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Getreideernte und Getreidepreise

Weizenernte in China: Rekorde, Rekorde, Rekorde

Chinas Weizenernte steigt auf einen neuen Rekordwert.
am Dienstag, 21.07.2020 - 15:30 (Jetzt kommentieren)

Die Weizenernte in China war Ende Juni beendet. Und es sieht nach einer Ernte der Superlative aus. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Chinas Weizenernte steigt auf einen neuen Rekordwert.

Nicht nur die Produktion, sondern auch der Verbrauch und die gewaltigen chinesischen Endbestände steigen auf neue Höchstmarken. Gut die Hälfte der globalen Weizenbestände lagert derzeit in chinesischen Silos. Das heißt auch: Die Lagerbestände sind ein Fünftel größer als die chinesische Ernte und sie verursachen immense Kosten.

Doch Peking setzt gerade in Zeiten von Corona verstärkt auf strategische Nahrung-Reserven. Außerdem steigt offenbar derzeit der Bedarf an Futterweizen durch den Wiederaufbau der chinesischen Schweinebestände nach der Afrikanischen Schweinepest (ASP) steil an – vor allem weil Mais am chinesischen Binnenmarkt derzeit teuer ist.

Das US-Landwirtschaftsministerium rechnet damit, dass Peking trotz der großen Ernte so viel Weizen am Weltmarkt kaufen wird, wie zuletzt vor 7 Jahren – nämlich rund 6 Millionen Tonnen. Der Grund: Es soll Qualitätsprobleme bei der aktuellen Ernte geben, denn mengenmäßig ist der Weizen alles andere als knapp.

Von rund 24 Millionen Hektar ernteten die chinesischen Bauern nach den letzten Prognosen 136 Millionen Tonnen Weizen – das wären gut 2 Millionen Tonnen mehr als im vorigen Jahr. Außerdem kommen die Chinesen damit fast an den weltweit größten Weizenproduzenten heran, die Europäische Union, wo knapp 140 Millionen Tonnen geerntet wurden.

Probleme mit der Qualität und zu wenig Nahrungsweizen

Chinas Weizenproduktion erreicht ein Allzeithoch.

Das USDA-Büro in Peking hält witterungsbedingt allerdings durchaus noch eine Korrektur der Weizenernte nach unten für möglich, auf etwa 134 Millionen Tonnen. Das entspricht allerdings nur einem moderaten Rückgang von 2 Million Tonnen gegenüber der offiziellen USDA-Prognose vom Juli.

Die chinesische National Food and Strategic Reserve Administration (NFSRA) hatte am 14. Mai, also kurz vor Erntebeginn noch verkündet, dass die Winterweizen-Ernte in diesem Jahr wieder sehr groß ausfallen wird.

Die chinesische Getreide-Wirtschaft befürchtet jedoch, dass die Qualität des Weizens schlechter sein wird als im vorigen Jahr. Im Mai hatten es nämlich in den wichtigsten Anbauregionen Shandong, Henan und Jiangsu reichlich und lange geregnet und gestürmt. Der Protein- und Glutengehalt könnte zudem durch eine wetterbedingte verkürzte Vegetationsperiode negativ beeinflusst worden sein, heißt seitens des USDA-Büros in Peking.

Die chinesische Mühlen-Industrie erwartet deshalb, dass ein beträchtlicher Teil des geernteten Weizens nicht für die Einlagerung als Lebensmittelreserve oder als Nahrungsweizen geeignet ist und deshalb auf den Futtermittelmarkt gehen wird.

Hohe Maispreise kurbeln Weizenverbrauch an

Der chinesische Weizenverbrauch wurde vom USDA im Juli auf 130 Millionen Tonnen geschätzt. Das ist ein Anstieg von 4 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Hintergrund ist offenbar der steigende Futterverbrauch für 2020/21, der vom USDA bei etwa 20 Millionen Tonnen erwartet wird, ebenfalls ein Plus von 4 Millionen Tonnen.

Im Jahr 2019, als die Maispreise im Sommer schon einmal über 2.100 Yuan pro Tonne (273 Euro/t) kletterten, kauften viele chinesiche Futterhersteller offenbar lieber Weichweizen als Mais. Das könnte sich in diesem Jahr wiederholen.

