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Zuckermarkt und Zuckerpreise

Zuckerpreise klettern auf 5-Monatshoch

Zuckerfabrik
am Mittwoch, 06.11.2019 - 13:51 (Jetzt kommentieren)

Die Zuckerpreise sind am Terminmarkt in London auf den höchsten Stand seit 5 Monaten gestiegen.

Hintergrund sind Meldungen aus Indien, über einen drastischen Produktionsrückgang.

Auch am EU-Binnenmarkt haben sich die Zuckerpreise zuletzt ganz leicht erholt – auch wenn das Niveau weiterhin sehr niedrig ist.

Indiens Produktion bricht ein

Zuckerpreise London

Am Terminmarkt in London sind Zuckerpreise für den Dezemberkontrakt am Dienstag auf 348 USD je Tonne (311 Euro) gestiegen. Das ist der höchste Zuckerpreis seit Anfang Juni – als die Kurse über 350 USD lagen. Für die nächste Ernte bewegten sich die Preise am Terminmarkt ebenfalls weiter nach oben – auf zuletzt 358 USD je Tonne (320 Euro).

Ursache für den Preisanstieg waren Meldungen aus Indien, dem zweitgrößten Zuckerproduzenten der Welt, über einen deutlichen Rückgang der Zuckerproduktion. Die Indian Sugar Mills Association (ISMA) hatte am Dienstag prognostiziert, dass die Zuckerproduktion von 33,2 Mio.Tonnen im Wirtschaftsjahr 2018/19 auf ein 3-Jahrestief von 26,9 Mio.Tonnen im Wirtschaftsjahr 2019/20 sinken wird. Das wäre ein drastischer Rückgang um 19 Prozent.

Indiens National Federation of Sugar Factories erwartet, dass die indische Zuckerproduktion für 2019/20 mit 26,0 bis 26,5 Mio.Tonnen sogar noch niedriger ausfallen könnte, was einem Rückgang von 20,7 Prozent gegenüber 2019/18 entspricht.

Aktuelles Defizit ist noch größer

Ein weiterer preisstützender Faktor war die mögliche Vergrößerung des weltweiten Zuckerdefizits im Zeitraum 2019/20. Die US-Analysten-Firma INTL FCStone schätzte die Lücke zwischen Verbrauch und Produktion jetzt auf 7,7 Mio. Tonnen, im Vergleich zu 5,9 Mio. Tonnen bei der vorigen Prognose. Ursache sind die Produktionskorrekturen in Asien.

Die Zuckerpreise werden außerdem durch die aktuelle Stärke des brasilianischen Reals gestützt, der knapp unter seinem-Monatshoch vom vorigen Donnerstag notiert. Die Aufwertung der brasilianischen Währung wirkt sich negativ auf die Exportverkäufe der brasilianischen Zuckerproduzenten aus und stützt den globalen Zuckerpreis.

Analysten geben bärischen Ausblick

Zucker verladen

Ein bärischer Faktor für die Zuckerpreise war hingegen die Prognose der Zucker-Analysten von S & P Global Platts vom vorigen Mittwoch. Die Experten erwarten, dass der globale Zuckermarkt von einem Defizit von 5,96 Mio. Tonnen im Jahr 2019/20 auf einen Überschuss von 600.000 Tonnen im Wirtschaftsjahr 2020/21 zurückkehren wird.

Platts geht davon aus, dass der globale Zuckerüberschuss zurückkehren wird, weil die Zuckerproduktion im Jahresvergleich um 5,2 Prozent auf 186,0 Mio. Tonnen steigt. Ursachen hierfür sind größere Produktionsmengen in Indien, Brasilien, der EU und in Russland.

Der Bericht der brasilianischen Industrievereinigung Unica vom 24. Oktober war ebenfalls bärisch für die Zuckerpreise. Die brasilianischen Zuckerfabriken in der Hauptproduktionsregion Mitte-Süd haben in der 1. Oktoberhälfte 1,91 Mio. Tonnen Zucker produziert, was über den Schätzungen von 1,68 Mio. Tonnen lag. Insgesamt stieg die Zuckerproduktion der Mitte-Süd-Region bis Mitte Oktober um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 23,71 Mio. Tonnen.

Leichte Erholung der EU-Zuckerpreise

Zuckerrüben Ernte

Ein bärischer Faktor für die Londoner Weißzuckerpreise ist eine große Longposition der Fonds. Die Commitment of Traders-Daten (COT) vom vergangenen Freitag zeigten, dass Fonds ihre Long-Positionen beim London-Zucker in der Woche zum 29. Oktober um 1.232 Stück auf ein 8-Monats-Hoch von 4.454 ausgeweitet haben, was den langfristigen Liquidationsdruck erhöhen dürfte.

Am europäischen Binnenmarkt sind die Zuckerpreise zuletzt moderat gestiegen. Die EU-Kommission meldet für den Monat September  Durschnittspreise von 328 Euro je Tonne Weißzucker – ein Anstieg um  8 Euro gegenüber dem August.

Im Vergleich zum vorigen Jahr sind die Zuckerpreise damit jedoch rund 20 Euro niedriger. Die Preise für die Erfassungsregion 2 – der Deutschland und Frankreich angehören -  liegen  nur bei 316 Euro je Tonne.

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