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Getreidemarkt und Getreidepreise

Weizenpreise brechen immer neue Rekorde – 240 Euro sind erreicht

Weizenkörner werden verladen
am Montag, 22.02.2021 - 13:51 (2 Kommentare)

Die Getreidepreise steigen und steigen. Der europäische Weizen hat zeitweise die 240-Euro-Marke überschritten. Auch für Mais, Soja und Raps gingen die Preise weiter steil nach oben. Die europäischen Maispreise kletterten an der Matif auf knapp 230 Euro je Tonne und der Raps überwand erneut die Marke von 360 Euro je Tonne. Für alle Getreidearten befinden sich die Getreidepreise auf Mehrjahreshochs.

Verlauf der Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago 2018 bis 2021

Die erneuten Preisaufschläge lassen erkennen, dass der Markt weiterhin überzeugt ist, dass das Angebot sehr knapp ist, kommentiert ein US-Analyst die steigenden Kurse. In den USA sorgt zudem eine arktische Kältewelle für zusätzlichen Treibstoff.

Nicht nur, dass der US-Winterweizen in vielen wichtigen Anbau-Regionen zum Beginn der Kältewelle nicht ausreichend mit Schnee bedeckt war und viele Pflanzen massiv geschädigt sein könnten.

Auch die Transportlogistik im US-Inland und zu den Exporthäfen der Küste ist massiv gestört, denn die großen Flüsse frieren zu und sind kaum noch schiffbar. Außerdem erschweren großflächige Stromausfälle den Transport und die Lagerung von Getreide.

Aber nicht nur in den USA steigenden die Getreidepreise erneut steil an. Auch aus Russland werden steigende Weizenexportpreise gemeldet. Russischer Weizen mit 12,5 Prozent Protein wurde an den Schwarzmeerhäfen (FOB) Ende der vorigen Woche für 283 USD pro Tonne verladen, was einem Anstieg von etwa 5 USD gegenüber der Woche davor entspricht, zeigen die aktuellen Daten.

Ähnlich deutlich ging es jedoch an allen anderen Exportmärkten nach oben, wie etwa am US-Golf,  in Frankreich und in Hamburg.

Weizen: Kassapreise schon über 240 Euro – Export hilft

Weizenpreise am europäischen Terminmarkt MATIF liegen bei 240 Euro je Tonne - Februar 2021

Am wichtigsten deutschen Exporthafen Hamburg hat der Brotweizen im Großhandel die 240-Euro-Marke bereits überwunden. Am vorigen Freitag lagen die Preisangebote für den in Hamburg angelieferten Weizen bei 244 Euro je Tonne – und dürften heute angesichts der festen Terminmarktkurse wohl steigen. An den „marktferneren“ ostdeutschen Handelsplätzen wurden immerhin 228 Euro geboten.

Für Futtergerste lagen die Preisangebote in Hamburg bei 205 Euro je Tonne und an den ostdeutschen Handelsplätzen oft nur bei rund 185 je Tonne – und damit deutlich niedriger. Brotroggen wurde in Hamburg mit etwa 190 Euro notiert.

Die EU-Kommission meldet bis zum 14.02. für die Europäer Weizenexporte von 16,8 Millionen Tonnen – ohne UK – das ist ein Minus zum Vorjahr von fast 20 Prozent. Deutschland hat bislang 1,9 Millionen Tonnen Weizen in Drittländer verkauft sowie etwa 830.000 Tonnen Gerste. Frankreich kommt – wegen der sehr starken Ausfuhren nach China – auf 4,5 Millionen Tonnen Weizen und 1,9 Millionen Gerste.

Mehr Weizen als Deutschland haben in diesem Jahr unter anderem Litauen mit 2,4 Millionen Tonnen, Lettland mit 2,1 Millionen Tonnen sowie Polen mit knapp 2,0 Millionen exportiert. Rumänien hat immerhin etwa 1,68 Millionen Tonnen Weizen in Drittländer verkauft.

