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Milchmarkt

Aldi könnte Preise für Trinkmilch wieder drastisch senken

Pappkarton mit Milchpackungen
am Donnerstag, 22.10.2020 - 17:28 (1 Kommentar)

Nachdem Aldi Nord und Aldi Süd in den letzten Monaten bis zu 8,5 Cent mehr an die Lieferanten zahlten als die Konkurrenz, könnten die Preise jetzt wieder deutlich sinken. Dies würde sich auch auf die übrigen Discounter auswirken.

Bei der Festlegung der Preise für den Zeitraum von November 2020 bis April 2021 habe Aldi lediglich die Angebote der Molkereien gesichtet und die Preise sowie die Lieferzeitpunkte und -mengen zugewiesen. Nach Angaben der Lebensmittel Zeitung (dfv Mediengruppe) fanden klassische Kontraktverhandlungen diesmal nicht statt.

Der vor einem halben Jahr vereinbarte Preisaufschlag für Trinkmilch von 5 Cent pro Liter wird von Aldi also nicht fortgesetzt. Damit dürfte der Preis mindestens um die Höhe des Aufschlages nach unten gedrückt werden.

Bauernproteste hatten nur kurzzeitige Wirkung

Transparent "Milch ist ihren Preis wert" neben Aldi-Logo

Von Bauernprotesten und politischem Druck waren die Kontraktverhandlungen im Frühjahr 2020 geprägt. Nach einem Spitzengespräch mit dem Deutschen Bauernverband (DBV) gaben Aldi Nord und Aldi Süd nach und führten im Mai den Preisaufschlag von 5 Cent ein. Weitere Konzerne zogen nicht nach.

Damals verkündeten Christoph Schwaiger von Aldi Süd und Jürgen Schwall von Aldi Nord, dass die beiden Discounter damit höhere Preise zahlen würden als vom Markt vorgegeben. Ziel sei es gewesen, die Landwirte zu unterstützen – und den Preisaufschlag nicht an die übrige Wertschöpfungskette weiterzugeben.

Verhalten von Lidl, Edeka und Rewe sorgte bei Aldi für Frust

Ein dauerhaftes Einpendeln des Trinkmilchpreises auf höherem Niveau sei ohne Unterstützung der anderen Konzerne laut Aldi nicht möglich gewesen. Für Frust sorgte zusätzlich, dass die Konkurrenten im letzten halben Jahr die Preise sogar gesenkt hätten, berichtet die Lebensmittel Zeitung. Der Unterschied zum niedrigsten Einkaufspreis der Konkurrenz habe zuweilen 8,5 Cent betragen.

Unter diesen Umständen sei es für Aldi nicht möglich gewesen, als einzige Unternehmen über den aktuellen Kontraktzeitraum hinaus höhere Preise zu bezahlen. Dabei habe auf dem Weltmarkt die Nachfrage zuletzt zugenommen und die Milchmengen deutscher Erzeuger nahmen im Herbst ab.

Kaufland gibt Abwärtstrend schon mal vor

Aktuell biete Kaufland für 97 Cent Deutsche Markenbutter an - anstatt 1,34 Euro. Diese Aktion am Ende des Kontraktzeitraums rufe Unverständnis hervor, so die Lebensmittel Zeitung. 

Bei Aldi stünden demnächst auch Eigenmarken bei Sahne-, Quark- und Crème fraîche-Produkten unter Preisdruck. Hier hätten die Aldi-Einkäufer marktübliche Abschlüsse getroffen. Da die Preisveränderungen normalerweise auf die Verbraucher übertragen werden, sei damit zu rechnen, dass sich im November die Preise wieder auf dem Vorjahresniveau befinden. In der Folge seien Anpassungen der anderen Discounter zu erwarten. 

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