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MARS-Crop-Monitoring

Wintersaaten: Raps ist der große Verlierer der Aussaatkampagne

Winterraps auf einem Feld
am Dienstag, 24.11.2020 - 10:48 (Jetzt kommentieren)

Die europäischen Ackerbauern haben erneut weniger Raps ausgesät – dafür aber mehr Wintergetreide.

MARS-Karte zu den Wetterextremen in Europa mit zu viel Rege, zu wenig Regen und zu hohen Temperaturen

In den meisten Teilen Europas herrschten seit Mitte Oktober günstige Wetterbedingungen für die Aussaat von Wintergetreide und die Ernte der restlichen Sommerkulturen. Für die Aussaat von Raps kamen diese günstigen Bedingungen in mehreren der großen Anbauländer aber leider zu spät. Dort war es zuvor viel zu trocken.

Es wird deshalb erwartet, dass die europäische Rapsfläche unter das Niveau des Vorjahres von 5,2 Millionen Hektar (Ernte 2020) und auch unter den 5-Jahres-Durchschnitt fällt.

Die Aussaatkampagne für Wintergetreide wurde hingegen in den meisten Teilen Nordeuropas pünktlich und unter sehr guten Bedingungen abgeschlossen. Häufige Regenfälle im Oktober verlangsamten und erschwerten die Aussaat jedoch in vielen Teilen West-, Mittel- und Südosteuropas.

Die trockeneren Bedingungen im November ermöglichten dann aber, den anfänglichen Rückstand bei der Aussaat in den Benelux-Ländern, Frankreich, Deutschland und Polen wieder aufzuholen.

Erst zu trocken, dann zu nass – Rapsfläche schrumpft erneut

Balkendiagramm zur Rapsanbaufläche in der EU von 2000 bis 2021

Der Beginn der Raps-Aussaat wurde auch in diesem Jahr durch Trockenheit massiv behindert. Die auf europäischer Ebene bestellte Fläche wird voraussichtlich kleiner sein als im Vorjahr und auch kleiner als im 5-Jahres-Durchschnitt.

Während MARS vor allem aus Nordeuropa und Polen von guten Bedingungen für die Aussaat und das Auflaufen der Rapspflanzen berichtet, schädigten massive Niederschläge in der ersten Oktoberhälfte die Pflanzen in vielen anderen Regionen aufgrund von massiver Staunässe. Die Kampagne zur Aussaat von Raps wurde jedoch zu Beginn vor allem durch sehr trockene Bodenbedingungen in den großen Anbauländern behindert.

Besonders beeinträchtigt wurde die Rapsaussaat nach Einschätzung von MARS in folgenden Ländern: Frankreich, Deutschland, Rumänien, Bulgarien sowie in der Ukraine und im Vereinigte Königreich. Reichlich Regenfälle gab es dann  ab Mitte September in Frankreich und Deutschland, das ermöglichte dann, noch einige späte Sorten zu säen.

Deutsche Rapsfläche über Vorjahr – Frankreich mit Anbaurückgang

Winterraps auf einem Feld

In Deutschland führte die verbesserten Bedingungen schließlich zu einer Aussaatfläche, die voraussichtlich das Niveau des Vorjahres übertreffen wird, glaubt MARS. In Frankreich und im Vereinigten Königreich waren die Niederschläge jedoch übermäßig hoch und trugen zu weiteren Verzögerungen bei, was zu einer im Vergleich zum Vorjahr und zum 5-Jahres-Durchschnitt geringeren Aussaatfläche führte.

Neben den herausfordernden Wetterbedingungen erklärt MARS den Anbaurückgang – insbesondere in Frankreich und im Vereinigten Königreich – aber auch durch "die Risikoaversion der dortigen Landwirte", die aufgrund der enttäuschenden Erträge in den letzten Jahren keinen Raps mehr anbauen wollten.

