Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Ernteprognose

Wetterextreme drücken Getreideernte

John Deere Mähdrescher S790 auf Feld
am Dienstag, 19.06.2018 - 10:53 (Jetzt kommentieren)

Die Ertragsprognosen für die europäische Getreideernte wurden im Juni kräftig nach unten korrigiert. Ursache sind die extremen Witterungsverhältnisse mit großer Hitze und anhaltendem Niederschlagsmangel in weiten Teilen Zentral-, Ost- und Nordeuropas.

Am stärksten setzte die Monitoring-Agentur der Europäischen Kommission (MARS) die Ertragsprognosen für Winterraps und Wintergerste nach unten. Hier lagen die Abschläge gegenüber dem Vormonat bei sehr hohen 4,4 % bzw. 4,1 %.

Beim Weichweizen wurde die Vorhersage zum Vormonat um 2,4 % gesenkt. Dieser Minderertrag entspricht bezogen auf die europäische Weichweizenernte einem Produktionsrückgang von immerhin 3,5 Mio. t.

Etwas überraschend korrigierte MARS die Ertragsschätzungen bei Sommergerste um 2,1 % nach oben. Das hat jedoch ausschließlich mit den sehr guten Prognosen des größten europäischen Produzenten Spanien zu tun. Gleichzeitig korrigierte man die erwarteten Erträge von Sommergerste in anderen Ländern, wie etwa in Frankreich und Dänemark nach unten.

Insgesamt wäre die europäische Gesamternte bei Getreide nach den im Juni unterstellten Erträgen und Flächen etwa 7,8 Mio. t kleiner im Vormonat.

Extremes Wetter in Zentral-, Ost- und Nordeuropa

TrockenschaedenGetreide.jpg

Bei der Prognose geht die europäische Crop-Monitoring-Agentur davon aus, dass das sehr warme Wetter, in Verbindung mit dem anhaltenden Niederschlagsdefizit in Zentral-, Ost- und Nordeuropa, sich sehr negativ auf das Ertragspotenzial der Pflanzen ausgewirkt hat.

In einigen Ländern wie Deutschland und Dänemark hat das Wetter bereits die Blüte und dann auch die Kornfüllungsphase negativ beeinflusst. Bei den Sommerkulturen beobachtete MARS negative Auswirkungen in Schweden, Dänemark, Polen und dem Baltikum.

In Ungarn, Rumänien und Bulgarien sind die Winterkulturen und deren Ertragspotential ebenfalls von Niederschlagsmangel und hohen Temperaturen geschädigt.

Reichlich Niederschlag meldete MARS hingegen aus Zentralitalien und aus Teilen Frankreichs. In Frankreich führten Überflutungen und stauende Nässe zu erhöhtem Krankheitsdruck und zu Fusarienbefall.

Dagegen haben die ergiebigen Regenfälle in Spanien für deutlich höhere Ertragserwartungen gesorgt.

Deutschland mit Hitzerekord

Bodenbearbeitung bei Trockenheit

Über Deutschland berichtet MARS, dass das sehr heiße und trockene Wetter die Entwicklung und das Ertragspotential der Pflanzen vor allem im Norden und Osten erheblich geschädigt hat. Die Ertragserwartungen für Wintergerste, Roggen, Triticale und Raps mussten dabei am stärksten nach unten korrigiert werden.

Nach den Erkenntnissen von MARS wurden die wärmsten Temperaturen seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen zum europäischen Crop-Monitoring im Jahr 1975 gemessen. Im Durchschnitt lagen die Temperaturen 3,4 % über dem langjährigen Mittel. Im Osten Deutschlands, wie etwa in Brandenburg, hat die Hitzewelle bereits zu aktuter Wasserknappheit geführt.

Die Hitze war zudem mit ausgewöhnlichen geringen Niederschlägen verbunden. Einige Regionen wurden jedoch auch von schweren Gewitterstürmen heimgesucht. Am besten waren die Niederschläge und Wachstumskonditionen für die Pflanzen noch im Südwesten und Westen Deutschlands, stellte MARS fest.

Insgesamt hat das extreme Wetter massive Auswirkungen auf das Ertragspotential von Getreide und Raps, ganz besonders auf leichteren Böden.

Wintergerste sehr schwach, Weizen noch relativ gut

Die Ertragsschätzung für Weichweizen lag in der Juni-Prognose für Deutschland bei 7,75 t/ha. Das sind überraschenderweise 1,2 % mehr als im Vorjahr (7,66), jedoch 3,3 % weniger als im langjährigen Mittel (8,02) geerntet wurden. Die Prognose vom Vormonat hat MARS um 1,3 % nach unten korrigiert.

Bezogen auf die Anbaufläche von 3,08 Mio. ha würde sich eine deutsche Weizenernte von 23,87 Mio. t ergeben. Das wäre etwa 1,0 Mio. t mehr als der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) mit 22,9 Mio. t und Erträgen von nur 7,43 t/ha prognostiziert hat.

Für Wintergerste liegt die Ertragsschätzung für Deutschland nur noch bei 6,81 t/ha. Das sind 7,4 % weniger als im Vorjahr (7,35) und zudem 7,4 % weniger als im langjährigen Mittel (7,36). Die Ertragserwartung vom Vormonat wurde um 7,2 %  nach unten korrigiert.

Bezogen auf die deutsche Anbaufläche von 1,217 Mio. ha ergibt sich eine deutsche Wintergerstenernte von 8,29 Mio. t. Das wäre etwas weniger als der DRV zuletzt mit 8,42 Mio. t und Erträgen von 6,92 t/ha geschätzt hat.

Den Ertrag von Sommergerste erwartet MARS für Deutschland bei 5,39 t/ha. Das sind 0,3 % weniger als im Vorjahr (5,40) und 1,9 % weniger als im langjährigen Mittel (5,49). Die Erwartung vom Vormonat hat MARS kaum verändert.

Bezogen auf die Anbaufläche von 0,437 Mio. ha ergibt sich eine deutsche Sommergerstenernte von 2,36 Mio. t. Das wäre etwas mehr als der DRV mit 2,27 Mio. t und Erträgen von 5,20 t/ha annimmt.

Einbruch beim Raps, Mais steht gut

Besonders drastisch ist der Produktionseinbruch beim Raps. Die Ertragserwartung für Raps liegt für Deutschland nur noch bei 3,22 t/ha. Damit bleibt man 1,4 % unter dem extrem schwachen Vorjahreswert (3,27) und 16 % unter dem langjährigen Mittel (3,82).

Die Ertragsschätzung vom Vormonat wurde um knapp 10 % nach unten gesetzt. Bezogen auf die Anbaufläche von 1,26 Mio. ha ergibt sich damit eine deutsche Rapsernte von 4,06 Mio. t. Das wäre ähnlich wenig wie der DRV mit 4,06 Mio. t geschätzt hat.

Die Ertragserwartung für Mais liegt für Deutschland  bei 10,1 t/ha und damit 4,3 % unter dem Vorjahreswert (10,5), jedoch 3,5 % über dem langjährigen Mittel (9,74). Bezogen auf die Anbaufläche von 0,453 Mio. ha ergibt sich eine deutsche Maisernte von 4,57 Mio. t.

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Oktober 2020
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
cover_agrarheute_magazin.jpg

Einen ausführlichen Bericht zur erwarteten europäischen und globalen Getreideernte, zu den erwarteten Ertragsausfällen und zur Enwicklung der Getreidepreise finden Sie in der aktuellen Ausgabe von agrarheute.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...