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Ernteprognose 2019

Welche Preise bringt die neue Ernte?

am Freitag, 21.12.2018 - 05:00

Die Bilanz der Ackerbauern im Dürrejahr 2018 fällt katastrophal aus.

Getreideernte 2019

Trotz hoher Getreidepreise hat die kleine Ernte die Einkommen schrumpfen lassen. Nun rückt allmählich die neue Ernte in den Fokus. An den Terminbörsen kann man sehen, welche Preise der Markt für die neue Saison erwartet. Grundlage für diese Notierungen sind die bislang bekannten Daten über Anbau, Produktion und Außenhandel.

Die Europäische Kommission hat zum Jahresende ebenfalls eine erste Anbauprognose für die Hauptkulturen vorgelegt. Dort haben  die EU-Analysten auf der Basis der erwarteten Ernte und Handelsmengen die Preise für Getreide und Ölsaaten geschätzt.

Sowohl bei der Anbauentwicklung als auch bei den Preisen gibt es einige Überraschungen. Die meisten Veränderungen sind jedoch Reaktionen auf die derzeitigen Marktverhältnisse und Preise.

Größere Weizenernte, Preise bleiben aber oben

Weizenpreise EUK

Die europäische Produktion von Weichweizen schrumpfte im Jahr 2018 witterungsbedingt um 9 Prozent auf den kleinsten Wert seit sechs Jahren. Die Folgen waren ein Rückgang der Exporte sowie ein kräftiger Anstieg der Weizenpreise am Binnenmarkt. In Deutschland war die Marktversorgung wegen der schlechten Ernte besonders eng.

Die Kommission geht vor dem Hintergrund der gestiegenen Weizenpreise von einer relativ deutlichen Ausweitung des Weizenanbaus in der Europäischen Union um etwa 0,8 Mio. ha auf 23,7 Mio. ha aus. Bei durchschnittlichen Erträgen dürfte die Produktion im Jahr 2019 um 12 Mio. t auf knapp 142 Mio. t steigen.

Das würde nach Einschätzung der Kommission auch wieder mehr Exporte erlauben. Dennoch glauben die EU-Analysten, dass die Weizenpreise auch 2019 ihr hohes Niveau behaupten. Erwartet werden nach der nächsten Ernte durchschnittliche Erzeugerpreise von 179 Euro/t.

Das durchschnittliche Niveau in der aktuellen Saison wird mit 181 Euro/t ähnlich hoch angegeben. Am Weltmarkt rechnet die Kommission für die nächste Saison mit einem weiteren Anstieg der Notierungen in US-Dollar.

Mehr Gerste und etwas niedrigere Preise

Gerstenpreise EUK

Bei Gerste erwartet die EU-Kommission für die neue Saison keine Veränderung der Anbaufläche. Allerdings wird in der Prognose nicht zwischen Sommer- und Wintergerste unterschieden. Zu erwarten ist nämlich, dass der Anbau von Wintergerste zu Lasten von Sommergerste (und Raps) kraftig ausgeweitet wird.

Im vorigen Jahr war es wegen des sehr feuchten Herbstes genau umgekehrt gewesen. Diese Annahme bestätigen auch die aktuellen Anbauzahlen aus Deutschland. Hierzulande wurde die Anbaufläche von Wintergerste um knapp 13 Prozent ausgedehnt. Das dürfte wegen der hohen Preise für Futtergerste auch in anderen EU-Ländern wie etwa in Frankreich der Fall sein.

Die Kommission geht insgesamt von einer stabilen Gerstenfläche von etwa 12,5 Mio. ha aus. Bei durchschnittlichen Erträgen dürfte die Produktion im nächsten Jahr um 4,5 Mio. t auf knapp 61,4 Mio. t steigen. Dieser Zuwachs würde deutlich höhere Exporte erlauben.

Gleichzeitig könntne die Preise für Futtergerste auf das Niveau von 2017 zurückrutschen. Die Kommission erwartet nach der nächsten Ernte durchschnittliche Erzeugerpreise von 156 Euro/t. Das Niveau in der aktuellen Saison lag mit 175 Euro/t rund 20 Euro höher. Am Weltmarkt rechnet Brüssel in der nächsten Saison mit einem moderaten Rückgang der Gerstenpreise von etwa 5 Prozent in US-Dollar.

Höhere Rapspreise im nächsten Jahr

Rapspreise EUK

Beim Raps rechnet die Kommission für die nächste Ernte mit einem Anbaurückgang. Jedoch fällt die erwartete Anbaueinschränkung erheblich geringer aus als dies etwa die aktuellen Zahlen aus Deutschland zeigen. Hierzulande haben die Landwirte wegen der Trockenheit zur Herbstaussaat und wegen der im Vergleich zum Getreide sehr niedrigen Rapspreise die Anbaufläche um ein Viertel verkleinert.

Die Kommission geht für die Europäische Union lediglich von einem Rückgang der Rapsfläche um knapp 100.000 ha auf 6,78 Mio. ha aus. Da allein Deutschland seine Rapsfläche um 305.000 ha  auf den kleinsten Wert seit 22 Jahren reduziert hat, müssten andere Länder, wie etwa Polen, ihren Anbau kräftig ausgeweitet haben. Das ist mehr als fraglich.

Legt man die von der Brüsseler Behörde unterstellte Anbaufläche zu Grunde, ist bei durchschnittlichen Erträgen eine Ernte von 21,9 Mio. t Raps zu erwarteten. Das wäre ein Anstieg der Erzeugung um 2,2 Mio. t.

Trotz der größeren Ernte rechnet die Kommission im nächsten Jahr mit höheren Preisen. Gründe sind der aufgrund des Handelskrieges mit China erwartete Rückgang der Sojaproduktion in den USA und höhere Weltmarktpreise für Sojabohnen. Die Kommission prognotiziert nach der nächsten Ernte durchschnittliche Rapspreise (Erzeugerpreise) von 413 Euro/t.

Das Niveau in der aktuellen Saison lag mit 386 Euro/t immerhin 27 Euro niedriger. Am Weltmarkt rechnet die Kommission in der nächsten Saison mit einem Anstieg der Sojapreise von etwa 5 Prozent in US-Dollar.