Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Zuckermarkt

Weniger Zuckerverbrauch in der EU bei steigenden Importen erwartet

Geerntete Zuckerrüben am Ackerrand
am Dienstag, 28.07.2020 - 14:39 (Jetzt kommentieren)

Die Europäische Kommission geht für 2020 von einem Zuckerrübenertrag auf Vorjahresniveau in der EU-27 aus. Etwa 110 Millionen Tonnen werden erwartet.

Wie aus dem aktuellen kurzfristigen Ausblick der Brüsseler Fachleute hervorgeht, dürfte die betreffende Zuckerrüben-Menge bei 110,3 Mio. Tonnen liegen. Das wären 1,4. Mio. Tonnen oder 1,2 Prozent weniger  als 2019. Die durchschnittliche Erzeugung der Zuckerrüben der vergangenen fünf Jahre würde demnach um 0,2 Prozent übertroffen.

Dieser Prognose zum Zuckerrübenertrag liegt die Annahme zugrunde, dass die Landwirte das Rübenareal für die kommende Ernte im Vorjahresvergleich um fast 2 Prozent auf 1,5 Mio. Hektar eingeschränkt haben.

Der durchschnittliche Zuckerrübenertrag in der Gemeinschaft soll um 0,8 Prozent auf 73,4 Tonnen pro Hektar steigen.

Geringere Erträge von Zuckerrüben in den wichtigsten Erzeugerländern

Für Frankreich - dies ist der größte Zuckerrübenerzeuger der Gemeinschaft - erwartet die EU-Kommission eine Ernte 2020 von fast 36 Mio. Tonnen. Das wäre im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 3,2 Prozent.

In Deutschland, der Nummer zwei unter den EU-Produzenten von Zuckerrüben, dürfte das Rübenaufkommen um 2,2 Prozent auf 29,1 Mio. Tonnen zurückgehen.

Dagegen wird die Zuckerrübenproduktion in Polen, das hier auf dem dritten Platz rangiert, in diesem Jahr voraussichtlich um 4,2 Prozent auf 14,3 Mio. Tonnen steigen.  Ein deutlicher Zuwachs wird auch für die viertplatzierten Niederlande erwartet, nämlich um 7,6 Prozent auf 7,0 Mio. Tonnen Zuckerrüben.

Gesunkener Verbrauch und wachsende Bestände in Zuckerlagern

Wie die EU-Kommission mit Blick auf den Zuckermarkt der EU-28 in der noch bis September laufenden Vermarktungssaison 2019/20 ausführt, ist mit einem Verbrauch von 18,2 Mio. Tonnen zu rechnen. Das wäre im Vergleich zu 2018/19 ein Rückgang um 300 000 Tonnen oder 1,6 Prozent. Begründet wird dies vor allem mit den Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19.

Im Einzelnen sollen 16,7 Mio. Tonnen Zucker auf die menschliche Ernährung entfallen, nach 16,9 Mio. Tonnen im Vorjahr. Außerdem dürfte der industrielle Bedarf um 100 000 Tonnen Zucker auf 1,5 Mio. Tonnen zurückgehen, wovon 700 000 Tonnen für die Bioethanolerzeugung eingesetzt werden dürften. In der vergangenen Saison hatte die Biokraftstoffindustrie noch 100 000 Tonnen Zucker mehr benötigt.

Im Außenhandel der EU-28 mit Zucker zeichnet sich laut den Brüsseler Fachleuten für 2019/20 eine gegenläufige Entwicklung bei den Ein- und Ausfuhren ab. So dürften die betreffenden Exporte im Vorjahresvergleich um 600 000 Tonnen auf 1 Mio. Tonnen sinken, während die Importe voraussichtlich um 100 000 t auf 2 Mio. Tonnen steigen werden.

