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Getreideernte und Getreidepreise 2021

Weizenpreise: Extremwetter, Ernteausfälle und große Versorgungsängste

getreidefeld.
am Freitag, 23.07.2021 - 13:15 (Jetzt kommentieren)

Nach einem 6 Tage dauernden Anstieg – sind die Weizenpreise am Donnerstag gefallen. Schaut man auf die Ernte- und Wettermeldungen, dürfte diese Korrektur jedoch von kurzer Dauer sein.

Weizenpreis.

Aus fast allen großen Weizenländer werden witterungsbedingte Produktionsausfälle gemeldet – zuletzt aus China und Russland. In den USA hatten etwas bessere Wettermeldungen am Donnerstag zu einer kräftigen Preiskorrektur geführt. Zuvor waren die Weizenpreise in Chicago in nur einer Woche um 13 Prozent gestiegen.

Am europäischen Terminmarkt ging der vordere Weizen der neuen Ernte am Donnerstag mit einem Abschlag von 4 Euro und 210 Euro je Tonne aus dem Handel. Am Freitag kletterten die Weizenpreise im laufenden Handel jedoch wieder und notieren am Mittag schon wieder bei 212 Euro je Tonne.

Ähnlich ist die Entwicklung am Kassamarkt: Am Hamburger Exporthafen und Großmarkt hatten die Weizenpreise bis Donnerstag auf 217 Euro je Tonne nachgegeben – nachdem die Preisangebote zum Beginn der Woche noch bei 223 Euro je Tonne lagen. An den ostdeutschen Handelsplätzten wurden am Donnerstag 201 Euro je Tonne geboten und im Südwesten lagen die Notierungen bei 212 Euro je Tonne – das sind durchweg 5 bis 6 Euro weniger als einige Tage zuvor. Auch am Kassamarkt dürften die Preise jedoch dem wieder anziehenden Terminmarkt nach oben folgen.

In den USA hat der Markt zudem auch den speziellen Handelstag am Freitag im Blick, der an der CBOT das Verfallsdatum für alle Getreidekontrakte für den Handelsmonat Juli ist. „Dies führt oft zu hoher Volatilität“, sagt der US-Analyst Jason Britt, vor allem in einem Markt, der bereits Schwankungen ungewöhnlichen Ausmaßes ausgesetzt ist, wenn wir sie mit den üblichen Schwankungen vergleichen.

Wetterextreme in Nordamerika, China, Russland und Europa

Felder.

Die Hitzewelle in Nordamerika, sowie Starkregen und Überflutungen in Westeuropa und China, sorgten bis zu Mitte der Woche zunächst für einen sehr kräftigen Preisanstieg beim Weizen. Angesichts gestiegener Wetterrisiken auf beiden Seiten des Atlantiks hatten die Weizenpreise sich sehr weit nach oben bewegt.

Die Regenfälle betrafen in der vorigen Woche die östliche Hälfte Frankreichs und weite Teile Deutschlands. Für die nächsten Tage sind neue schwere Regenfälle angekündigt. Das verzögert nicht nur die die laufende Ernte sondern verursacht auch große Schäden an den Beständen und drückt zudem die Qualität. In Deutschland und Frankreich soll es Ende der Woche erneut regnen.

Laut FranceAgriMer war die franzöische Weizenernte in der vorigen Woche erst zu 4 Prozent eingebracht, im Vergleich zu 42 Prozent im Jahr 2020. Das französische Landwirtschaftsamt Agreste schätzte die Weizenernte zuletzt auf 37,1 Millionen Tonnen. Das ist ein Zuwachs von fast 8 In Millionen Tonnen gegenüber der katastrophalen Ernte aus dem Jahr 2020 und 4 Millionen Tonnen mehr als im Fünfjahresdurchschnitt.

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hat seine Schätzung der Weizenernte Mitte Juli um 170.000 Tonnen auf 22,8 Millionen Tonnen gesenkt. Im Vorjahr wurden 22,1 Millionen Tonnen Weizen geerntet.

Hitze in Nordamerika, Sintflut in China, Probleme in Russland

Weizenpreis.

Völlig anders ist das Wetter im Norden der USA und in Kanada. Extreme Trockenheit und ein erneuter Anstieg der Temperaturen auf regional über 40 °Celsius setzt den Getreidebeständen massiv zu. Das USDA stufte den US-Sommerweizen mit nur noch 11 Prozent in die Kategorien "gut bis sehr gut" ein. Das ist das schlechteste Rating seit 1988. Im vorigen Jahr wurden zum gleichen Termin 68 Prozent der Bestände als gut oder sehr gut eingestuft.

Auch in den kanadischen Prärieprovinzen Saskatchewan und Alberta sind die Wachstumsbedingungen ebenfalls sehr besorgniserregend und die Prognosen nicht viel besser.

Die wichtigsten Weizenanbaugebiete China werden derzeit nach sintflutartigen Regenfällen von Rekordüberschwemmungen heimgesucht. Das könnte die globale Getreidenachfrage erheblich beeinflussen. Besonders von den Überflutungen betroffen ist die Provinz Henan, die größte Weizenanbauregion des Landes, die für 30 % der Produktion verantwortlich ist. Diese Provinz Chinas ist auch der zweitgrößte Schweineproduzent.

Die Überschwemmung schürt außerdem die Befürchtung, dass neue Fälle von Afrikanischer Schweinepest auftreten könnten. Auf diese Provinz entfallen auch fast 10 Prozent der gesamten Maisproduktion.

Aus Russland, berichtet das französische Analystenhaus Agritel hingegen von enttäuschen die Erträgen in den zentralen Regionen des Landes, vor allem in dem im Frühjahr von starken Frostschäden geprägten Gebiet. „Diese schlechter als erwartete Situation beim russischen Winterweizen, verbunden mit starker Hitze bei Sommerweizen, dürfte russische und internationale Analysten noch dazu bringen, ihre Prognose für die russische Weizenernte weiter zu senken“, erwartet Agritel.

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