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Getreidemarkt und Getreidepreise

Weizenpreise: 200-Euro-Marke rückt immer näher

Wintergetreide
am Dienstag, 14.04.2020 - 14:55 (Jetzt kommentieren)

Die globalen Folgen der Corona-Krise und die sich ausweitende Trockenheit in Europa, sorgen für weiter steigende Weizenpreise.

Die 200-Euro-Marke ist am europäischen Terminmarkt nicht mehr weit entfernt. Im laufenden Handel am Dienstag notierte der vordere Mai-Kontrakt 0,75 Euro im Plus bei 198,75 Euro je Tonne. Die neue Ernte wird zur gleichen Zeit zu nachgebenden Preisen mit 188,00 Euro je Tonnen notiert – und außerdem gut 10 Euro billiger als der vordere Mai-Kontrakt.

Vor einigen Tagen hatten Russland und die Ukraine mit der Einführung von Exportkontingenten für einen weiteren Anstieg der globalen Weizenpreise gesorgt. Gleichzeitig versuchen immer mehr große Importeure, sich vor dem Hintergrund quarantänebedingt steigender Inlandspreise für Brot und andere Grundnahrungsmittel, mit Weizen einzudecken und wohl auch mehr zu kaufen als sie es sonst getan hätten.

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) hatte die Exportprognose für die Europäer wegen der starken globalen Weizen-Nachfrage – und der Restriktionen Russlands – im April weiter nach oben korrigiert – und die Ausfuhrerwartung für Russland nach unten. Mit Weizenexporten von rund 33,5 Mio. Tonnen, würde die EU damit mit dem bisherigen Spitzenexporteur Russland gleichziehen.

Trockenheit stützt die Preise in Europa

Aussaat

In Europa macht derzeit eine neue Trockenperiode Ackerbauern und Getreidehändlern zunehmend Sorgen. Für den Winterweizen nimmt der Stress deshalb wieder zu, nachdem sich die Pflanzen in einigen europäischen Ländern – wie Deutschland und Frankreich – von einer durch massive Regenfälle gestörten Aussaat erholt haben. Deshalb sind auch die Aussaatflächen für Winterweizen in einigen wichtigen europäischen Anbauländern deutlich kleiner als im Jahr zuvor.

"Trockene und wärmere Bedingungen als üblich hatten den Zustand der Weizenpflanzen in Regionen mit übermäßiger Nässe zunächst verbessert", sagte der Marktanalyst Aaron Grau gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Trockenheitsprobleme in der Mitte Deutschlands sowie in Ostdeutschland und Polen werden mit dem anhaltend trockenen und warmen Wetter eher weiter eskalieren", fügte er hinzu.

Da ein Großteil des Kontinents im vergangenen Monat nur sehr wenig Regen erhalten hat, achtet der Markt derzeit genau auf die Wetterprognosen für die nächsten Wochen. Am Ostermontag sind die angekündigten Regenfälle in vielen Regionen jedenfalls erheblich geringer ausgefallen als erwartet.

In Frankreich ist der Weizen noch einem etwas geringeren Trockenheitsrisiko ausgesetzt als die gerade gesäten Sommerkulturen. Bei weiter anhaltendem Regenmangel könnte es aufgrund des schwächeren Zustands der Weizenpflanzen, jedoch sehr schnell zu Problemen kommen, glauben die Analysten.

Weizenfläche ist deutlich kleiner

Wintergetreide

Zum Monatswechsel wurden in Frankreich nach Angaben des Landwirtschaftsbüros FranceAgriMer nur 62 Prozent der Weizenbestände als gut oder sehr gut bewertet, verglichen mit 84 Prozent im Vorjahr. Das französische Landwirtschaftsministerium (Agreste) schätzt außerdem, dass die Weichweizenfläche aufgrund des nassen Aussaatwetters im vorigen Herbst um 7,5 Prozent auf ein 17-Jahrestief von 4,63 Millionen Hektar geschrumpft ist.

In Deutschland hatte ein sehr milder Winter dem Winterweizen bei der Entwicklung zuletzt geholfen. Das sehr trockene Wetter der letzten Wochen hat zudem zu guten Aussaatbedingungen bei Sommergetreide beigetragen. "Insgesamt ist das Bild noch relativ gut, aber in der zweiten Aprilhälfte wird unbedingt mehr Regen gebraucht, insbesondere im Osten Deutschlands", beschreibt ein Getreideanalyst die Lage.

Die deutsche Weizenernte 2020 könnte nach einer ersten Prognose des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) geringfügig kleiner als im Vorjahr bei knapp 23 Millionen Tonnen liegen. Dabei können die besseren Ertragsaussichten den deutlichen Rückgang der Aussaatfläche von reichlich 6 Prozent bzw. 191.000 Hektar auf 2,9 Millionen Hektar fast ausgleichen.

Auch in Polen wird derzeit Regen dringend benötigt, um eine gute Ernte einzubringen. “Die Ernteprognose wird wohl nach unten korrigiert werden müssen, wenn es im April weiter trocken bleibt“, sagte der Analyst Wojtek Sabaranski von Sparks Polska gegenüber Reuters. Die polnische Weizenernte 2020 wird auf 11,5 Millionen Tonnen geschätzt, und damit etwa 4 Prozent größer als im Vorjahr.

Hohe Weizen-Preise auch am Kassamarkt

MATIF Weizen

Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise seit Anfang April um rund 10 Euro gestiegen. In den USA sind die Kurse nach Ostern jedoch wieder etwas unter Druck geraten. Der vordere Chicago-Weizen gibt im laufenden Handel am heuten Dienstag um 6 Cent auf 548 Cent je Bushel nach.

An der MATIF notiert der vordere Weizenkontrakt am Dienstag bei 198,50 Euro je Tonne. Das ist ein Plus von 0,50 Euro zum Vortag – und gleichzeitig rund 10 Euro mehr als zum Beginn des Monats. Die neue Ernte 2020 wird heute mit 188 Euro je Tonne - gehandelt. Das ist ein Anstieg von 4 Euro in den letzten 10 Tagen.

Am Kassamarkt sind die Weizenpreise seit Anfang April ebenfalls wieder gestiegen . Brotweizen wurde am Hamburger Großmarkt und Exporthafen am Dienstag mit 200 Euro je Tonne notiert. Das sind 6 Euro mehr als vor 10 Tagen. Die Preise für Futterweizen lagen in Hamburg mit 197 Euro und in Südoldenburg bei 199 Euro je Tonne. In beiden Regionen ein Anstieg von 7 Euro in 10 Tagen.

Futtergerste wurde in Hamburg am Dienstag mit 169 Euro je Tonne notiert. Das sind die gleichen Preise wie vor 10 Tagen.

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