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Getreideernte und Getreidepreise

Weizen: Russlands riesige Ernte drückt Weizenpreise

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am Dienstag, 23.06.2020 - 16:06 (Jetzt kommentieren)

Russlands Weizenernte wird sehr groß. Das hat Folgen für die Weizenpreise.

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Russlands Weizenernte wird wohl größer als gedacht. Trotz der Trockenheit in einigen Regionen. Immer mehr Analysten setzten ihre Ernteprognosen nach oben – und das drückt die Weizenpreise immer weiter nach unten. Das französische Analystenhaus Agritel hat die Weizenernte des weltweit größten Exporteurs diese Woche auf 77,5 Millionen Tonnen angehoben. Das wäre dann die zweitgrößte russische Weizenernte überhaupt und ein Plus von 4 Prozent gegenüber 2019.

Die wichtigsten russischen Analysten haben ihre Ernteprognosen bereits einige Tage zuvor nach oben geschraubt. Auch das russische Landwirtschaftsministerium hat seine Prognose für die Getreideernte 2020 angehoben. Zuleltzt hatte das russische Beratungsunternehmen IKAR die Weizenernte von zuvor 78,5 Millionen Tonnen auf jetzt 79,5 Millionen Tonnen erhöht. Das liegt noch deutlich über der Agritel-Schätzung.

Dagegen hatte das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) seine Ernteschätzung für Russland in der vorigen Woche unverändert bei 77 Millionen Tonnen gelassen. Die globalen Weizenpreise reagierten auf die steigenden Ernte- und Exportschätzungen für Russland jedoch schon seit Tagen mit deutlichen Korrekturen.

In Europa fielen die Kurse am Terminmarkt am Montag für die neue Ernte bis auf 178,50 Euro je Tonne. An den russischen Exporthäfen gingen die Weizenpreise zuletzt um etwa 5 USD je Tonne auf rund 200 USD je Tonne nach unten.

Sehr große Ernte bei Winterweizen

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"Trotz der Dürre im Frühjahr und einem Winter fast ohne Schnee ,wird das Potential für die Winterweizen-Ernte in Russland über dem Vorjahr erwartet", sagte Agritel am Montag. "Die erheblichen Ertrags-Verluste in den südrussischen Anbau-Regionen Stawropol, Krasnodar und Rostow, werden durch die hohen Ernteerwartungen in den zentralrussischen Weizen-Anbaugebieten sowie in der Wolga-Region ausgeglichen, in denen die Bedingungen ausgezeichnet sind."

Die Weizenernte wird in Russland voraussichtlich in ein oder zwei Wochen beginnen. Agritel rechnete mit einem durchschnittlichen Ertrag für Winterweizen von 3,55 Tonnen pro Hektar, was einem Rückgang von 1,6 Prozent gegenüber dem Fünfjahresmittel entspricht. Der Rückgang wird jedoch durch einen Anstieg der Erntefläche ausgeglichen.

Das USDA schätzt die Erträge für Winterweizen in Russland noch etwas höher auf 3,65 t/ha und die Erntemenge auf 57 Mio. Tonnen. Dahinter steht eine Winterweizenfläche von 15,6 Millionen Hektar und damit rund 200.000 Hektar mehr als im vorigen Jahr. Die Analysten von Agritel schätzen die russische Winterweizen-Produktion auf 56,8 Millionen Tonnen, ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – als die russischen Bauern 52,5 Millionen Tonnen Winterweizen von den Feldern holten.

Prognosen bei Sommerweizen noch unsicher

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Bei Sommerweizen erwartet Agritel einen Ertrag von 1,72 Tonnen je Hektar. Das wären 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Produktionserwartung liegt bei 20,7 Millionen Tonnen Sommerweizen, was einem Rückgang von 1,9 Prozent gegenüber 2019 entsprechen würde – als die Russen 21,1 Millionen Tonnen Sommerweizen ernteten.

Das USDA hat die Sommerweizenernte zuletzt auf 20 Millionen Tonnen geschätzt. Dabei unterstellt man eine ähnlich große Anbaufläche wie im Vorjahr von 11,9 Millionen Hektar und einen Ertrag von 1,68 Tonnen je Hektar. Agritel teilte allerdings mit, dass man die Ernteprognose in den nächsten Wochen noch an die Aufwuchsbedingungen des Sommerweizens anpassen würde.

