasserwerk.
am Samstag, 30.04.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Wasserpreise steigen von Jahr zu Jahr. Für Landwirte und Verbraucher. Ganz besonders im Jahr 2021. Doch man kann fast nichts machen. Die regionalen Preis-Unterschiede sind aber riesig. Die Begründung: fadenscheinig.

wasserpreise steigen.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die Wasserpreise in Deutschland relativ hoch, sagt jedenfalls das Vergleichsportal Verivox. Der durchschnittliche Preis lag hierzulande zuletzt bei etwa 1,75 Euro je Kubikmeter (cbm). Das sagen jedenfalls die letzten offiziellen Datenerhebungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis).

Außerdem gibt es sehr große regionale Preisunterschiede. Die Preisspanne für die verbrauchsabhängigen Entgelte (Grundgebühr + Verbrauch) reicht nach den offiziellen Daten von 1,35 Euro in Niedersachsen bis zu 2,20 Euro in Baden-Württemberg. Das wäre also ein Unterschied von 63 % und bedeutet insbesondere für Milchbauern und andere Tierhalter mit hohem Wasserverbrauch, erhebliche zusätzlichen Kosten. Natürlich auch für alle „normalen Verbraucher“.

Gleichzeitig sind die ausschließlich nach dem Verbrauch abgerechneten "Wasserentgelte" (Wasserpreise ohne Grundgebühr) im Schnitt 40 Cent je cbm höher. Den Wasserpreis legen die Kommunen selbst fest. Wobei in diesem Zusammenhang das Leitungsnetz, die Herkunft des Wassers und seine Qualität entscheidend sein soll. Einen großen Einfluss auf die Kosten hat also der Wohnort. Wie hoch die Wasserkosten am Ende wirklich ausfallen, hängt dann aber sowohl vom Grundpreis ab als auch vom individuellen Verbrauch bzw. dem Bedarf im Betrieb.

Wasserpreise 2021 besonders kräftig gestiegen

Wasserpreise nach bundesländern.

Und die Wasserpreise sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Ein Beispiel aus dem teuersten deutschen Wasserland, Baden-Württemberg, zeigt für die letzten drei Jahre einen deutlichen Anstieg. Vor allem ab 2021. So berichtet die Landeskartellbehörde für Energie und Wasser in Baden-Württemberg, dass von den derzeit 83 Wasserversorgungsunternehmen, die privatrechtliche Entgelte von ihren Kunden verlangen 50 ihre Preise erhöht haben.

Im Landesdurchschnitt verlangten die Versorger pro Kubikmeter 2,77 Euro. Im Vergleich dazu lagen die Preise im Jahr 2019 bei durchschnittlich 2,69 Euro pro Kubikmeter, schreibt das baden-württembergische Umweltministerium. Allerdings weichen diese Zahlen von den oben genannten Destatis-Zahlen nach oben ab. Dort stehen für Baden-Württemberg für 2020 nur 2,20 Euro auf der Abrechnung und nicht 2,69 Euro.

Die beiden teuersten baden-württembergischen Wasserversorger schickten sogar eine Rechnung von 3,54 Euro je Kubikmeter (Külsheim) und von 3,41 Euro (Backnang). Der preisgünstigste Wasserversorger verlangt immer noch 1,99 Euro je cbm (Bietigheim-Bissingen) und damit eben so viel wie 2019.

Doch auch in den „billigen Ländern“ wie Niedersachsen steigen die Wasserpreise. So berichtet das Westfalenblatt über eine  Preiserhöhung in der Gemeinde Willebadessen. Ab 2022 müssen dort 1,65 Euro pro Kubikmeter gezahlt werden, während es nur 1,47 Euro waren. Ein Plus von 12 % - aber immer noch weniger als Verbraucher und Landwirte im Südwesten berappen müssen.

75 % des Preises sind Fixkosten – sparen lohnt nicht?

Öffentlich-rechtliche Wasserentgelte werden von den Kommunalaufsichtsbehörden kontrolliert. Landwirte und Bürger können ihre Beitrags-, Gebühren- und Leistungsbescheide von Verwaltungsgerichten überprüfen lassen, sagt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Diese prüfen dann, ob die Vorgaben der Kommunalabgabengesetze bei der Beitrags- und Gebührenkalkulation genau eingehalten wurden. Im Rahmen der 8. “Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkung“-Novelle (GWB-Novelle) wurde klargestellt, dass öffentlich-rechtliche Gebühren nicht dem Kartellrecht unterliegen (siehe §130 GWB ).

Privatrechtliche Wasserentgelte werden von den Kartellbehörden der Länder beaufsichtigt. Bei der sogenannten „Missbrauchsaufsicht“ kontrollieren sie, ob die Wasserpreise angemessen sind. Verbraucher können ihren Wasserpreis außerdem durch ein Zivilgericht prüfen lassen. Einige Unternehmen gründen besondere Beiräte als zusätzliche Eigenkontrolle. Die Entgeltgestaltung kommunaler Unternehmen unterliegt ungeachtet der Unternehmensform der Kontrolle durch die Kommunalpolitik.

Interessant ist dabei auch, dass im Schnitt nur 25 Prozent der Versorgungskosten vom tatsächlichen Trinkwassergebrauch der Verbraucher abhängen, während die Bereitstellung der Infrastruktur zu einem Fixkostenanteil von circa 75 Prozent führt, sagt jedenfalls der VKU. Verivox sagt sogar 80 %. Diese Kosten fallen unabhängig von der verbrauchten Wassermenge an.

Dabei kommt die VKU zu einem interessanten Schluss: „Lediglich 25 Prozent der Versorgungskosten hängen vom tatsächlichen Trinkwasserverbrauch ab. Ein rückläufiger Verbrauch wirkt sich kaum auf die Gesamtkosten aus, denn Anlagen und Netze für die Aufbereitung und Verteilung sind unabhängig von der genutzten Menge weiterhin erforderlich. Geht der Wasserverbrauch zurück, müssen die Kosten künftig auf eine immer geringer werdende Wassermenge verteilt werden. In der Folge steigen die Kosten pro Kubikmeter.“ Also lieber kein Wasser sparen?

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