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Tierwohl

Aldi: 40 % der verkauften Milch kommt aus Haltungsform 3 und 4

Milch aus dem Kühlregal
am Donnerstag, 01.12.2022 - 05:00 (7 Kommentare)

Der Discounter meldet eine hohe Nachfrage nach Milch aus der Haltungsformen „Außenklima“ und „Premium“. Was das für Landwirte bedeutet.

Es ist nicht bekannt, ob bei Aldi die Sektkorken geknallt haben oder ob mit einem Glas Milch angestoßen wurde. Deutschlands größter Discounter meldet, dass inzwischen 40 Prozent der verkauften Frischmilch aus den Haltungsformen 3 und 4 stammen. Aldi hatte unter dem Hashtag „Haltungswechsel“ im letzten Jahr angekündigt, bis 2030 100 Prozent der Milch aus den Haltungsformen 3 und 4 zu beziehen und anzubieten.

Was bedeutet die Haltungsformen 4?

Hinter der Haltungsform-Kennzeichnung verbirgt sich der Wunsch, dass der Verbraucher bewusster einkauft. Er soll schnell entscheiden können, welche Produkte er mit welcher Herkunft in seinen Einkaufswagen legt. Die Haltungsform-Kennzeichnung ist dabei kein Tierwohllabel.

Es gibt vier Stufen, wobei eine höhere Ziffer besser sein soll - anders als bei Schulnoten.

  • die Haltungsform 1 bedeutet für Milchvieh möglichst Laufstallhaltung,
  • die 2 Laufstallhaltung mit Weidegang bzw. Laufhof an mindestens 120 Tagen,
  • die 3 ganzjährige Laufstallhaltung mit Weidegang bzw. Laufhof und
  • 4 ganzjährige Laufstallhaltung mit Weidegang bzw. Laufhof, Anbindung ist hier nicht erlaubt.

2021 war die Laufstallhaltung laut Destatis mit einem Anteil von 83 Prozent aller Haltungsplätze die vorherrschende Haltungsform. Bei 10 Prozent waren die Rinder in Anbindehaltung untergebracht.

Landwirte und Tierschützer reagieren unterschiedlich auf Aldi

Aldis Engagement trifft auf gemischte Reaktionen. Tierschützer begrüßen den Vorstoß. So wurde die Initiative von Aldi mit dem „Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte 2022“ ausgezeichnet. Demgegenüber hat der Bayerische Bauernverband den Haltungswechsel als „Tierwohl-Inszenierung“ bezeichnet. „Leider knausert ALDI, wenn es darum geht den Tierhaltern für den deutlichen Mehraufwand auch mehr zu zahlen und schadet damit bäuerlichen Existenzen“, hieß es vom BBV bereits im Frühjahr.

Preise für Milch spiegeln nicht die Wertschätzung und Kosten

Aldi hatte im Sommer die Preise für Milch massiv erhöht. Und auch Landwirte bekommen mehr für ihre Milch; im Herbst 2022 lag der Preis mehr als 50 Prozent über dem Vorjahresmonat. Doch demgegenüber stehen sehr hohe Produktionskosten. Selbst bei einem Preis jenseits der 50 oder sogar 60 Cent pro Liter fressen Energie und Transport die Margen auf.

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