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Zuckermarkt

Zuckerpreise im freien Fall

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
05.03.2019

Die Zuckerpreise stürzen in Europa auf immer neue Tiefstände. Das bringt für Zuckerwirtschaft und Landwirte massive Probeleme.

Die aktuelle Preismeldung der Kommission zeigt einen weiteren kräftigen Preisrückgang. Auch am europäischen Terminmarkt in London sind die Kurse nach einer kurzen Zwischenerholung wieder gefallen. Dabei fällt die Zuckerproduktion aus der letzten europäischen Ernte sogar kleiner aus als zunächst erwartet. Bei den europäischen Zuckerproduzenten hinterließ die extreme Witterung des Jahres 2018 nämlich deutliche Spuren.

Dennoch übersteigt auch die nach unten korrigierte Produktion die innereuropäischen Verwertungsmöglichkeiten. Im Wirtschaftsjahr 2017/18 erreichte die erzeugte Zuckermenge den Rekordwert von 21,3 Mio. t. Für die zurückliegende Ernte 2018/19 meldet die Kommission eine Produktion von 18,2 Mio. t. Das ist immerhin ein Rückgang der Erzeugung von 15 Prozent. Dennoch wird der europäische Bedarf von etwa 17,7 Mio. t noch immer deutlich übertroffen.

Immer neue historische Tiefpreise

Zuckerpreise EU

Der letzte für den europäischen Binnenmarkt gemeldete Weißzuckerpreis lag im Dezember nur noch bei 314 Euro je t. Für die großen westeuropäischen Produzenten Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und das Vereinigte Königreich wurden noch niedrigere Durchschnittspreise von gerade einmal 300 Euro je t ermittelt.

Damit bewegen sich die europäischen Zuckerpreise auf historischen Tiefstständen. Der dramatische Preisverfall verschlechtert die wirtschaftliche Situation der Zuckerindustrie drastisch und führte bereits zu Werksschließungen.

Auch die Rübenpreise geraten mit dem Verfall der Zuckerpreise immer mehr unter Druck. Vor zwei Jahren hatte die Zuckerwirtschaft bei den abgeschlossenen Rübenverträgen noch mit Zuckerpreisen von deutlich über 400 Euro kalkuliert. Im August 2017 lag die europäischen Weißzuckerpreise sogar bei 500 Euro je t. Diese Preise werden mittlerweile um 40 Prozent (!!!) unterboten.

Terminmarkt sieht kaum Luft nach oben

Zuckerpreise London

Der sogenannte Referenzpreis für eine mögliche Auslöseschwelle von Hilfsmaßnahmen - wie etwa der Privaten Lagerhaltung - liegt bei 404 Euro je t. Dieser Wert wird seit Dezember 2017 unterschritten. Im Dezember 2018 war der Marktpreis mit 314 Euro sogar ein Drittel niedriger als der Referenzpreis. Und die Aussichten auf eine Preiserholung sind nicht gut.

Am europäischen Terminmarkt stehen die Preise nach einer Zwischenerholung ebenfalls wieder unter Druck. Nachdem die Kurse bis Mitte Februar auf etwa 360 USD je t (317 Euro) gestiegen waren, ging es im März wieder auf 341 USD je t (300 Euro) nach unten. Damit sind die Kurse nur 31 USD vom historischen Preistief im August des vorigen Jahres entfernt.

Für die nächste Ernte 2019/20 erwartet der Terminmarkt derzeit nur eine leichte Erholung der Preise. Der Kontrakt für den Dezembertermin 2019 wird mit 359 Euro/t (316 Euro) gehandelt und ist damit gerade einmal 20 USD höher als der aktuelle Preis.

Indien subventioniert Zuckerindustrie

Ähnlich wie in Europa ist die Entwicklung der Weltmarkpreise. Dort drückten Prognosen für reichlich Regen beim größten Exporteur Brasilien ebenfalls auf die die Kurse. Hinzu kommt, dass die indische Regierung angekündigt hat, Darlehen in Höhe von 1,5 Mrd. USD an indische Zuckermühlen und -raffinerien auszugeben. Das dürfte die dortige Zuckerproduktion und den Export ankurbeln.

Auf der anderen Seite dürften die wieder gestiegen Rohölpreise auch die Ethanolpreise (aus Zuckerohr) mittelfristig stützen und damit die brasilianische Verwertung von Zuckerrohr auf die Ethanolerzeugung umlenken.

Die Internationale Zuckerorganisation (ISO) hatte am Montag ihre Schätzung des globalen Zuckerüberschusses für 2018/19 auf 641.000 t von zuvor 2,2 Mio. t gesenkt. Grund war die niedriger erwarteten Produktionsmengen in Brasilien und in der Europäischen Union.

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