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Milchvermarktung

Bayern MeG plant bessere Absicherung gegen Milchgeldausfall

am Montag, 11.03.2019 - 18:13

Die Bayern MeG will sich künftig gegen Milchgeldausfälle besser absichern. Das kostet aber Geld und der Schutz ist begrenzt. Zudem gab es einen Wechsel im Vorstand.

Maier Herbert-Bayern MeG Vorstandsvorsitzender

Die Dachorganisation deutscher Milcherzeugergemeinschaften, Bayern MeG, überlegt, künftig das Risiko in der Milchvermarktung über eine Warenkreditversicherung abzusichern. Derzeit laufen entsprechende Gespräche mit Versicherungsanbietern bestätigte Herbert Maier, Vorstandsvorsitzender der Bayern MeG auf der Mitgliederversammlung in Herrsching.

Anlass für diese Überlegungen sei nicht nur die Insolvenz der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft vor rund einem Jahr. So seien 2018 auch andere Molkereien in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, an die Mitgliedsorganisationen der Bayern MeG Milch liefern. Das Risiko eines Milchgeldausfalles sei aufgrund des volatilen Milchmarktes deutlich größer als zur Zeit der Milchquote, so Maier. 

Größtes Risiko entscheidet über Prämie

Meier Thorsten-RosenthalAssekuranzVersicherungsmakler

Maßgebend für die Kosten einer Warenkreditversicherung ist jeweils die größte Milchmenge, die eine Erzeugergemeinschaft (MEG) an eine Molkerei liefert, erläuterte Thorsten Meier von Rosenthal Assekuranz Versicherungsmakler GmbH. Für eine Erzeugergemeinschaft, die an vier Molkereien Milch liefert und bei 34 Cent Milchpreis rund 68 Mio. Euro Jahresumsatz erzielt, kann sich die Versicherungsprämie auf etwa 42.000 Euro pro Jahr belaufen. Unterstellt ist dabei, dass die MEG mit einer Molkerei 30 Mio. Euro den größten Umsatz erzielt.

Ein Mitglied der MEG mit 50 Kühen und rund 124.000 Euro Jahresumsatz müsste so rund 174 Euro im Jahr bezahlen. Versichert sind dabei zwei Monate Milchgeldausfall sowie eine Nachlaufhaftung, so der Versicherungsmakler.

Versicherbar sind auch niedrigere Milchpreise, wenn eine Molkerei aus wirtschaftlichen Gründen weniger auszahlt als vereinbart. Allerdings ist dazu im Milchliefervertrag der MEG ein Mindestpreis nötig. "In vielen Lieferverträgen ist das bisher aber nicht der Fall", macht Bayern MeG Geschäftsführer Markus Seemüller deutlich. Er machte aber deutlich, dass es durchaus Molkereien gebe, die einem Mindestpreis offen gegenüberstünden.

Laut Seemüller sei noch rechtlich zu klären, ob eine Milcherzeugergemeinschaft eine Warenkreditversicherung abschließen dürfe, die Leistung im Schadenfall aber an Mitglieder ausgezahlt werde.

Allerdings kann der Kreditversicherer während der Vetragslaufzeit für eine Molkerei den Versicherungsschutz versagen, wenn sich deren Bonität plötzlich verschlechtern sollte. Milcherzeuger müssten dann zwar die Prämie zahlen, aber die Milchlieferung an diese Molkerei wäre nach Ablauf der Nachhaftung nicht mehr abgesichert, bestätigte der Versicherungsmakler.

Denkbar sei aber auch, dass der Versicherer die Versicherungssumme aufgrund sinkender Bonität absenken könnte. Damit wäre unter Umständen nur ein Teil der Milchlieferungen gegen Preisausfall gesichert.

Plan der Bayern MeG sei es, mittelfristig einen Rahmenvertrag für eine Warenkreditvesicherung abzuschließen, so Geschäftsführer Seemüller. Dazu wolle man aber erst mit zwei großen Mitglieder-MeGs Erfahrungen sammeln.

Kürzere Zahlungsfristen als Risikominderung

Versicherungsmakler Meier bestätigte in der Diskussionsrunde, dass man oft sehr überrascht sei, wie Warenkreditversicherer einzelne Molkereien bonitätsmäßig einstufen. Erzeugergemeinschaften könnten dann diese Informationen bei Vertragsverhandlungen nutzen.

"Entweder sie beenden dann die Milchlieferungen an diese Molkerei oder sie verkürzen die Zahlungsfrist für das Milchgeld auf beispielsweise 14 Tage", schlug der Versicherungsexperte als Risikominderung vor. 

Wechsel im Vorstand

Schäfer Stefan-Bayern MeG Vorstand

Die Mitgliederversammlung der Bayern MeG hat bei den Wahlen zum Vorstand Stefan Schäfer von der MEG Milchland Baden-Württemberg neu in das Gremium gewählt. Der 45-jährige Schäfer hält zusammen mit seiner Ehefrau derzeit 110 Kühe und bewirtschaftet 300 ha, wovon 100 ha Grünland sind. Daneben betreiben sie einen kleinen Hofladen mit Milch- und Eierautomaten.

Die übrigen Vorstände Hans Bauer, Erhard Zimmermann, Hans Zeiner und Herbert Maier (1. Vorsitzender) haben die Mitglieder in ihrem Amt bestätigt.

Schäfer ist für den bisherigen Vorstand Gerhard Wolf in das Gremium gefolgt. Wolf stand nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung.