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Milchmarkt

Brexit: Deutsche Molkereien befürchten Chaos

am
16.01.2019
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Nach der Ablehnung des EU-Angebotes zum Austritt Großbritanniens fürchtet die deutsche Milchindustrie erhebliche Handelsverwerfungen.

Heuser_Eckhard-MIV

Nach der Abstimmungsniederlage der britischen Premierministerin Theresa May im britischen Unterhaus und dem faktischen Aus für einen geregelten Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union befürchtet der Milchindustrie-Verband (MIV), dass der bevorstehende „harte Brexit“ der europäischen Milchwirtschaft enormen Schaden zufügen wird.

Der MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser rief heute die Vertreter der EU und des Vereinigten Königreichs zu „größtmöglicher Toleranz und Lösungswillen bei allen weiteren kurzfristig zu vereinbarenden Gesprächsversuchen“ auf, um den Schaden aus dem Brexit-Verfahren noch abzumildern.

Exporteinbußen befürchtet

Laut Heuser steht viel auf dem Spiel: Das Vereinigte Königreich ist ihm zufolge ein großer Nettoimporteur bei Milch und Milcherzeugnissen und kauft insbesondere in der Republik Irland viele Milchprodukte ein. Wenn Großbritannien nun bei einem „harten Brexit“ Drittlandszölle gegenüber EU-Ware erhebe, müssten die Produktpreise deutlich angehoben werden.

Der Handel drohe dadurch zum Erliegen zu kommen, warnte der MIV-Hauptgeschäftsführer. Er weist zusätzlich darauf hin, dass die veränderten Vermarktungsströme weitere Marktverwerfungen mit sich bringen könnten. Auch drohten in Nordirland Rohmilchüberschüsse, die bisher im Süden der Republik Irland verarbeitet werden.

Mehr Kontrollen an Grenze

Im administrativen Teil des Verfahrens drohen nach Darstellung des Milchindustrie-Verbandes nicht nur hohe Drittlandszölle. Hinzu kämen Zollkontrollen mit einem hohen Zeitaufwand an der Grenze.

Dazu würden die beiden Ex-Partner EU und Großbritannien sich im Austausch von Gütern und Dienstleistungen zunächst wie Drittländer behandeln und auch wieder Veterinärkontrollen einführen. Ein „harter Brexit“ und die daraus resultierenden Handelsverwerfungen dürften daher kaum auszurechnende negative Folgen für die europäische Milchwirtschaft nach sich ziehen, so der MIV.

Deutschland exportiert vor allem Käse und Joghurt

Großbritannien hat bei Agrarprodukten und Lebensmitteln lediglich eine Selbstversorgung von etwa 60 Prozent und ist massiv auf Lieferungen aus dem EU-Binnenmarkt angewiesen.

Um die Lebensmittelversorgung der Briten zu sichern, führt das Land beispielsweise jährlich etwa 500.000 Tonnen Käse und 400.000 Tonnen Rindfleisch aus den anderen EU-Ländern ein, so die Landwirtschaftskammer Oberösterreich.

Laut AMI GmbH exportiereren deutsche Molkereien 73.000 t Käse, 84.000 t Joghurt und Saueermilcherzeugnisse sowie rund 44.000 t Milchmischgetränke ins Vereinigte Königreich. Daneben kommen noch Exporte von Milch und Rahm, sowie Milchpulver und Kondensmilch hinzu.

Jährlich liefern deutsche Unternehmen Agrargüter und Lebensmittel im Wert von etwa 4,5 Mrd. Euro auf die britische Insel geliefert. Der Agrar-Exportüberschuss Deutschlands liegt laut Deutschem Bauernverband gegenüber Großbritannien bei rund 3,5 Mrd. Euro. Er sei damit fast doppelt so groß, wie der gesamte Exportwert in die USA. 

Mit Material von AgE, AMI

Britische Bauern bekommen den Brexit zu spüren

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