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Corona und der Milchmarkt

Corona-Chaos trifft die Milchbauern weltweit hart

Milchkühe fressen im Stall
am Montag, 06.04.2020 - 10:31 (1 Kommentar)

Die niederländische Milchindustrie wappnet sich für ein Corona-Chaos. In den USA müssen Erzeuger schon Milch vernichten. Britische Molkereien verschieben das Milchgeld.

In den Niederlanden hat die Milchindustrie sich auf Notfallpläne verständigt. Sie sollen sicherstellen, dass die Rohmilch auch bei größeren Störungen abgeholt und verarbeitet wird. Zugleich werden die Erzeuger auf eine Unterbrechung der Milchabholung eingestimmt.

Wie der Dachverband NZO (Nederlandse Zuivel Organisatie) mitteilte, wollen die Molkereien in Krisensituationen so eng wie möglich zusammenarbeiten. Falls ein Werk ausfällt oder die Kapazität deutlich eingeschränkt ist, weil zu viele Mitarbeiter erkranken oder in Quarantäne sind, soll die Milch zu anderen Unternehmen fließen. Dabei kann die Unterscheidung unterschiedlicher Milchströme befristet aufgehoben werden.

Der NZO betont, zurzeit laufe die Abholung, Verarbeitung und Auslieferung von Milchprodukten planmäßig. Sollte es aber zu Störungen kommen und würden die Verarbeitungskapazitäten auch nach einer Umlenkung der Milchmengen nicht ausreichen, könne eine vorübergehende Beschränkung der Milchabholung notwendig sein.

US-Farmer müssen Milch wegschütten

In den USA hat der fast völlige Zusammenbruch der Nachfrage nach Milchprodukten aus dem Großverbrauchersektor die Milchverarbeitung aus dem Takt gebracht. In mehreren Bundesstaaten wie Wisconsin, Florida und Texas sind die Farmer gezwungen, die Rohmilch zu entsorgen, weil sie nicht mehr abgeholt und verarbeitet wird. Ihre Milchverarbeiter informierten sie kurzfristig über einen Abholungsstopp. In den sozialen Medien posten die Milchviehhalter Videos und Fotos davon, wie sie die Milch auf die Felder fahren.

Steigende Verbraucherpreise kommen nicht an

Die Schließung vieler Restaurants und Großküchen hat in den USA dazu geführt, dass große Teile der Nachfrage kurzfristig weggebrochen sind. Dass die Verbraucher gleichzeitig mehr Milch und Milchprodukte für den Verzehr zu Hause einkaufen, kann den Markt nicht ausgleichen. In den Supermärkten sind frische Milchprodukte teilweise sogar knapp. Die Verbraucherpreise steigen. Bei den Milchfarmern kommt das aber nicht an.

Britische Molkereien verschieben das Milchgeld

In Großbritannien stecken mehrere kleine Molkereien nach einem Bericht des Pressedienstes Agra-Europe aufgrund fehlender Nachfrage bereits in solchen Schwierigkeiten, dass sie das Milchgeld nicht pünktlich überweisen. Bei einigen Molkereien soll das Milchgeld für März erst im Mai bei den Milchviehhaltern ankommen. Damit verbunden sind deutliche Abschläge von den Erzeugerpreisen.

Noch drastischer sind Meldungen, wonach einzelne Verarbeiter die regelmäßige Abholung der Milch im täglichen oder zweitägigen Rhythmus nicht mehr garantieren können. Erste Bauern sollen auch in Großbritannien begonnen haben, Milch in die Biogasanlage zu leiten.

In Frankreich soll die Drosselung entschädigt werden

In Frankreich hat der Branchenverband (CNIEL) einen mit 10 Mio Euro ausgestatteten Solidaritätsfonds vorgeschlagen. Daraus sollen Landwirte entschädigt werden, die ihre Erzeugung freiwillig drosseln. CNIEL-Präsident Thierry Roquefeuil rief die Milchbauern auf, ihre Liefermenge im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 2 % bis 5 % zu verringern. Laut CNIEL könnten mit der gemeinsamen Anstrengung die Milchanlieferungen im April um etwa 30 Mio l sinken. Der Verband hat zudem die Europäische Union aufgefordert, Beihilfen für die private Lagerhaltung von Milchprodukten freizugeben.

Wissenschaftler des französischen Instituts für Tierzucht (Idele) rechnen damit, dass der Preis für Magermilchpulver innerhalb eines Monats möglicherweise unter das Interventionsniveau fallen wird.

Mit Material von AgE
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