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Zuckermarkt

Zuckerpreise erneut abgestürzt

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
18.12.2017

Am Weltmarkt und in Europa sind die Zuckerpreise im Dezember erneut abgestürzt. Zuvor hatten sich die Preise zunächst etwas von den vorausgegangenen Tiefs erholt.

In den letzten 4 Wochen brachen die Preise für Weißzucker am europäischen Terminmarkt jedoch erneut um gut 10 % ein. Am Weltmarkt stürzten die Preise für Rohzucker ebenfalls um 11 % nach unten und fielen dabei bis auf die vorigen Tiefstände zurück.

Ursache für den erneuten Preissturz sind die sich wieder verstärkenden Aussichten auf eine rekordhohe globale Zuckerernte in Verbindung mit hohen Produktions-Überschüssen und wachsenden Beständen. Auch in Europa wird nach dem Ende der Zucker-Quote mit der größte Zuckermenge seit mindestens 15 Jahren gerechnet oder sogar mit einem neuen Produktionsrekord.

Zuckerpreise fallen auf vorige Tiefs zurück

London Zuckerpreise

Am europäischen Terminmarkt in London waren die Preise für den dort gehandelten Weißzucker von Oktober 2016 bis September 2017 um fast 40 % auf ein 2-Jahrestief von knapp 360 USD je t gefallen.

Danach hatten sich die Preise dann in der Hoffnung auf eine möglicherweise doch etwas knappere Versorgung in Europa und am Weltmarkt wieder etwas erholt.

Bis Mitte November legten die Zuckerpreise in London um rund 13 % bis auf 401 USD (340 Euro) zu. Danach ging es jedoch wieder steil nach unten. Mitte Dezember wurde der Märzkontrakt für Weiß-Zucker in London nur noch mit 362 USD je t (307 Euro) gehandelt und damit nur wenig über dem letzten Tiefstand.

Auch für die nachfolgenden Termine wurden die Preiserwartungen deutlich nach unten korrigiert. So wurde der Maikontrakt  2018 nur noch mit 363 USD  notiert und der August mit 366 USD. Für die nächste Ernte (Dezember 2018) liegen die Preise am Terminmarkt bei 374 USD (317 Euro) und damit nicht viel höher.

Druck auf die Rübenpreise ist hoch

Der Preissturz bei Weißzucker hat natürlich Einfluss auf die Preise, die die Landwirte für ihre Zuckerrüben erhalten. Die Preismodelle der Zuckerindustrie für die Bezahlung der angelieferten Zuckerrüben gingen jedenfalls von deutlich höheren Zuckerpreisen aus.

Diese lagen im vorigen Wirtschaftsjahr 2016/17 im europäischen Mittel für Nahrungszucker (Quotenzucker) bei rund 490 Euro je t und für Industriezucker bei etwa 357 Euro je t. Die Kalkulationsmodelle der Zuckerindustrie für die Bezahlung der Rüben nach dem Ende der Quote gingen deshalb etwa von einem Zuckerpreis von rund 450 Euro je t aus.

Daraus ergaben sich je nach Preismodell Rübenpreise von 29 Euro bis knapp 34 Euro. Derzeit liegen die Zuckerpreise in London jedoch nur noch bei 362 USD bzw. umgerechnet 307 Euro je t. Damit wird der Zuckerpreis der ursprünglichen Kalkulation um etwa 30 % verfehlt und der Druck auf die am Ende wirklich gezahlten Rübenpreise dürfte beträchtlich sein.

Weltmarktpreise ebenfalls wieder abgestürzt

Weltmarkt Zucker

Am Weltmarkt war die Preisentwicklung ähnlich wie in Europa. Bislang gehen alle Analysten von einer globalen Rekordernte bei Zucker aus sowie einem erheblichen Produktionsüberschuss.

Am Terminmarkt in New York sind die Preise für den dort gehandelten Rohzucker Nr. 11 von Oktober 2016 bis Juni 2017 um fast 40 % auf knapp 13,61 US-Cent je Pound gefallen. Danach hatten sich die Preise ebenfalls wieder etwas erholt.

Bis Mitte November waren die Weltmarkpreise um 14 % bis auf 15,45 Cent je Pound gestiegen. Danach rauschten die Notierungen jedoch wieder nach unten. Mitte Dezember wurde der Märzkontrakt für Rohzucker Nr. 11 nur noch mit 13,66 Cent je Pound gehandelt und damit etwa auf dem letzten Tiefstand.

Auch für die nachfolgenden Termine wurden die Preiserwartungen erneut nach unten korrigiert. So wurde der Maikontrakt  2018 lediglich mit 13,76 Cent notiert und der Juli mit 13,79 Cent. Für die nächste Ernte (Dezember 2018) liegen die Preise bei 14,55 Cent und damit knapp 7 % höher als jetzt.

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