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Gerstenernte und Gerstenpreise 2021

Wintergerste: Ernte beginnt und Gerstenpreise stürzen ab – die Fakten

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am Dienstag, 06.07.2021 - 11:27 (Jetzt kommentieren)

Die Ernte von Wintergerste hat begonnen. Und die Gerstenpreise brechen drastisch ein.

Preise für Futtgerste

Auf den leichten Standorten im Osten und in den Frühdruschgebieten im Südwesten fahren die Mähdrescher, wenn es nicht gerade regnet. Das ist zwar etwas später als in den Vorjahren, aber durchaus im üblichen Zeitfenster.

„Die Trockenheit im Juni mit Temperaturen zum Teil über 30 Grad habe die Gerste vor allem in leichten Böden früh reifen lassen. Dort werden nun auch die ersten Mähdrescher auf die Felder geschickt“, sagt der Pflanzenbaureferent des Landesbauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Frank Schiffner.

Die aktuellen Prognosen gehen für Deutschland von einer etwas größeren Ernte bei Wintergerste aus als im vorigen Jahr. Auch der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) erwartet eine größere Gerstenernte.

Zwar haben die Bauern nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) deutschlandweit knapp 55.000 Hektar oder gut 4 Prozent weniger Fläche als im vorigen Jahr mit Wintergerste bestellt - ingesamt 1,26 Millionen Hektar. Bei den Erträgen sieht der DRV jedoch ein dickes Plus von 7 Prozent: erwartet werden im Schnitt 71,9 dt/ha anstelle der 67,5 dt/ha aus dem Vorjahr. Diese Schätzung müssen die aktuellen Ergebnisse allerdings noch bestätigen.

Insgesamt läuft die DRV-Prognose auf eine Wintergerstenernte von rund 9,0 Millionen Tonnen hinaus – anstelle der 8,8 Millionen Tonnen von 2020. Das wäre ein Zuwachs von gerade einmal 2,2 Prozent – also nicht die Welt.

Gerstenpreise fallen ex Ernte um mehr als 60 Euro

Gerstenernte in Deutschland.

Die Gerstenpreise waren bis zuletzt sehr hoch. Der Grund: Zum einen war Futtergetreide vor der neuen Ernte extrem knapp, zum anderen lief der Export zum Ende der Saison noch ziemlich gut, denn die Weltmarktpreise waren bis Juni ebenfalls hoch.

Vom Hamburger Exporthafen wurden für alterntige Gerste Ende Juni Großhandelspreise von 240 Euro je Tonne gemeldet – das war ähnlich viel wie für Brotweizen gezahlt wurde. Eine Woche zuvor wurden sogar 246 Euro je Tonne geboten – offenbar auch, um die noch ausstehenden Exportverpflichtungen zu erfüllen.

Immerhin hat Deutschland im letzten Wirtschaftsjahr nach Daten der EU-Kommission rund 1,4 Millionen Tonnen Futtergerste in Drittländer verkauft. Das war mehr als Rumänien mit knapp 1 Millionen Tonnen exportiert hat,  jedoch deutlich weniger als französische Exporteure mit rund 3 Millionen Tonnen in Drittländer verkauft haben – vor allem nach China.

Für die Gerste der neuen Ernte sind die Preisangebote an den deutschen Handelsplätzen regelrecht eingebrochen. In Hamburg wurden diese Woche nur noch 182 Euro je Tonne geboten – das sind 68 Euro weniger als Ende Juni für die alterntige Ware und nochmals fünf Euro weniger als vorige Woche. Und auch für die kommenden Wochen gehen die Offerten am wichtigsten deutschen Exporthafen derzeit nur leicht nach oben – aktuell auf gerade einmal 186 Euro je Tonne.  

Der Preisrutsch in anderen deutschen Regionen ist ähnlich dramatisch. In Mannheim notierte die südwestdeutsche Getreidebörse am Montag für die neue Gerstenernte nur noch Preise von 175 bis 180 Euro je Tonne – auch das sind gut 60 Euro weniger als für die alte Ernte Mitte Juni gezahlt wurden. Aus Rheinland-Pfalz berichteten die Landwirte Ende der vorigen Woche über ähnlich drastische Preiseinbrüche. Aus dem Osten kommen diese Woche ähnliche Meldungen.

Frankreich: Große Ernte drückt auf die Gerstenpreise

gerstenpreise in Frankreich

In Frankreich hat die Ernte der Wintergerste ebenfalls begonnen. Dort gehen die Analysten von FranceAgrimer von einem kräftigen Anstieg der Produktion aus – nämlich um fast 1,25 Millionen auf 7,7 Millionen Tonnen. Ein Zuwachs von fast 20 Prozent! Allerdings war die französische Ernte im vorigen Jahr witterungsbedingt auch besonders schlecht.

Ursachen für den kräftigen Produktionsanstieg sind deshalb: Eine moderate Ausweitung der Anbaufläche auf 1,2 Millionen Hektar, vor allem jedoch wesentlich höhere Erträge. Diese sollen im Schnitt von 55,2 dt/ha auf etwa 64,1 dt steigen – Das ist ein Plus von 16 Prozent, erwarten die Analysten von FranceAgrimer.

Damit drängt Frankreich mit einer deutlich größeren Gerstenernte auf den europäischen Binnenmarkt und auch in den Export. Allerdings dürfte ein großer Teil der exportierten Gerste nach China abfließen – umfangreiche Lieferverträge wurden schon abgeschlossen, auch für französischen Weizen. Damit erhöhen sich für deutsche und andere europäische Exporteure die Absatzchancen in andere Regionen – beispielsweise nach Saudi-Arabien, Algerien oder in den Iran.

Am französischen Exporthafen Rouen lagen die Preise für die alte Gerstenernte Ende Juni noch bei rund 210 Euro je Tonne und damit 15 bis 20 Euro niedriger als zwei Wochen davor. Die aktuellen Preisangebote für die neue Ernte sind in Rouen wegen der guten Exportaussichten höher als in Deutschland, nämlich bei 195 Euro je Tonne. Das sind jedoch nochmals 15 Euro weniger als zum Monatswechsel, mit weiter fallender Tendenz, berichten Analysten.

Frankreich: Starkregen und Hagel drücken die Qualität

getreideernte.

Fallende Preise für Weizen und Mais drücken auch auf die Gerstenpreise, schreiben französische Analysten. Die anhaltenden Regenfälle bei der laufenden Ernte stellen zudem ein wachsendes Qualitätsrisiko dar, heißt es weiter. Am französischen Inlandsmarkt läuft der Handel mit Blick auf die neue Ernte derzeit sehr ruhig.

Gute Erntefortschritte in Spanien erschweren zudem den französischen Absatz in das Nachbarland. Mit dem Ende der Kampagne 20/21 verlangsamte sich zudem die bis dahin sehr hohe französische Exportaktivität. Das Kaufinteresse für die kommenden Wochen ist aber hoch, heißt es von Analysten.  

Auf der Angebotsseite dürften die Erntemengen in diesem Jahr auch nach Berichten aus der Landwirtschaft sehr gut ausfallen. FranceAgriMer schätzte beim letzten Crop-Rating die Quote der „guten bis sehr guten“ Wintergerstenbestände auf 75 Prozent, verglichen mit 51 Prozent im Vorjahr und 64 Prozent im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Die derzeit auch in Frankreich herrschende Wetterlage mit Starkregen und Hagel unterbricht die Ernte jedoch immer wieder und könnte schnell zu Qualitätseinbußen führen.

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