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Zuckermarkt

Weißzucker-Preis stürzt auf Rekord-Tief

am Mittwoch, 28.03.2018 - 15:13 (Jetzt kommentieren)

Die Preise für Weißzucker sind am europäischen Binnenmarkt im Januar auf einen historischen Tiefstand gefallen. Das zeigen Daten der Europäischen Kommission. Am Verkaufspreis der Zuckerindustrie für Weißzucker orientiert sich jedoch auch der Rübenpreis für die Landwirtschaft.

Ursachen für den drastischen Preisverfall in Europa sind die gewaltige Rübenernte und die rekordhohe europäische Zuckerproduktion. Diese übertrifft nach den letzten Schätzungen der EU-Kommission offenbar auch die Produktionsmenge vor Einführung der Quote.

Hinzu kommt, dass gleichzeitig die weltweite Zuckerproduktion auf ein Rekordhoch gestiegen ist. Die Zuckerpreise befinden sich deshalb sowohl am Weltmarkt als auch in Europa auf Talfahrt und drücken die möglichen Erlöse für die Rüben nach unten.

Weißzuckerpreise im freien Fall

Weißzuckerpreis EU

Die Verkaufspreise von Weißzucker bilden die Grundlage für die Erlöse und den wirtschaftlichen Erfolg der Zuckerwirtschaft und damit auch für die Bezahlung der angelieferten Rüben.

Die von der Europäischen Kommission erfassten Weißzuckernotierungen sind im Januar auf einen historischen Tiefstand von 374 Euro/t abgestürzt. Im Dezember hatten die Preise noch bei 400 Euro/t gelegen.

Seit August des vorigen Jahres sind Weißzuckerpreise jedoch um 127 Euro bzw. rund ein Viertel abgestürzt.

Niedrigere Preise für Nahrungszucker hat es zumindest nach den Daten der Kommission bislang nicht gegeben. Lediglich für den sogenannten Industriezucker wurden während der Quotenregelung noch niedrigere Preise gezahlt.

Absturz am Terminmarkt

London Zucker

Die Preisentwicklung bei Weißzucker am europäischen Binnenmarkt spiegelte sich auch in der Entwicklung am europäischen und internationalen Terminmarkt wider.

Die Weißzuckernotierungen an der Börse in London sind seit dem vorigen Jahr um etwa ein Drittel gefallen auf zuletzt nur noch 350 USD/t (282 Euro).

Der in London notierte Kurs zeigt für die Europäer die möglichen Zuckerlöse im Export. Und da sieht es im Moment alles andere als gut aus. Denn auch am Weltmarkt sind die Preise für Rohzucker seit dem vorigen Jahr abgestürzt und haben im Jahresvergleich rund 40 % eingebüßt. 

Damit bietet der Export für die Europäer derzeit keine Möglichkeit, die Bilanzen aufzubessern. Vielmehr scheint der Druck in preislicher Hinsicht am Weltmarkt noch höher zu sein als am Binnenmarkt.

Rübenpreise ebenfalls unter Druck

Die von der deutschen Zuckerindustrie mit den Rübenbauern abgeschlossenen Lieferverträge für die Ernte 2017 gingen bei der Kalkulation ganz überwiegend von Zuckerpreisen von 450 bis 470 Euro/t aus.

In der Regel erfahren die deutschen Rübenbauern die Auszahlungspreise für ihre Zuckerüben, inklusive aller Nebenleistungen, nicht vor April oder später. Der für die endgültige Bezahlung maßgebliche Zuckerverkaufspreis wird sogar für das gesamte Wirtschaftsjahr ermittelt.

Zur Bezahlung der Rüben haben die drei deutschen Zuckerunternehmen mit den jeweiligen Anbauverbänden abweichende Vertragsmodelle vereinbart.

Neben sogenannten Festpreismodellen mit unterschiedlichen Laufzeiten wurden auch Vertragsmodelle mit unmittelbarer Bindung an den Weißzuckerpreis vereinbart. Bei diesen Modellen  ist der Druck auf die Rübenpreise wohl am größten.

Nähere Informationen zur vereinbarten Bezahlung der Rüben und den möglichen Preisen finden Sie in der April-Ausgabe des agrarheute Magazins.

Außerdem werden wir natürlich in den nächsten Wochen auf agrarheute.com über die am Ende wirklich gezahlten Rübenpreise der drei großen deutschen Zuckerunternehmen berichten.

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