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Zuckerrüben: Ernte 2021 bringt bessere Erträge und höhere Preise

Verladung von Zuckerrüben
am Mittwoch, 29.12.2021 - 13:10 (Jetzt kommentieren)

Die europäischen Rübenbauern dürfen sich neben guten Erträgen auf höhere Preise für die Zuckerrübenernte 2021 freuen.

Den Hintergrund bildet eine deutliche Erholung der Zuckerpreise am Weltmarkt. An der Börse in New York ist der Zucker-Future No. 11 im Laufe des Jahres von 16 bis zeitweise über 20 US-Cent je Pound gestiegen. Zurzeit werden noch immer rund 19 US-Cent notiert, was umgerechnet einem Weißzuckerpreis von etwa 530 Euro je Tonne frei Europäische Union bedeutet.

Vergleicht man den Verlauf des Zucker-Futures und den des daraus abgeleiteten Weißzuckerpreises, erkennt man deutliche Parallelen. Dennoch ist es für einen marktgerechten Preis schädlich, dass es in Europa keine offizielle, transparente Notierung für den Zuckerpreis gibt. Die zeitversetzte Veröffentlichung der Marktpreise durch die Europäische Kommission und die Notierung an der Londoner Liffe werden der Sache nicht gerecht.

Zuckervorräte weltweit auf niedrigem Niveau

Die letzten Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) vom November 2021 zeigen weltweit sinkende Vorräte an Zucker. Das Verhältnis der Endbestände zum Verbrauch (Stock to Use Ratio) ist auf 26 % zurückgegangen.

Insbesondere die Zuckerproduktion in Brasilien kam durch widrige Witterungsverhältnisse, eine Dürre und durch die Umlenkung von Zucker in den Ethanolmarkt unter die Räder. Brasilien wird im Wirtschaftsjahr 2021/22 voraussichtlich nur etwa 25 Mio. t Zucker exportieren können.

Indien will künftig weniger Zucker auf den Weltmarkt exportieren

Grafik Nettoexporteure von Zucker

Auch Indien, das in den letzten Jahren mit seinen Überschüssen auf den Weltmarkt drückte, wird den Markt mit niedrigeren Ausfuhren bedienen, weil unter anderem größere Mengen zu Ethanol verarbeitet werden. Künftig plant Indien, seinen überschüssigen Zucker verstärkt zu Ethanol für den inländischen Bedarf bereitzustellen. Damit dürften die in den vergangenen Jahren störenden indischen Exporte auf dem Weltmarkt weitgehend der Vergangenheit angehören.

Ganz anders sieht es in Thailand aus. Die thailändische Zuckerproduktion soll im Wirtschaftsjahr 2021/22 wieder deutlich steigen und damit höhere Ausfuhren erlauben. Insgesamt wird vom Weltmarkt her jedoch kein zusätzlicher Druck auf die Zuckerpreise erwartet, so dass das Preisniveau in der Europäischen Union maßgeblich vom Binnenmarkt selbst beeinflusst werden wird.

Europa ist nur sehr knapp mit Zucker versorgt

Zucker Versorgungsbilanz der EU

Die vom USDA gemeldeten Zahlen für die Europäische Union zeigen eine sehr knappe Zuckerversorgungsbilanz. Die geschätzten Vorräte von knapp einer 1 Mio. t sind extrem niedrig. Die Belieferung der Süßwarenhersteller erfolgt quasi von der Hand in den Mund. Die EU ist Zuckerimporteur und damit zur Bedarfsdeckung auf Lieferungen vom Weltmarkt angewiesen.

Insbesondere die südeuropäischen Länder machen von Einfuhren aus zollfreien Drittstaaten Gebrauch. Dies entlastet die Überschussproduzenten in Westeuropa, so dass diese im Verlauf des Jahres die Preisforderungen gegenüber ihren Abnehmern auf deutlich über 500 Euro je Tonne Weißzucker erhöhen konnten.

Landwirte dürfen bessere Rübenpreise erwarten

In der EU hat die Rübenanbaufläche zur Ernte 2021 geringfügig abgenommen. Die Erträge konnten jedoch witterungsbedingt und durch den zum Teil wieder zulässigen Einsatz von diversen Pflanzenschutzmitteln steigen. Trotz der – ebenfalls witterungsbedingt – niedrigeren Zuckergehalte wird die Zuckergesamternte somit gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich steigen, was aber zu keinen Überschüssen auf dem Binnenmarkt führen wird.

Die europäischen Rübenbauern dürfen sich daher neben den guten Erträgen auf höhere Preise für die Zuckerrübenernte 2021 verglichen mit den Vorjahren freuen. Ob die Zuckerrübenpreise das Niveau der aus dem abgeleiteten Weißzuckerpreis resultierenden Erzeugerpreise erreichen, ist noch offen. In jedem Fall ist der europäische Zuckermarkt von einem funktionierenden freien Markt weit entfernt. Ein sachgerechter Terminkontrakt, wie er für Getreide, Raps und Kartoffeln verfügbar ist, wäre für europäischen Zucker wünschenswert, um langfristig für alle Beteiligten einen rentablen Zuckerrübenanbau in der EU zu sichern.

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