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Rübenanbau und Ernte 2019

Zuckerkrise: Anbau bricht ein, Preise trotzdem im Keller

Zuckerrübenernte
am Donnerstag, 23.05.2019 - 05:05 (1 Kommentar)

Den europäischen Rübenbauern geht es nicht gut. Auch der Zuckerindustrie nicht. Dort spricht man von einer beispiellosen Krise. Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion und diskutieren Sie mit!

Der Anbau von Zuckerrüben für die Ernte 2019 wird in vielen Ländern kräftig zurückgefahren. Die europäischen Zuckerpreise sind dennoch weiter im Keller. Das gibt dann wohl auch die Richtung für die Kalkulation der neuen Rübenpreise vor.

Für die kommende Ernte zeigt der europäische Terminmarkt in London derzeit nur ein geringfügig höheres Niveau an – obgleich man am Weltmarkt von einem Rückgang der Zuckerproduktion ausgeht.

Die Europäische Kommission hatte ihre erste Anbau- und Produktionsschätzung Anfang Mai herausgegeben. Anbauverbände gehen jedoch davon aus, dass die zu Grunde liegenden Anbauflächen zu hoch sind – insbesondere für Deutschland und Frankreich.

Produktion steigt – trotz Anbaurückgang

Der Grund für die anhaltend niedrigen Zuckerpreise am europäischen Terminmarkt ist einfach: Die Europäische Kommission geht zwar davon aus, dass die Anbaufläche von Zuckerüben in der EU um rund vier Prozent bzw. fast 100.000 ha schrumpft. Die Rüben-Produktion wächst wegen der im Vergleich zum Dürrejahr 2018 voraussichtlich deutlich höheren Erträge jedoch trotzdem um fast neun Prozent.

In den beiden Top-Anbauländern Frankreich und Deutschland liegen die Anbauschätzungen des Landwirtschaftsministeriums (Agreste) und der deutschen Anbauverbände allerdings unter den von der Kommission unterstellten Rübenflächen.

Dennoch: Auch wenn der Flächenrückgang noch etwas stärker ausfallen sollte als von der EU-Kommission angenommen, wäre die Rübenmenge ertragsbedingt trotzdem größer als im vorigen Jahr. Das zeigt auch der Terminmarkt in London an und setzt die erwarteten Zuckerpreise deshalb nur wenig über dem derzeitigen sehr niedrigen Niveau an.

Markt bleibt auch 2019 gut versorgt

EU Zuckerproduktion

Auf der Grundlage der derzeitigen Flächen- und Ernteschätzungen von Zuckerrüben erwartet die EU-Kommission für das neue Wirtschaftsjahr eine europäische Zuckerproduktion von etwa 18,3 Mio. t. Das wären immerhin 0,7 Mio. t Weißzucker mehr als im Dürrejahr 2018.

Gleichzeitig würde diese Produktionsmenge knapp über dem europäischen Verbrauch von 18,1 Mio. t liegen. Allerdings schrumpft der Verbrauch nach Meinung der Kommision um 0,5 Mio. t gegenüber dem Vorjahr. Die Endbestände bleiben – bei gleichzeitig relativ stabilen Exporten – fast unverändert. Der Selbstversorgungsgrad der EU liegt damit über 100 Prozent.

Das alles sieht beileibe nicht nach einer Trendwende am Zuckermarkt und einer durchgreifenden Markterholung aus. Nach Meinung der europäischen Zuckerverbände geraten die Erzeuger und Verarbeiter in der EU noch aus einem anderen Grund unter Druck: Die Lieferungen aus Drittländern übersteigen mittlerweile den Bedarf in der EU. Künftig wird der Importbedarf in Folge des Brexit noch weiter absinken.

Zuckerpreise decken nicht die Kosten

Europäische Zuckerpreise

Die Zuckerpreise dümpeln am europäischen Binnenmarkt daher weiter auf historisch niedrigem Niveau vor sich hin. Auf ihrer Grundlage werden jedoch die Rüben bezahlt. In diesen Wochen entscheiden viele Landwirte bereits über den Rübenanbau im nächsten Jahr. Die Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten deutscher Anbauer bei Pflanzenschutzmitteln und Sonderprämien für den Rübenanbau und die sehr niedrigen Preise lassen einen weiteren Rückgang der Anbaufläche in 2020 befürchten.

Der letzte von der Europäischen Union für den Binnenmarkt gemeldete Zuckerpreis lag gerade einmal bei 314 Euro/t Weißzucker. Das ist nicht nur ein historischer Tiefstand, sondern das sind noch einmal 62 Euro weniger als im vorigen Jahr zum gleichen Termin.

Am europäischen Terminmarkt in London wurde der vordere Weißzucker-Kontrakt für den August mit 325 USD je Tonne (290 Euro) notiert. Das sind 15 USD weniger als vor vier Wochen und 45 USD weniger als zum Jahresbeginn. Der erste Kontrakt für die neue Ernte 2019 (Dezember) wird derzeit mit rund 340 USD je Tonne (304 Euro) gehandelt und damit nur wenig höher als jetzt.

Aber auch für die übernächste Ernte (2020) wird nur ein Preis von knapp 380 USD (339 Euro) je Tonne aufgerufen und damit deutlich weniger als zur Deckung der Kosten nötig ist. Die niedrigen Zuckerpreise können selbst bei den effizientesten Herstellern nicht die Produktionskosten decken, ist aus der Zuckerindustrie zu hören. Die Branche befindet sich in einer beispiellosen Krise.

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