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Deutschland / EU

Zuckerrüben: Rekordernte und Preisdruck

am Mittwoch, 21.02.2018 - 16:25 (Jetzt kommentieren)

Die Erntemenge von Zuckerrüben hat in Deutschland nach dem Quotenende eine neue Rekordmarke erreicht. Auch die aus den Rüben erzeugte Menge an Rohzucker dürfte auf ein neues Allzeithoch steigen.

Ähnlich wie in Deutschland ist auch die Situation bei unseren französischen Nachbarn, dem größten europäischen Zuckerproduzenten. Auch dort übertrifft die Produktion bei Zuckerrüben und bei Rohzucker alle bisher erreichten Rekordmarken.

Nach den vorläufigen Hochrechnungen der Kommission, wächst auch die europäische Produktion von Rohzucker sehr kräftig auf mindestens 20,6 Mio. t. Damit würde die größte Zuckermenge seit Einführung der Zuckerquote (2005/06) auf den Markt drücken.

Dieser sehr kräftige Produktionszuwachs spiegelt sich auch in den Preisen für Weißzucker am europäischen Terminmarkt in London wider. Dort bewegen sich die Kurse derzeit bei 360 USD je t (290 Euro) und damit etwa 30 % unter dem Vorjahreswert und weit unter den Kalkulationspreisen, die ursprünglich bei den Preismodellen der Zuckerindustrie zu Grunde gelegt wurden.

Flächenausweitung und Rekorderträge bei Zuckerrüben

Rübenproduktion Deutschland

Im Februar meldete das Statistische Bundesamt für Deutschland eine Erntemenge bei Zuckerrüben von 34,1 Mio. t. Damit würde die Vorjahresproduktion von 24,5 Mio. t um rund ein Drittel übertroffen.

Auch die bisherige Rekordernte aus dem Jahr 2014 von 29,6 Mio. t Zuckerrüben würde um etwa 15 % überflügelt. Voraussetzung für die sehr große Produktion sind die hohen Erträge. Diese erreichen nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes mit durchschnittlich 837,5 dt/ha eine neue Rekordmarke.

Die gesamte Rübenfläche (alle Verwendungen) wird mit 406.700 ha angegeben und befindet sich auf dem höchsten Stand seit  dem Jahr 2005, also vor der Einführung der Zuckerquote.

So viel Zucker wie noch nie

Zucker Deutschland

Die ausschließlich für die Produktion von Zucker genutzte Rübenfläche lag bei 375.000 ha. Im Vergleich zum vorigen Jahr hat die Rübenfläche für die Zuckerproduktion damit um 21 % bzw. 65.000 ha zugenommen.

Die auf der Grundlage der Anbaufläche und Erntemenge von der Europäischen Kommission für Deutschland ermittelte Produktion von Zucker liegt für das  aktuelle Wirtschaftsjahr 2017/18 bei 4,97 Mio. t. Das wäre die bislang mit Abstand größte in Deutschland erzeugte Zuckermenge.

Die Vorjahresproduktion von 3,6 Mio. t würde um knapp 40 % übertroffen. Auch der bisherige Produktionsrekord aus dem Jahr 2014 von etwa 4,5 Mio. t würde um mehr als 10 % bzw. 0,5 Mio. t getoppt. Die für Deutschland während der Zuckerquote erlaubte Produktionsmenge (Quotenzucker) lag nur bei 2,9 Mio. t.

Rekordernte auch in Frankreich

Rübenernte Frankreich

Eine ähnliche Situation wie in Deutschland findet man in Frankreich. Dort wurde die Anbaufläche für Zuckerrüben auf einen neuen Rekordwert von 486.000 ha ausgeweitet. Damit werden auch die Rübenflächen der Zeit vor Einführung der Quote übertroffen. Für die Produktion von Zucker werden in Frankreich etwa 450.800 ha verwendet.

