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Weizenpreise klettern wegen wachsender Sorgen um die Getreideernte

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am Dienstag, 03.08.2021 - 11:55 (Jetzt kommentieren)

Der Weizenpreis steigt kräftig, angetrieben von der Sorge um niedrigere Erträge aus der laufenden Getreideernte. Der Mais wird an den Börsen mit nach oben gezogen.

Seit rund einer Woche klettern die Kurse für Weizen und Mais an der Pariser Terminbörse Matif kräftig. Antreiber sind vor allem schlechter als erwartet eingehende Ergebnisse aus der laufenden Getreideernte auf der Nordhalbkugel.

Der September-Kontrakt für Mahlweizen wird an der Matif heute Morgen (3.8.) mit 228,50 Euro/t gehandelt. Für Lieferung im Dezember sind Preise über 230 Euro/t notiert. Damit hat sich der Weizen am Terminmarkt seit Anfang Juli um rund 15 Prozent verteuert auf ein Niveau, wie es zuletzt bei der Preisspitze Anfang Mai erreicht worden war. Nicht auszuschließen, dass die Marke von 230 Euro/t in dieser Woche wieder nach oben durchbrochen wird.

Auf Großhandelsebene folgen die Weizenpreise dem aufsteigenden Börsentrend. In Hamburg verteuerte sich Brotweizen am Montag um 8 Euro auf 233 Euro/t loko prompt.

Maisbestände in den USA werden herabgestuft

Ähnlich ist das Bild beim Mais. An der Matif wird der November-Kontrakt heute mit 214 Euro/t bewertet und damit 2,75 Euro höher als am Vortag. Seit Anfang Juli entspricht das einem Plus von 11 Prozent.

Laufend schlechtere Bewertungen der Maisbestände in den USA lassen erwarten, dass das US-Agrarministerium (USDA) in der kommenden Woche seine Ernteschätzung nach unten korrigieren wird.

Schäden durch Auswinterung in Russland unterschätzt

Bullische Impulse kamen zuletzt vor allem aus Russland. Die russischen Marktexperten von Sovecon kürzten ihre Prognose für die Weizenernte der Föderation Anfang August deutlich um 5,9 Mio. t auf nur noch 76,4 Mio. t.

Anlass für den kräftigen Rückschnitt waren offizielle Zahlen zur Erntefläche an Winterweizen, die vom nationalen Statistikamt von 16,8 Mio. ha auf 15,6 Mio. ha nach unten korrigiert wurde. Offenbar waren die Ausfälle im Winter deutlich größer als zunächst erwartet. Auch die Erträge bleiben hinter den Annahmen zurück.

Das USDA war im Juli noch von einer russischen Weizenproduktion von 85 Mio. t ausgegangen, was dem Vorjahresniveau entsprochen hätte.

IGC reduziert seine Prognose für die Weltweizenernte

Auch in den USA und Kanada wird die diesjährige Weizenernte nun eher kleiner eingeschätzt als noch vor wenigen Wochen. Der Internationale Getreiderat (IGC) hat seine Prognose für die diesjährige globale Weizenernte Ende Juli um 1 Mio. t auf 788 Mio t zurückgenommen. Als Begründung werden trockenheitsbedingte Ertragseinbußen in Nordamerika angeführt.

Der Bedarf wird jedoch mit unverändert 787 Mio. t Weizen angenommen, rund 17 Mio. t mehr als im Vorjahr. Somit wird die Bilanz aus Produktion und Verbrauch enger.

Große Getreideflächen in China überflutet

Auch aus China kommen keine guten Nachrichten über die Weltgetreideernte. Die schweren Überflutungen in der Provinz Henan, Chinas Kornkammer, haben zu starken Schäden in der Landwirtschaft geführt. Nach Angaben des Pekinger Landwirtschaftsministeriums ist eine Fläche von umgerechnet fast 1 Mio. ha betroffen. Auf rund 625 000 ha seien die Pflanzen geschädigt worden, und auf 360 000 ha sei die Ernte komplett verloren.

Betroffene Kulturen sind hauptsächlich Getreide, Mais, Erdnüsse und Sojabohnen. Aufgrund des immer noch hohen Wasserstands der Flüsse sei in einigen Gebieten die Entwässerung der Ackerflächen schwierig und die Katastrophe somit noch nicht vorbei.

Mit Material von AgE, EU, IGC, SovEcon, USDA
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