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Weizenpreise steigen auf Halbjahreshoch

Getreide und Silos
am Dienstag, 03.12.2019 - 11:32 (Jetzt kommentieren)

Wenn Preise Knappheiten messen, dann ist Weizen sehr viel knapper als die Bilanzen erkennen lassen.

Denn nach den Erntedaten ist das Angebot in Europa relativ groß. Doch die Kurse sind am Terminmarkt nach der Ernte um mehr als 20 Euro gestiegen.  Aktuell notierte der Weizen auf dem höchsten Stand seit einem halben Jahr. Am deutschen Kassamarkt waren die Preisaufschläge sogar noch höher. Die Frage lautet nun: Stimmen die Bilanzen nicht – oder was ist die Ursache für die Preisrallye beim Weizen.

Viele Analysten verweisen an erster Stelle auf die rege Exportnachfrage. Die Exportpreise für Weizen haben weltweit ähnlich kräftig zugelegt, wie die Kurse am europäischen und am nordamerikanischen Terminmarkt. Auch die sehr großen Ernten in Russland und der Ukraine konnten den Preisabstieg bisher nicht abbremsen.  Im Gegenteil. Vom Schwarzen Meer fließt reichlich Weizen (und Gerste) auf den Weltmarkt  und trotzdem sind die Weizenpreise an den Schwarzmeerhäfen  höher als in Frankreich.

Unsere französischen Nachbarn sind nach einer sehr großen Weizenernte derzeit der Preisführer im Weizenexport- dicht gefolgt von den europäischen Schwarzmeerländern Rumänien und Bulgarien. Am höchsten sind die Weizenpreise jedoch in den USA. Dort hat eine schwache Ernte bei Weizen und eine schwache Maisernte - die noch immer nicht beendet ist – die Weizenpreise auf ein Halbjahreshoch getrieben. Diese Rallye stützt über die Terminmärkte auch die Weizenpreise in Europa und am Schwarzen Meer.

Und nicht zuletzt verknappt die katastrophale Weizenernte beim Top-Exporteur Australien das globale Angebot und treibt die Preise weiter nach oben.

Exportpreise ebenfalls kräftig gestiegen

Getreide verladen

Tatsache ist: Die rege globale Weizennachfrage und die hohen Exportpreise sind maßgeblich für die derzeitige Preisentwicklung am europäischen und deutschen Binnenmarkt verantwortlich. Dabei zeigen die vergleichsweise schwachen deutschen Ausfuhren jedoch auch, dass das Angebot in Deutschland relativ knapp ist – bzw. dass es noch bessere Verwertungsmöglichkeiten als den Export gibt. Deutlich wird das auch wenn man sieht, dass die deutsche Exporteure zuletzt fast genau so viel Gerste wie Weizen in Drittländer verkauft haben – das gab es zuvor noch nie.

In Frankreich liegt das Verhältnis der Weizen- zu den Gerstenexporten bei 3 zu 1. Die Forderungen für französischen Weizen lagen Anfang Dezember an den dortigen Exporthäfen (fob) bei 205 USD je Tonne (186 Euro). Das waren 5 USD mehr als vor zwei Wochen, jedoch etwa 4 USD weniger als derzeit mit  209 USD je Tonne (190 Euro) am Schwarzen Meer verlangt werden.

Zum gleichen Zeitpunkt wurden am US-Golf – für vergleichbare Qualitäten – 238 USD je Tonne (216 Euro) gefordert. Das sind die mit Abstand höchsten Preise und das hält die US-Exporteure deutlich auf Abstand – ähnlich wie die Australier. Für Futtergerste sind die Weltmarktpreise derzeit deutlich niedriger und auch erheblich niedriger als im vorigen Jahr – als die Gerste weltweit knapp war: Fob-Schwarzmeerhafen kostet Futtergerste derzeit 187 USD je Tonne (170 Euro) und damit eben so viel wie in Frankreich. Bei beiden TOP-Exporteuren sind die Gerstenpreise derzeit 50 USD je Tonnen niedriger als vor einem Jahr.

Weizenexport: Deutschland verkauft nur wenig

Getreideschiff

Der rege europäische Weizenexport zieht auch die Preise am Binnenmarkt mit nach oben. Allerdings hinkt Deutschland bei Ausfuhren weiterhin deutlich hinterher. Das lässt auf  ein vergleichsweise begrenztes Angebot und bessere finanzielle Verwertungsmöglichkeiten am Binnenmarkt schließen.

Die europäischen Weizenausfuhren erreichten in diesem Wirtschaftsjahr bis Anfang Dezember eine Größenordnung von 11,8 Mio. Tonnen. Das sind 57 Prozent  - bzw. 4,3 Mio. Tonnen - mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres – dem Dürrejahr 2018.

Von den großen europäischen Exporteuren hat Deutschland bislang am wenigsten Weizen in Drittländer verkauft. Deutschland liegt im Ranking der europäischen Wettbewerber –weiterhin hinter den baltischen Ländern, Bulgarien und Polen – gerade einmal auf Position 6, mit knapp 750.000 Tonnen. Deutlich mehr Weizen haben Frankreich und Rumänien in Drittländer verkauft - mit 3,1 Mio. Tonnen und 2,6 Mio. Tonnen. Dahinter rangieren dann Bulgarien, Lettland und Litauen - mit Ausfuhren von rund 1,0 Mio. Tonnen.

Polen kommt immerhin auf 845.000 Tonnen – und liegt damit ebenfalls vor Deutschland. Die wichtigsten Absatzmärkte der Europäer waren bislang Algerien, Saudi-Arabien, Ägypten, China und Südkorea.

Steigende Preise auch am Binnenmarkt

Weizenpreise MATIF

Am deutschen Binnenmarkt sind die Weizenpreise ebenfalls kräftig gestiegen. Am Hamburger Großmarkt und Exporthafen wird Brotweizen derzeit mit 190 Euro je Tonne notiert. Das sind sogar 25 Euro je Tonne mehr als zum letzten Tiefpunkt nach der Ernte. Allein im November haben die Preise um etwa 8 Euro zugelegt.

Auch an den wichtigsten ostdeutschen Handelsplätzen sind die Brotweizenpreise seit der Ernte um etwa 25 Euro auf jetzt  etwa 174 Euro je Tonne gestiegen. Die Preise für Futterweizen liegen in Südoldenburg bei 189 Euro je Tonne und lassen schon einen entscheidenden Grund für das insgesamt recht hohe Niveau erkennen.

Für Futtergerste werden in Hamburg aktuell etwa 170 Euro geboten – dass sind immerhin 20 Euro mehr als nach der Ernte. Außerdem hat die Gerste im November etwa 6 Euro zugelegt. An den ostdeutschen Großhandelsplätzen wird Futterge4ste derzeit mit 152 Euro je Tonne notiert. Das ist ein Preisanstieg von etwa 17 Euro seit September.

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