Hauptabnehmer von europäischem Weizen waren in diesem Jahr: Algerien, Saudi-Arabien, China und Nigeria. Die europäische Gerste wurde zum allergrößten Teil nach China und Saudi-Arabien verkauft – deutlich dahinter kommen als Abnehmer dann Algerien, der Iran und Marokko.

Den aktuellen Marktpreis für Weizen können Sie auf agrarheute einsehen.

Kälteeinbruch in den USA, kleinere russischen Ernte, Chinas Einkäufe

Maispreise an der CBOT steigen im Februar 2021 an

In den USA waren die Getreidepreise am vorigen Donnerstag zunächst durch die Prognose des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) über die Rekordanbaufläche von Mais und Sojabohnen für die Ernte 2021 unter Druck geraten – hatten sich dann aber schnell wieder erholt. Dabei spielten die Folgen des arktischen Kälteeinbruchs  in den USA auf die Transportlogistik und die Wintersaaten eine erhebliche Rolle.

Gestützt wurde der Markt zudem durch die nach unten korrigierte Ernte-Prognose des russischen Beratungsunternehmens Sovecon für die russische Weizenernte 2021 und zahlreiche neue internationale Importtende bei Weizen - und auch bei Gerste. Der vordere MATIF-Weizen stieg am Freitag zeitweise auf 242,75 Euro pro Tonne, das war der höchste Preis seit Mai 2013.

„Die Weizenpreise sind zwar weiter gestiegen, wir glauben aber, dass es noch mehr Aufwärtspotenzial gibt“, sagt ein US-Analyst am Freitag. Es wird erwartet, dass die Chinesen weiterhin reichlich Weizen, Mais und Soja kaufen, was die Preise weiter in die Höhe treiben dürfte, hieß es. 

Die starke Nachfrage aus China, aber auch vom US-Binnenmarkt, haben dazu geführt, dass die US-Preise für Mais, Weizen und Sojabohnen in den USA und am Weltmarkt auf Mehrjahreshochs gestiegen sind.

Große Unsicherheit an den Märkten – historische Knappheit

Verlauf der europäischen Maispreise mit Preisanstieg Januar 2021 auf 230 Euro je Tonne Mais

Das USDA hatte am Donnerstag sowohl für Mais als auch für Soja und Weizen Anbauausweitungen prognostiziert. Das hatte den Preise jedoch nur kurzzeitig unter Druck gesetzt. Doch der Markt scheint auch dieses größere Angebot ohne Probleme zu schlucken.

Als Reaktion auf die starken Exporte und die Erwartung einer wirtschaftlichen Erholung erwartet das USDA, dass die die Landwirte in diesem Frühjahr 37,2 Millionen Hektar Mais und 36,4 Millionen Hektar Sojabohnen anbauen, was auf eine Rekordernte bei Sojabohnen und möglicherweise auf die größte Maisernte aller Zeiten hinweist, sagte der USDA am Donnerstag.

Der USDA-Chefökonom Seth Meyer sagte: „Mehr als in den letzten Jahren unterliegt die Prognose für dieses Jahr der Unsicherheit, wie sich die Märkte im kommenden Jahr entwickeln könnten“, sagte Meyer bei dem zweitägigen Agricultural Outlook-Forums des USDA. Die Anpflanzungen von Mais und Sojabohnen, den beiden Hauptkulturen in den USA, sind etwa 5 Prozent größer als im Vorjahr. Die Weizenanbaufläche erwartet das USDA bei 18,2 Millionen Hektar. Letztes Jahr wurde Weizen auf 17,9 Millionen Hektar gesät.

Bereits am Freitag stiegen die Getreidepreise in den USA und am Weltmarkt wieder kräftig, weil vielen Analysten offenbar klar wurde, dass Getreide und Ölsaaten historisch knapp bleiben könnten, obwohl für diesen Herbst eine rekordhohe US-Ernte prognostiziert wird.

Und manche Analysten glauben sogar, dass es einen neuen Superzyklus für Getreide- und Agrarpreise geben wird.

Sehen Sie auf agrarheute die aktuellen Erzeugerpreisen für Mais ein.

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