In Ungarn, wo die Wetterbedingungen während der Aussaat von Raps in diesem Jahr günstiger waren, sind die schlechten Erträge in den vergangenen Jahren die Hauptursache für den Rückgang der Aussaatfläche, schreibt MARS. In Südosteuropa – also Bulgarien, Rumänien, Ukraine – wurde die gesamte Aussaatkampagne durch extrem trockene Wetterbedingungen behindert, so dass die Aussaatfläche voraussichtlich ebenfalls niedriger ist als im Vorjahr und unter dem 5-Jahres-Durchschnitt liegt.

In den baltischen Ländern, in Dänemark, Schweden und Polen, waren die Aussaat-Bedingungen hingegen besonders günstig. Eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit sorgte für einen guten Start bei Keimung und Auflauf, und die Anbaufläche für Winterraps wird voraussichtlich höher sein als im Vorjahr. Starke Regenfälle in der ersten Oktoberhälfte in Polen, Tschechien und der Slowakei führten jedoch dazu, dass die Pflanzen zunehmend Staunässe ausgesetzt waren.

Größere Anbaufläche bei Wintergetreide erwartet

Anbaufläche von Winterweizen in Reihen auf einem Feld

Die Aussaat von Wintergetreide wurde in den meisten Teilen Nord-, West- und Mitteleuropas pünktlich abgeschlossen. Auch in vielen Gebieten Tschechiens, der Slowakei, Ungarns, Bulgariens und Rumäniens konnte die Aussaat noch rechtzeitig beendet werden. In Skandinavien und den baltischen Ländern wurde die Aussaat ebenfalls unter guten Bedingungen durchgeführt, schreibt MARS.

In Irland und im Vereinigten Königreich waren Anfnag November fast 90 Prozent der des Wintergetreides im Boden. Die Aussaat erfolgte hauptsächlich im September und Oktober, obwohl die Bodenverhältnisse durch häufigen Regen beeinträchtigt waren. In den Benelux-Ländern verlangsamte die sehr feuchte erste Oktoberhälfte den Aussaatfortschritt erheblich, insbesondere in den westlichen Provinzen. Die günstigen Wetterbedingungen in der dritten Oktoberwoche und Anfang November trugen jedoch dazu bei, die Aussaat noch rechtzeitig abzuschließen.

In Frankreich, Deutschland und Polen, verzögerten häufige Regenfälle die Aussaat im Oktober, aber die trockeneren Bedingungen im November führten dazu, den Rückstand aufzuholen. In diesen Ländern wird die mit Wintergetreide bestellte Fläche größer sein als im vorigen Jahr, und es wird erwartet, dass in einigen Ländern (z. B. Belgien, Niederlande, Polen) die mit Wintergetreide bestellte Fläche den 5-Jahres-Durchschnitt überschreitet, berichtet MARS.

Gute Wachstumsbedingungen – aber hoher Schädlingsdruck

winterweizen.

Bodenfeuchtigkeit und Temperaturbedingungen waren überwiegend günstig für das Auflaufen und die frühe Entwicklung des Wintergetreides. Diese Bedingungen waren jedoch auch für die Schädlingsentwicklung günstig. Insbesondere in Frankreich, Belgien und den Niederlanden wurde über einen erhöhten Druck durch Blattläuse berichtet.

Reichlich Regen in Osttschechien und der Slowakei hat die Aussaat von Wintergetreide indessen verzögert und schlechte Bedingungen für die frühe Entwicklung bereits gesäter Winterkulturen geschaffen. In Ungarn, Bulgarien und Rumänien wurde die Aussaat durch reichliche Niederschläge Anfang Oktober ebenfalls verzögert, aber das Wetter verbesserte sich zum Ende des Monats.

Bei weiterhin günstigen Bedingungen könnte die geplante Weizensaat noch rechtzeitig abgeschlossen sein, glaubt MARS. Dies ist jedoch bei Wintergerste möglicherweise nicht der Fall, da das Aussaatfenster für Wintergerste in den meisten Regionen geschlossen ist.

In Griechenland und Italien schreitet die Aussaat von Wintergetreide (einschließlich Hartweizen) unter günstigen Bedingungen gut voran. In Spanien und Portugal begünstigten die Niederschläge Ende Oktober den Beginn der Aussaat, die bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit für Keimung und Auflauf gut voranschreitet.

Mit Material von JRC MARS Bulletin

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