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Markt für Biomilch

Die Biomilchkrise – Preise, Mengen und Probleme

Rinder auf der Weide.
am Mittwoch, 26.10.2022 - 14:20 (8 Kommentare)

Biobauern bekommen für ihre Milch nicht viel mehr Geld als die konventionellen Kollegen. Und sie haben noch mehr Probleme.

Milchpreise.

Milchbauern bekommen so hohe Preise wie nie zuvor. Auch die Biomilchbauern. Doch in der konventionellen Milchproduktion sind die Preise binnen Jahresfrist um knapp 21 Cent gestiegen. Und: Erstmals seit langem machen viele konventionelle Milchbauern Gewinn. Trotz der hohen Kosten.

Das sieht bei den Biobauern anders aus. Auch bei ihnen befinden sich die Preise derzeit auf Rekordniveau. Doch der Abstand zur konventionellen Milch beträgt gerade noch zwei Cent und der Anstieg im Vergleich zum vorigen Jahr ist mit 10 Cent nicht einmal halb so stark wie der Anstieg bei konventioneller Milch.

Außerdem können viele Biobauern ihre ebenfalls deutlich gestiegenen Kosten trotz der höheren Preise nicht mehr decken.

Die Gründe für die diese ungewöhnlichen Entwicklung sind vielfältig. Zum einen ist der Absatz von Bioprodukten mit der galoppierenden Inflation ins Stocken geraten. Viele Verbraucher drehen jeden Euro dreimal um. Und sie kaufen deutlich weniger hochpreisige Produkte – und das sind Bioprodukte auf jeden Fall.

Außerdem bewegten sich die Bioprodukte im Einzelhandel ohnehin am oberen Ende der Preisskala und weitere Preiserhöhungen sind ohne  größere Umsatzverluste nur sehr schwer vorstellbar.

Das heißt auch: Auf den vorgelagerten Stufen, also der Erzeugerebene, steigen die Bio-Preise erheblich langsamer als die Kosten. Hinzu kommt, dass die Menge an konventioneller Milch im Krisenjahr 2022 eher zurückgeht, während die Produktion von Biomilch kräftig gestiegen ist, was zusätzlichen Druck auf die Preise erzeugt.

Konventionelle Preise teilweise höher als Biomilchpreise

Biomilchpreise.

Und es gibt noch mehr Probleme: So sind die Preise für Biomilch erstmals überhaupt im Norden Deutschlands (deutlich) höher als im Süden.

Das ist im Übrigen genauso bei den konventionellen Milchpreisen, denn die Molkereien im Norden profitieren mit ihrem Produkt-Portfolio erheblich stärker von der gegenwärtigen Preisentwicklung – bei Butter, Käse und anderen Bulkproodukten – als die oftmals weitaus stärker spezialisierten Molkereien im Süden.

Derzeit zahlen die Biomolkereien ihren Bauern im Schleswig-Holstein 64,92 Cent je kg Biomilch - und damit so viel wie in keinem anderen Bundesland. In Niedersachsen lagen die Bio-Preise immerhin bei 62,10 Cent und Nordrhein-Westfalen bei 61,57 Cent je kg.

Im mit Abstand größten Biomilchland Bayern – wo etwa die Hälfte der gesamten deutschen Biomilch erzeugt wird, bekommen die Bauern nur 58,28 Cent ausgezahlt und damit 6,6 Cent bzw. rund 10 % weniger als in die Bio-Kollegen im Norden.

Außerdem sind die Biomilchpreise im Süden sogar niedriger als die konventionellen Preise im Norden – die in Schleswig-Holstein bei 59,71 Cent liegen und in Niedersachsen bei 59,22 Cent.

Das hat es zuvor noch nie gegeben und ist im wesentlich der Preis- und Nachfrageentwicklung an den Verbrauchermärkten geschuldet. Also eine unmittelbare Folge der sehr hohen Inflation und des veränderten Verbraucherverhaltens.

Biomilchmenge drückt ebenfalls auf die Preise

Allerdings spielt auch die Angebots-Entwicklung eine Rolle. Der (fast schon wieder vergessene) Bioboom während der Coronakrise, hat nämlich ein zusätzliches deutliches Wachstum der Biomilchproduktion ausgelöst.

So liegt die angelieferte Menge an Biomilch in den ersten 8 Monaten des Jahres 2022 um 2,6 % über dem Vorjahr – bei konventioneller Milch war die Milchmenge hingegen 1,8 % kleiner als im Jahr zuvor.

Schaut man einmal auf das wichtige Biomilchland Bayern, so lieferten die Biobauern dort sogar 4,6 % mehr Bio-Milch ab als im Jahr zuvor – und in Schleswig-Holstein (dem Land mit den höchste Biopreisen) wächst die Biomilchmenge sogar um 8,1 %.

Allerdings ist der Anteil der norddeutschen Biobauern an der gesamten deutschen Biomilchproduktion mit knapp 4 % verschwindend gering, währende die bayerischen Biobauern knapp 50 % der Biomilchmenge auf die Waage bringen.

Niedersachsen – der größte konventionelle Milchproduzent in Deutschland, noch vor Bayern - kommt auf einen Anteil von knapp 9 % bei Biomilch.

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