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Der Exodus der Milchbauern: Steht der Osten bald ohne Milch da?

Milchbäuerin Milcherzeugung
am Mittwoch, 05.01.2022 - 12:38 (2 Kommentare)

Seit dem Ende der Milchquote 2015 wandert die Milcherzeugung in Deutschland nach Nordwesten – mit einer Ausnahme.

Im April 2015 endete in Deutschland und der übrigen EU die Zeit der Milchquote. Schon vor Abschaffung der Garantiemengen war bei den regelmäßigen Versteigerungen der Produktionsrechte eine Abwanderung von Milchmengen aus dem Süden der Republik in den Norden zu beobachten.

Viele hatten befürchtet, dass sich dieser Trend mit der Liberalisierung des Milchmarktes erheblich beschleunigen würde. Wer sich die Anlieferung nach Bundesländern heute anschaut, stellt jedoch fest: Nicht im Süden blutet die Milcherzeugung aus, sondern vor allem im Osten.

Immer weniger Milch im Osten

Um knapp zehn Prozent ist die Anlieferung konventioneller Kuhmilch in den ostdeutschen Bundesländern zwischen 2015 und 2020 zurückgegangen. Dies zeigen Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Das sind rund 646.000 t Milch, die im Osten fehlen. Der Rückgang betrug in Thüringen und Brandenburg 12 Prozent sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt 10 Prozent. Sachsen wies mit 5 Prozent eine etwas niedrigere Abwanderung aus.

Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ziehen die Milch an

Die Milch wanderte aus den ostdeutschen Bundesländern vor allem in den Nordwesten. Allein in Nordrhein-Westfalen wuchs die an Molkereien angelieferte Menge an konventioneller Kuhmilch von 2015 bis 2020 um gut 10 Prozent oder 305.000 t. Noch größer war der Zuwachs absolut gesehen in Niedersachen mit 354.500 t, was allerdings relativ gesehen lediglich einem Plus von 5 Prozent entsprach.

Insgesamt ging die deutsche Milcherzeugung konventioneller Betriebe übrigens – trotz Abschaffung der Milchquote – sogar leicht zurück, nämlich um 0,5 Prozent auf 30,59 Mio. t.

Bayerns Milchaufkommen nur dank Bio-Milch stabil

Aufgrund seiner expandierenden Milcherzeugung war Niedersachsen 2020 dicht daran, Bayern als das größte Milcherzeugerland abzulösen – wäre da nicht der Biosektor. Bayern verlor seit 2016 (für 2015 liegen die Daten nicht vergleichbar vor) zwar rund 153.000 t oder 2 Prozent seiner konventionellen Milcherzeugung.

Dieser Rückgang wurde jedoch mehr als ausgeglichen durch eine stark wachsende Produktion von Biomilch. Schon 2016 war der Freistaat der größte Bio-Milcherzeuger in Deutschland mit fast 400.000 t angelieferter Bio-Rohmilch. Bis zum Jahr 2020 wuchs der Biosektor um weitere 47,5 Prozent oder beachtliche 189.800 t auf knapp 589.000 t. Damit glich die Biomilch den Rückgang der konventionellen Anlieferung mehr als aus.

Auch am Biomarkt sicherten sich allerdings die niedersächsischen Milcherzeuger ein größeres Stück des Kuchens, indem sie die Anlieferung im Berichtszeitraum mehr als verdoppelten auf 105.800 t in 2020. Im Osten spielt die Biomilch hingegen kaum eine Rolle. In Brandenburg und Thüringen ging die Anlieferung sogar zurück.

Weniger Milchbauern bescheren den Molkereien mehr Umsatz

Die geographischen Wanderungsbewegungen der Milcherzeugung gingen einher mit einem erheblichen Verlust an milcherzeugenden Betrieben. Von 2015 bis 2020 sank die Zahl der Milchbauern um fast 22 Prozent auf nur noch 57.322. Im vergangenen Jahr gaben weitere rund 2.500 Milcherzeuger die Produktion auf.

Die Molkereien haben die Abschaffung der Milchquote hingegen unbeschadet überstanden. Ihr Umsatz kletterte seit 2015 um etwa 20 Prozent auf 27,2 Mrd. Euro. Die Zahl der milchverarbeitenden Unternehmen blieb praktisch unverändert. Von Anpassungsschwierigkeiten – wie etwa im Zuckersektor – war bei den Molkereien nichts zu beobachten.

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