Noch sind die Prognosen beim Sommerweizen aber relativ unsicher. Das zeigen auch die Abweichungen zu den Schätzungen des USDA. Üblicherweise wächst in Russland auf knapp 60 Prozent der Weizenfläche Winterweizen – der wegen der höheren Erträge jedoch drei Viertel zur gesamten Weizenernte beiträgt.

Weizenpreise fallen deutlich

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Die russischen Weizenpreise gingen unter dem Druck der bevorstehenden Ernte und den nachgebenden Exportpreisen deutlich zurück, berichten Analysten. Der weltweit größte Weizenexporteur, der vor allem mit der Europäischen Union und der Ukraine um Ausfuhren nach Nordafrika und in den Nahen Osten konkurriert, wird voraussichtlich in ein oder zwei Wochen mit der Weizenernte beginnen.

"Es sieht so aus, als würden russische Händler und Exporteure nun wieder mehr Vertrauen in die Größe der neue Ernte haben", sagte die Beratungsfirma SovEcon. Russischer Weizen mit 12,5 Prozent Protein, der an den Schwarzmeerhäfen verladen wurde, kostete Ende voriger Woche 202 USD pro Tonne (FOB). Das war ein Rückgang von 3 USD gegenüber der Vorwoche, sagte SovEcon. Die Analysten von IKAR melden für den Weizen für die Lieferung im August Fob-Preise von 199 USD pro Tonne. Das ist sogar ein Rückgang von 7 USD gegenüber der Vorwoche.

Die Analysten von APK-Inform berichten außerdem, dass die Exportpreise für Weizen der neuen Ernte in den russischen Häfen auch diese Woche weiter fallen. Die Aufwärtskorrektur der weltweiten Weizenproduktion und die Erhöhung der Prognose für den Export aus Russland im Jahr 2020/21 sind die Ursachen. Das zeigt auch der Rückgang der Einkaufspreise bei der letzten Ausschreibung des weltweit größten Exporteures Ägypten. Hier gingen die Preise für den verkauften Weizen sehr kräftig um 10 USD je Tonne nach unten.

Russland exportierte zwischen dem 1. Juli letzten Jahres und dem 19. Juni rund 35,7 Millionen Tonnen Getreide, sagte SovEcon. Davon entfielen 30,4 Millionen Tonnen auf Weizen. Die Weizenexporte in der neuen Saison 2020/21 erwartete das USDA zuletzt bei 36 Millionen Tonnen – und damit deutlich höher.

Ernte von Gerste hat schon begonnen

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Die Landwirte in den südlichen Regionen Russlands haben bereits mit der Ernte von Wintergerste begonnen, teilte das Beratungsunternehmen SovEcon mit. Russland wird voraussichtlich 2020 insgesamt 19,9 Millionen Tonnen Gerste produzieren, schätzen die Analysten von SovEcon.

Das USDA hat die neue russische Gerstenernte zuletzt allerdings nur auf 17,3 Millionen Tonnen geschätzt – und damit erheblich kleiner. Im vorigen Jahr holten die russischen Bauern immerhin 19,9 Millionen Tonne Gerste von ihren Feldern.  

"Es ist zu früh, um zu diesem Zeitpunkt schon abschließende Einschätzungen über Erträge zu geben. Wir dürften erst in den nächsten Wochen ein klareres Bild haben", sagte SovEcon. In Russland wird fast ausschließlich Sommergerste angebaut. Nach Angaben des russischen Landwirtschaftsministeriums haben die Landwirte in Russland auf etwa 7,9 Millionen Hektar Sommergerste gepflanzt, dass ist deutlich mehr als ursprünglich erwartet wurde.

Das USDA schätzt die Gerstenfläche ingesamt auf 7,8 Millionen Hektar – im Vergleich zu 8,4 Millionen im vorigen Jahr. Die Export-Preise für Gerste fielen zuletzt um 1 USD auf 173 USD pro Tonne, meldet SovEcon.

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