Im Vergleich zum vorigen Jahr hat die Rübenfläche für die Zuckerproduktion damit um 20 % bzw. 75.000 ha zugenommen und erreicht ebenfalls einen neuen Rekordwert. Die Rübenerträge liegen nach Angaben des französischen Landwirtschaftsministeriums bei sehr hohen 942 dt je ha und bleiben damit nur knapp unter der bisherigen Rekordmarke von 961 dt je ha aus dem Jahr 2011.

Wegen der stark ausgeweiteten Anbaufläche erreicht die Produktion von Zuckerrüben jedoch einen absoluten Spitzenwert von 45,8 Mio. t. Das bisherige Rekordergebnis aus dem Jahr 2011 von 38,1 Mio. t, wird mit der aktuellen Ernte um 20 % übertroffen.

Zuckerberg in Frankreich

Die auf der Grundlage der Anbaufläche und der Erntemenge von der Europäischen Kommission für Frankreich ermittelte Produktion von Zucker liegt bei 5,96 Mio. t (ohne die Produktion der Überseegebiete). Das wäre auch in Frankreich die bislang größte jemals erzeugte Zuckermenge.

Die Vorjahresproduktion von 4,1 Mio. t würde damit um etwa 44 % übertroffen. Auch die bislang größte Zuckermenge aus dem Jahr 2011 von 4,8 Mio. t (ohne die Produktion der Überseegebiete) würde um 21 % bzw. 1,2 Mio. t getoppt.

Die für Frankreich während der Zuckerquote erlaubte Produktionsmenge (Quotenzucker) lag bei 3,4 Mio. t.

Zuckerpreise 30 % unter dem Vorjahr

London Zucker

Das deutlich gewachsene Angebot spiegelt sich auch in der Entwicklung der Zuckerpreise und wohl ebenso in den Auszahlungspreisen für die Zuckerüben wider. Am europäischen Terminmarkt in London sind die Zuckerpreise (Weißzucker) in den letzten 12 Monaten um rund 30 % gefallen.

Mitte Februar liegen die Kurse knapp unter der Marke von 360 USD je t (derzeit 290 Euro je t). Ein Jahr zuvor wurden zum gleichen Termin Zuckerpreise von 515 USD je t (415 Euro) notiert. Auch für die kommenden Monate bewegen sich die Kontraktpreise nur um die Marke von 360 USD je t.

Für die nächste Ernte (2018) werden derzeit Zuckerpreise von 365 USD  (294 Euro) erwartet. Erst danach steigen die Notierungen bis August 2019 wieder bis auf 385 USD je t (310 Euro) an. Aber auch diese Preise sind weit von dem Niveau der Jahre 2016 und 2017 entfernt.

Druck auf die Rübenpreise

London Jahre

Der Preissturz bei Weißzucker hat natürlich auch Einfluss auf die Preise, die die Landwirte für ihre Zuckerrüben erhalten. Die Preismodelle der Zuckerindustrie für die Bezahlung der angelieferten Zuckerrüben gingen jedenfalls von deutlich höheren Zuckerpreisen aus.

Diese lagen im vorigen Wirtschaftsjahr 2016/17 im europäischen Mittel für Nahrungszucker (Quotenzucker) bei etwa 490 Euro je t und für Industriezucker bei etwa 357 Euro je t. Die Kalkulationsmodelle der Zuckerindustrie für die Bezahlung der Rüben nach dem Ende der Quote gingen deshalb etwa von einem Zuckerpreis von 450 bis 470 Euro je t aus.

Daraus ergaben sich je nach Preismodell Rübenpreise von knapp 30 Euro bis knapp 34 Euro. Derzeit liegen die Zuckerpreise in London jedoch nur noch bei 360 USD bzw. umgerechnet 290 Euro je t. Damit wird der Zuckerpreis der ursprünglichen Kalkulation um etwa 35 % verfehlt und der Druck auf die am Ende wirklich gezahlten Rübenpreise dürfte beträchtlich sein.

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