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Getreidemarkt und Getreidepreise

Weizenpreise peilen die 200-Euro-Marke an

Getreide verladen
am Freitag, 17.01.2020 - 11:46 (Jetzt kommentieren)

Die europäischen Weizenpreise sind diese Woche am Terminmarkt auf den höchsten Stand seit einem Jahr geklettert.

Weizen MATIF

Der vordere Weizen-Kontrakt stieg am Mittwoch aiúf knapp 196 Euro pro Tonne. Analysten halten einen weiteren Anstieg Richtung 200-Euro für möglich – auch wenn es am Donnerstag eine Preiskorrektur auf 193,0 Euro je Tonnen gegeben hat. Auch das sind immer noch sehr hohe Preise, die noch vor wenigen Wochen außerhalb der Vorstellungen der meisten Marktakteure lagen.

Hintergrund für die Korrektur war die Preisschwäche am US-Markt. nach dem erfolgreichen Abschluss der ersten Phase des Handelsabkommens zwischen den USA und China. Viele Analysten und Händler glauben offenbar nicht, dass China seine Verpflichtungen – insbesondere bei Sojabohnen – einhalten kann. Zum einen, weil der Bedarf infolge der durch ASP stark dezimierten Schweinebestände fehlt - zum anderen weil zusätzliche zollvergünstigte Importe die Preise am chinesischen Binnenmarkt drücken könnten. 

Hinzu kommt die harte Konkurrenz durch eine riesige Sojabohnenernte in Brasilien. Diese Spekulationen hatten den Preisrutsch am US-Terminmarkt ausgelöst – und die Getreidepreise waren im Sog der fallenden Sojapreise ebenfalls nach unten gerutscht.

Am heutigen Freitag zeigt die Preiskurve für Weizen in den USA und in Euro jedoch wieder nach oben.

Das globale Angebot ist ziemlich knapp

Getreide verladen

Es gibt viele Anzeichen für ein immer engeres Angebot", sagte Tobin Gorey, Analyst bei der Commonwealth Bank of Australia. "Außerdem erwägt Russland, seine Weizenexporte in der ersten Hälfte des Jahres 2020 zu begrenzen, um die Inlandsversorgung nicht zu verschlechtern." Das russische Agrarministerium beabsichtigt, eine nichttarifäre Quote für Getreideexporte von 20 Millionen Tonnen festzusetzen, heißt es in einer Erklärung.

"Einige Marktteilnehmer warnen davor, dass die geplante Beschränkung der erste Schritt zu weitergehenden Maßnahmen sein könnte. Sollte eine echte Einschränkung des russischen Weizenangebots ins Spiel kommen und würde dass die Nachfrage nach Weizen aus der EU erhöhen", sagte ein Analyst der Commerzbank. "Der Markt scheint dies bereits einzupreisen."

Ägyptens staatlicher Weizeneinkäufer kaufte im Rahmen einer Ausschreibung diese Woche 240.000 Tonnen russischen und rumänischen Weizen. Die Preise einschließlich Fracht bewegten sich zwischen 248,85 USD und 249,90 USD pro Tonne, was eine Preisanstieg gegenüber der  Ausschreibung vom 8. Januar von 3 bsi 4 USD entsprach.

Europäische Weizenernte schrumpft weiter

Wintergetreide

Gestützt werden die Preise auch durch die schwächeren europäischen Anbau- und Ernteprognosen. So hat das französische Analystenhaus Strategie Grains die Erntefläche für Weizen in diesem Jahr nur noch auf knapp auf 23,2 Mio. Hektar geschätzt. Das wären mehr als 600.000 Hektar weniger als zur Ernte 2019.

„Eine Ursache für diesen Anbau-Rückgang sind die starken Regenfälle im vorigen Herbst und Überflutungen im Vereinigten Königreich und im Nordwesten Frankreichs“, sagt Benoit Fayaud von Strategie Grains.  Die französischen Statistiker von Agreste meldeten im Dezember jedenfalls einen Anbaurückgang von 240.000 Hektar bei Winterweizen und von 56.000 Hektar bei Wintergerste. Doch auch in Deutschland ist die Winterweizenfläche für die Ernte 2020 rund 7,1 Prozent  bzw. 216.000 Hektar kleiner als im Jahr zuvor.

Das heißt: Die europäische Weizenernte und das Angebot dürfte spürbar schrumpfen. Strategie Grains schätzt die europäische Weizenernte 2020 deshalb im Januar nur noch auf 139,8 Mio. Tonnen. Das sind nochmals fast 1,0 Mio. t weniger als man im Dezember erwartet hat. Außerdem fiele die neue Ernte 6,0 Mio. Tonnen kleiner aus als 2019.  Selbst das könnte jedoch immer noch zu hoch sein.

Es gibt nämlich noch ein weiteres Problem: Die Frosttoleranz des Wintergetreides ist in diesem Jahr viel geringer als üblich. Die Gründe liegen in der Witterung des vorigen Herbstes. Das berichtet der EU-Monitoring-Dienst MARS. „Die derzeitige Situation ist heikel, da die Winterkulturen aufgrund verzögerter Aussaat und unzureichender Bodenfeuchtigkeit unterentwickelt sind, was sie in Verbindung mit einer verringerten Kältetoleranz besonders anfällig für Frostschäden macht", heißt es.

Europäischer Exportboom zieht die Preise nach oben

Wintergetreide

Außerdem hat Strategie Grains hat seine Prognose für die Weichweizenexporte der Europäischen Union in dieser Saison nochmals deutlich angehoben. Die Analysten erklärten dies damit, dass die EU von der starken Nachfrage in Übersee zu einem Zeitpunkt profitiert habe, als die Verfügbarkeit in einigen anderen Exportzonen eingeschränkt war. Strategie Grains erwartet nun, dass die EU-Ausfuhren von Weichweizen in der Saison 2019/20 auf etwa 30,5 Millionen Tonnen steigen werden, nachdem man im Dezember noch von 28,7 Millionen Tonnen prognostiziert hatte.

"Die EU profitiert weiterhin von der starken globalen Nachfrage", heißt es im monatlichen Getreidebericht. "Die EU fungiert in dieser Saison wirklich als Brotkorb der Welt." Trotz der gestiegenen Weizenverkäufe aus der Ukraine und aus Argentinien in dieser Saison ließen eine Abschwächung der Lieferungen des Top-Exporteurs Russland und geringere Ausfuhren aus den USA und aus Australien mehr Raum für EU-Lieferungen, sagte Strategie Grains.

Analysten hatten erwartet, dass die EU in dieser Saison nach einer Erholung der Weizenproduktion mehr exportiert, aber eine Reihe von zusätzlichen Verkäufen in Länder wie Ägypten, China und Iran haben die Aussichten weiter verbessert. Händler sagen jedoch, dass sich die Verteilung der Exportnachfrage verschieben könnte, wenn die aktuellen Streiks in Frankreich andauern und die Getreidehändler die Bestellungen nicht mehr bedienen können.

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