Analysten berichten jedenfalls: Bereits Im Mai stiegen die chinesischen Maispreise auf einen Vierjahreshoch von 2.300 Yuan pro Tonne (299 Euro/t): Gleichzeitig wurde die Weizenernte der neuen Saison zu Preisen von 2.100 bis 2.160 Yuan pro Tonne (273 bis 281 Euro/t) gehandelt. Damit dürfte die Nachfrage der chinesischen Futterwirtschaft nach Weizen weiter anziehen - zu Lasten von Mais.

Im Juli lag der chinesische Weichweizenpreis für Nahrungsqualitäten etwa bei 2.240 Yuan pro Tonne (291 Euro/t), schreiben die Analysten der USDA-Aussenstelle in Peking.

Weizenimporte steigen sehr kräftig - Bestandsaufbau wegen Corona

Chinas Weizenbestädne wachsen auf ein Rekordhoch.

Die Weizenimporte für 2020/21 wurden vom USDA im Juli auf 6,0 Millionen Tonnen geschätzt. Mehr Weizen haben die Chinesen zuletzt vor sieben Jahren am Weltmarkt gekauft – nämlich knapp 7 Millionen Tonnen.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 importierten die Chinesen etwa 4,5 Millionen Tonnen Weizen: Davon kamen 1,2 Millionen Tonnen aus Kanada, 1 Million Tonnen aus Australien, 1,3 Millionen Tonnen aus den USA sowie zusammen 1 Million Tonnen aus Frankreich, Litauen und Kasachstan. Deutschland hat bisher weder bei Weizen noch bei Gerste eine (phytosanitäre) Zulassung zum Export.

Chinesische private Importunternehmen berichten, dass sie bei der Zuteilung der Importquoten (TRQ) für Weizen der neuen Ernte keinen Zuschlag erhalten haben. Die Quoten waren offenbar auschließlich für staatliche Handelsunternehmen reserviert.

Die Endbestände für 2020/21 werden voraussichtlich auf 162,2 Millionen Tonnen steigen, was ein sehr kräftiges Plus von 11 Millionen Tonnen gegenüber dem vorigen Jahr bedeutet. Ds USDA geht davon aus, dass die Chinas Regierung die Getreidereserven auch deshalb weiter vergrößert, um auf die möglichen Auswirkungen (Nahrungsmittelknappheit und Hamsterkäufe) von COVID-19 vorbereitet zu sein.

Steigender Bedarf an Futtergetreide nach ASP

Mais ist in China derzeit teurer als Weizen.

Chinas Futtermittelverbrauch für 2020/21 für Grobgetreide und Weizen in Futterqualität wird aufgrund der erwarteten Erholung der Schweineproduktion und der starken Expansion im Geflügel- und Wiederkäuersektor voraussichtlich um etwa 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zunehmen, glaubt das USDA-Büro in Peking.

Die Maisproduktion für 2020/21 wird jedoch allenfalls auf dem Niveau des vorigen Jahres bei 260 Millionen Tonne erwartet. Ein regionaler Maismangel im Nordosten Chinas, sowie eine kräftig anziehende Nachfrage nach Futtermitteln und schwache Maisimporte haben die Maispreise in den letzten Monaten in die Höhe getrieben. Als Reaktion darauf begann die Regierung im Mai mit dem Verkauf aus der staatlichen Maisreserve.

Hintergrund ist, dass die chinesische Regierung die Schweineproduktion zur Priorität Nummer eins im Agrarsektor gemacht hat und damit auch der Futterbedarf spürbar wächst. Im April 2020 wurde bekannt gegeben, dass 28 Unternehmen Investitionen in die Schweineindustrie im Wert von 76 Milliarden Yuan angekündigt haben.

Seit März 2020 wurden in China 40.000 neue Schweinezuchtunternehmen registriert, ein Hinweis auf Wiederstockung der Bestände nach dem Ausbruch des Afrikanischen Schweinepest, berichtet das USDA-Büro in Peking.

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