Login
Milchaustauscher

DVT: Reinheitsgebot für Milchaustauscher ist Rückschritt

Thumbnail
Josef Koch, agrarheute
am
24.01.2018

Vor kurzem forderte die Bayern MeG ein EU-weites Reinheitsgebot für Milchaustauscher. Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) hält das aber für einen Rückfall " in alte Zeiten der Kirchturmpolitik".

DVT-Geschäftsführer Dr. Herrmann Josef Baaken

Am 23. Januar haben wir berichtet, dass die Bayern MeG ein EU-weites Reinheitsgebot für Milchaustauscher fordert, um zumindest teilweise den Druck vom Milchmarkt zu nehmen. Laut Deutschlands größter Milcherzeugergemeinschaft wurden allein 2015 rund 200.000 t pflanzliche Fette wie Palm- oder Kokosöl eingesetzt.

Nun kritisiert der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) die Forderung der Bayern MeG. Er verlangt von der Erzeugergemeinschaft, Alternativen zu nennen.

Statt Reinheitsgebot sieht der DVT folgende Lösung: "Wir begrüßen mit Blick auf die Verantwortung und Nachhaltigkeit den Einsatz von nachhaltig zertifiziertem Palm- und Kokosöl, um Einfluss auf die Umwelt- und Sozialstandards in den produzierenden Ländern zu nehmen."

„Wir halten die Vorschläge der Bayern MeG für falsch. Wir stehen Alternativen immer offen gegenüber. Die Bayern MeG hat aber keine gemacht. Das geforderte so genannte Reinheitsgebot wirft uns zurück in die alten Zeiten einer Kirchturmpolitik“, sagt DVT-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Baaken.

Palm- und Kokosfett sind nötig

Laut DVT bieten Milchaustauscher den Kälbern eine optimale Ernährung und tragen gleichzeitig zu einer Steigerung der Effizienz bei.

"Um eine der Kuhmilch vergleichbare Fettqualität in den Milchaustauschern zu erreichen, müssen harte, gesättigte Fettsäuren eingesetzt werden. Diese findet man in diversen pflanzlichen Fetten, besonders gut in Palm- oder Kokosfett. Weiche pflanzliche Fette wie das heimische Rapsöl sind hierfür eher ungeeignet. Deshalb haben wir mit der jetzigen Zusammensetzung den bestmöglichen Stand", heißt es im Statement.

DVT ist gegen Wettbwerbseinschränkungen

Der Verband der Mischfutterhersteller plädiert gegen Verbote oder Verpflichtungen, die zu einseitigen Wettbewerbseinschränkungen führen, und für die Wahlfreiheit von Rohstoffen in Futtermitteln. Die Bauern seien gut beraten, sich auf die professionell zusammengestellten, ernährungsphysiologisch optimierten Futterrationen zu verlassen, die den Prinzipien der Nachhaltigkeit entsprechen.

"Technisch wird es beim Ersatz einzelner Fette immer Lösungen geben, allerdings nicht zum „Null-Tarif“, sondern teurer. Das muss jeder wissen und bereit sein zu bezahlen, wenn er auf pflanzliche Fette verzichten will. Die Verfütterung von Vollmilch sehen wir nicht als Alternative. Denn in hochwertigen Milchaustauschern sind bis zu 80 Prozent Milchbestandteile, vor allem in Form von Magermilchpulver und Molkenprodukten, enthalten", stellt Dr. Hermann-Josef Baaken klar.

Auch interessant