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Zuckermarkt und Zuckerpreise

Zuckerpreise steigen auf 10-Jahreshoch – Kommt jetzt die Zuckerkrise?

Berg aus Zuckerrüben
am Freitag, 16.09.2022 - 10:19 (1 Kommentar)

Die europäischen Zuckerpreise stiegen am Donnerstag auf ein 10-Jahreshoch. Der auslaufende Oktoberkontrakt am europäischen Terminmarkt in London wurde mit 622 USD je Tonne gehandelt. Wird in Europa jetzt der Zucker knapp?

Zuckerpreise.

Die nachfolgenden Termine sind allerdings wieder etwas günstiger und notierten zwischen 500 und 550 USD je Tonne. Viele Analysten und Händler wurden von dem steilen Anstieg der europäischen Zuckerpreise überrascht – obwohl die Preise schon seit etwa Ende August nach oben gehen.

Seltsam ist auch, dass die Zuckerpreise am Weltmarkt zwar auch gestiegen sind. Aber lange nicht so stark wie in Europa. So lagen die Preise für den globalen Benchmark-Zucker in New York für den Oktobertermin bei 18,18 Cent je Pound. Das ist zwar ein Cent mehr als im August, jedoch deutlich weniger als im Mai, als die Preise bei 20,50 Cent lagen und zu diesem Zeitpunkt den höchsten Stand seit 10 Jahren erreicht hatte.

Auch am physischen Markt folgen die Preise den Vorgaben der Börse nicht in gleichem Tempo. Zwar sind die Zuckerpreise am europäischen Binnenmarkt zuletzt ebenfalls gestiegen und etwa 15 % höher als im vorigen Jahr – jedoch mit gut 450 Euro je Tonne noch weit von den Börsenpreisen entfernt.

Die Terminmarkpreise für die kommenden Monate zeigen mit 500 bis 550 USD je Tonne dennoch einen deutlichen Preisanstieg an.

Die Gründe für den Preisanstieg in Europa

Zuckerpreise.

Analysten begründen den steilen Anstieg der Oktoberpreise auf 622 USD je Tonne unter anderem mit dem starken Short-Covering der Fonds und Großanleger am europäischen Zuckermarkt in London vor dem Ablauf des Oktober-Kontrakts am Donnerstag. Am gleichen Tag gaben die Zuckerpreise in New York aufgrund der Schwäche des Rohöls und wegen des schwachen brasilianischen Reals sogar nach.

Rohöl fiel am Donnerstag um mehr als 3 %, was für Ethanolpreise (aus Zuckerrohr) und für Zucker eigentlich negativ ist. Am Dienstag hatte der Zucker in New York allerdings ein 4-Wochen-Hoch erreicht.

In Europa ist die für 2022/23 erwartete Produktionsmenge indessen deutlich kleiner als im vorigen Jahr, was die Preise bereits nachhaltig gestützt hat. So geht die Kommission davon aus, dass das heiße und trockene Wetter in der Europäischen Union, dem drittgrößten Zuckerproduzenten der Welt, zu geringeren Zuckerrübenerträgen und einer geringeren Zuckerproduktion führen wird.

Die Kommissionsschätzung liegen derzeit bei 15,8 Millionen Tonnen Zuckerproduktion, im Vergleich zu 16,65 Millionen im vorigen Jahr. Das ist ein Rückgang von knapp 1 Millionen Tonnen oder reichlich 5 %.

Die Analysten der Czarnikow-Gruppe prognostiziert eine Zuckerproduktion in der Europäischen Union 27 und im Vereinigten Königreich zusammen von insgesamt 16,4 Millionen Tonnen, was ebenfalls 1 Millionen Tonnen weniger wären als im Vorjahr.

Das bedeutet auch, dass die EU möglicherweise mehr Zucker als erwartet importieren muss. Die Kommission rechnete für die EU 27 zuletzt mit realtiv stabilen Einfuhren von 2,15 Millionen Tonnen und mit Exporten von immerhin 3,6 Millionen Tonnen. Das dürfte sich wohl noch ändern.

Weniger Zucker in Brasilien – Folgen für den Weltmarkt

Ein weiterer unterstützender Faktor für Zucker war die Mitteilung der brasilianischen Agrarbehörde Conab am 19. August, seine Schätzung für die brasilianische Zuckerernte 2022/23 von der April-Prognose von 40,3 Millionen Tonnen auf 33,9 Millionen Tonnen zu senken. Ursache sind geringere Pflanzungen und schlechtere Zuckerrohrerträge.

Der Schritt des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro, die Steuern auf Kraftstoffe, insbesondere Benzin, stark zu senken, hat jedoch die Gewinnspannen von Ethanol gedrückt und wird voraussichtlich dazu führen, dass Mühlen den Biokraftstoff meiden und sich wieder stärker auf Zucker konzentrieren. Die derzeitige Schwäche der brasilianischen Ethanolpreise wirkt sich auch negativ auf die Zuckerpreise aus.

Der Verband der brasilianischen Zuckerindustrie Unica hat berichtet, dass die Zuckerernteproduktion in Brasiliens Hauptregion Mitte-Süd im Wirtschaftsjahr 2022/23 bis zum August im Jahresvergleich um 10,5 % auf 21,77 Millionen gesunken war.

Auf der anderen Seite bestätigte die indische Regierung am 5. August, dass sie weitere 1,2 Millionen Tonnen Zuckerexporte für das am 30. September endende Wirtschaftsjahr zulassen würde. Das käme zu der derzeitigen Quote von 10 Millionen Tonnen noch hinzu.

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