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Bayern MeG fordert EU-weites Reinheitsgebot für Milchaustauscher

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Josef Koch, agrarheute
am
23.01.2018

Nach Auffassung von Markus Seemüller, Geschäftsführer der Bayern MeG, kann ein EU-weites Reinheitsgebot für Milchaustauscher helfen, drohende Überschüsse am Milchmarkt zumindest zu lindern. agrarheute hakt nach.

Die Preise für Milchpulver sind seit Monaten am Boden. Wesentlicher Grund dafür sind die hohen Lagerbestände an Magermilchpulver in der EU. Alleine in der Intervention liegen derzeit über 378.000 t. Und ab März beginnt der neue Interventionszeitraum.

Schon jetzt haben die Magermilchpulverpreise das feste Interventionspreisniveau unterschritten. Brüssel will zudem nur die günstigsten Angebote zur Intervention zulassen. In den nächsten Monaten könnten daher die Preise für Magermilchpulver weiter unter Druck bleiben. Doch erstaunlicherweise findet sich im Milchaustauscher kaum Eiweiß und Fett aus der Milch. Stattdessen kommen im Wesentlichen Pflanzenöle wie Palm- oder Kokosöl zum Einsatz.

Rund 200.000 t pflanzliche Öle im Milchaustauscher

Seemüller-Markus, Geschäftsführer Bayern MeG

agrarheute: Herr Seemüller, wie hoch schätzen Sie die Menge an Pflanzenölen im Milchaustauscher?

Seemüller: Nach Informationen der FEFAC, dem Verband der europäischen Futtermittelhersteller, wurden im Jahr 2015 in der EU insgesamt etwa 1,2 Mio. t Milchaustauscher  hergestellt. Den überwiegenden Teil der Fettbestandteile haben die Hersteller dabei durch Palmöl abgedeckt, in geringerem Umfang auch durch Kokosöl. Rechnet man diese Zahlen grob um, ergab sich alleine im Jahr 2015 ein Bedarf an pflanzlichem Fett von ca. 200.000 t, um Milchaustauscher in der gesamten EU herzustellen.

agrarheute: Liegt es daran, dass pflanzliche Öle sogar noch günstiger sind als Milchpulver, obwohl auch die Preise für Milcheiweiß am Boden liegen und das Milchfett relativ teuer ist? 

Seemüller: Ich gehe immer davon aus, dass die einzelnen Landwirte betriebswirtschaftlich rational handeln. Für den gesamten Milchmarkt ist das aber kontraproduktiv.

agrarheute: Warum? 

Seemüller: Der Milchmarkt befindet sich gegenwärtig in einem großen Ungleichgewicht. Da kommt die Frage auf, ob es nicht sinnvoll ist, pflanzliche Öle aus Übersee oder aus den Tropen, die nicht zuletzt immer häufiger kritisch aufgrund der nicht nachhaltigen Anbaubedingungen gesehen werden, im Milchaustauscher durch Milchfett zu ersetzen – oder noch besser, die Kälber direkt mit Kuhmilch zu füttern.

Kurzum: Es ist irrational, dass einerseits die Milchbauern in Europa immer wieder aufgrund des Überangebots an Milch mit Preiskrisen zu kämpfen haben und andererseits pflanzliche Öle aus Übersee in vielen europäischen Kälbermägen landen.

EU-weites Reinheitsgebot kann Milchaustauscher kurzfristig verteuern

agrarheute: Was muss sich ändern?

Seemüller: Es wäre höchste Zeit, dass Interessenverbände und Agrarpolitiker dieses Thema auf die Agenda setzen. Dabei muss man aber in jedem Fall darauf achten, dass ein Reinheitsgebot für Kälbermilch EU-weit umgesetzt wird. Ein EU-weites Reinheitsgebot für Kälbermilch wäre eine kleine, aber sinnvolle Justierung unserer globalisierten Landwirtschaft, die gewiss anfangs mit Schmerzen verbunden wäre, aber letztendlich für die heimische Landwirtschaft zum Erfolg führen würde. Es unterstützt ein Gleichgewicht am Milchmarkt, entspricht den Grundsätzen der Nachhaltigkeit und ist letztendlich auch dem Verbraucher, dem Kunden der Landwirte, positiv zu vermitteln.

agrarheute: Meinen Sie mit Schmerzen, dass Milchbauen mehr für den Milchaustauscher zahlen müssten, wenn die Hersteller kein Palmöl mehr einsetzen?

Seemüller: Ein Reinheitsgebot für Kälbermilch ist wahrscheinlich für manche Betriebe erst einmal teurer. Allerdings entlastet es den Milchmarkt und stützt somit die Milchpreise. Um im Wettbewerb weiter zu bestehen und um ein flächendeckendes Ergebnis erzielen zu können, darf ein solches Reinheitsgebot in einem gemeinsamen EU-Markt nicht nur national umgesetzt werden. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft innerhalb der EU benachteiligen. Dafür hätten die deutschen Landwirte wenig Verständnis.

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