Als Folge der wahrscheinlich steigenden Zuckerimporte und des gleichzeitig sinkenden Verbrauchs dürften die Endbestände an dem Süßstoff in der EU-28 Ende September 2020 mit 2,0 Mio. Tonnen um 200 000 Tonnen oder 11,1 Prozent höher ausfallen als zwölf Monate zuvor. Damit wäre die Versorgungslage in der aktuellen Vermarktungssaison üppiger als 2018/19: 

  • Der erwartete Verbrauch und die voraussichtlichen Ausfuhren der Gemeinschaft könnten mit diesem Vorrat 38 Tage lang gedeckt werden.
  • Im Jahr 2019 lag der Zuckervorrat bei lediglich 33 Tagen.
  • Der Mittelwert der vergangenen vier Jahre lag bei 37 Tagen.

Mehr Zuckerrohr für den Weltmarkt

Derweil sehen die Brüsseler Fachleute die globale Rohstoffernte für die Zuckererzeugung in der kommenden Saison nach dem zuletzt niedrigen Volumen auf Erholungskurs. Begründet wird die Prognose vor allem mit einer wahrscheinlich größeren Zuckererzeugung aus Zuckerrohr in Brasilien zu Lasten der dortigen Ethanolerzeugung, die wohl wegen der niedrigen Ethanolpreise als Folge der fallenden Aktienkurse für Rohöl eingeschränkt wird.

Im Moment ist die aktuelle Versorgungssituation am Weltmarkt für Zucker nicht so umfangreich wie 2018/19. Wie die Brüsseler Fachleute mit Verweis auf Daten der International Sugar Organization (ISO) berichten, werden die globalen Bestände bis zum Ende der aktuellen Vermarktungssaison im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich um 9 Mio. Tonnen auf 85 Mio. Tonnen abgestockt.

Dieser Prognose liegt ein erwarteter Anstieg der weltweiten Zuckernachfrage um 2 Mio. Tonnen auf 176 Mio. Tonnen zugrunde, während die Erzeugung um 8 Mio. Tonnen auf 167 Mio. Tonnen einbrechen dürfte.

Preise für Weiß- und Rohrzucker erholen sich

Der EU-Kommission zufolge legten die Weißzuckerpreise in der EU-28 zuletzt zu. Für April dieses Jahres errechnen die Experten ein durchschnittliches Niveau von 379 Euro/Tonne. Das war 1 Prozent mehr als im Monat zuvor.

Derweil erholten sich die Zuckerpreise am Weltmarkt spürbar, nachdem sie im März und April 2020 deutlich abgerutscht waren. An der Agrarterminbörse in London wurde der Kontrakt auf Weißzucker mit Fälligkeit im März 2021 am Dienstag vergangener Woche (21.7.) gegen 16.45 Uhr hiesiger Zeit für 351,7 Dollar/Tonne (307,20 Euro) gehandelt. Er konnte sich damit von seinem Ende April markierten Laufzeittief um 14,5 Prozent nach oben absetzen.

Auch für den Rohzucker an der New Yorker Börse ging es aufwärts. Für den betreffenden März-Terminkontrakt 2021 wurden zuletzt 12,47 Cent/Pfund (240 Euro/Tonne) angelegt. Das war im Vergleich zu dem vor etwa drei Monaten erreichten Laufzeittief ein Aufschlag von 19,8 Prozent.

Mit Material von Agra Europe (AgE)

Prognosen der EU-Kommission für den Zuckermarkt in der Gemeinschaft*

 

2015/16

2016/17

2017/18

2018/19

2019/20**

2019/20 : 2018/19

in v.H.

Produktion Zuckerrüben,
in Mio. t Weißzuckeräquivalent

101,9

112,4

143,1

119,6

119,1

-  0,4 

Zucker

14,9

16,8

21,3

17,6

17,4

-  1,1 

Verbrauch

18,6

17,7

19,0

18,5

18,2

-  1,6 

davon menschl. Ernährung

16,6

16,2

17,2

16,9

16,7

-  1,2 

davon industrieller Bedarf

1,9

1,5

1,8

1,6

1,5

-  6,3 

Import

2,9

2,5

1,3

1,9

2,0

+  5,3 

Export

1,4

1,3

3,4

1,6

1,0

- 37,5 

Endbestände

1,9

2,2

2,4

1,8

2,0

+ 11,1 

* Zahlen der EU-Kommission für EU-28 von Juli 2020; Vermarktungssaison von Oktober bis September 

** Schätzungen

Quelle: Agra Europe (AgE)

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...