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Prognose

Hitzesommer drückt Milchmenge

am Dienstag, 09.10.2018 - 13:30

Die heiße und trockene Sommer 2018 hat das Wachstum der Milchmenge in der Europäischen Union spürbar gedämpft.

Neben den hitzebedingten Leistungseinbußen ist das Futter für Milchvieh knapp. Der Aufwuchs von auf den Wiesen und Weiden war nach Einschätzung der Kommission der schlechteste der letzten 20 Jahre. In der Folge mussten mehr Milchkühe und Färsen geschlachtet werden.

Die Europäische Kommission hat diese Einflussfaktoren in ihrer Prognose berücksichtigt. Anfang Oktober wurde die Vorschätzung der Milchmenge für das laufende Jahr nach unten korrigiert. Im Juni gingen die Analysten in Brüssel noch davon aus, dass die Milchanlieferung in der EU-28 gegenüber 2017 um 1,2 Prozent zunehmen wird.

In der aktuellen Prognose wurde der Zuwachs für das gesamte Jahr 2018 auf 0,8 Prozent reduziert und die erwartete Milchanlieferung würde damit bei 157,5 Mio. t liegen.

Futterknappheit dämpft Wachstum

Milchmenge

Von Januar bis Juli 2018 übertraf der Kommission zufolge die Milchanlieferung an die EU-Molkereien das Vorjahresniveau um 2,0 Prozent. Bezogen auf den Zeitraum August bis Dezember sollen im Schnitt jedoch 0,3 Prozent weniger Milch angeliefert werden. Somit wird der zuvor erwartete deutlich kräftigere Produktionsanstieg spürbar gedämpft.

Für die beiden TOP-Produzenten Deutschland und Frankreich geht die Kommission davon aus, dass die Milchmenge in Folge der Trockenheit, im zweiten Halbjahr auf das Vorjahresniveau zurückgeht. Die Dynamik der Produktion wird zudem weiterhin durch die anhaltende Futterknappheit gebremst.

Für das gesamte Jahr 2018 geht die Kommission für Deutschland, Belgien, Italien, Polen und Spanien jedoch trotzdem von einem Zuwachs der Milchanlieferung aus. Auf der anderen Seite wird in Irland - infolge der Dürre - und in den Niederlanden - wegen der Auflagen zur Phosphatreduktion - spürbar weniger Milch erzeugt und angeliefert.

Weniger Kühe und gedrosselte Leistung

Milchkühe

Die Futterknappheit wird nach Einschätzung der Kommission auch die Entwicklung in der nächsten Saison beeinflussen. Für das Jahr 2019 rechnet man mit einer Zunahme der Milchanlieferungen um 0,9 Prozent auf 158,9 Mio. t.

Neben den begrenzten Futtervorräten dürfte wohl auch die Verkürzung der Laktation in vielen betroffenen Betrieben einen stärkeren Produktionsanstieg verhindern. Hinzu kommt der Anstieg der Schlachtungen von Kühen und Färsen im zweiten Halbjahr 2018.

Nach der Viehzählung von Mai/Juni 2018, war der Milchkuhbestand bis dahin erst ganz leicht zurückgegangen. Ein Grund hierfür war die bis zur Jahresmitte (gegen den sonstigen Trend) erfolgte Zunahme des Bestandes in Irland und Polen. Im zweiten Halbjahr dürfte sich der Bestandsabbau aber in den meisten Ländern beschleunigen.

Insgesamt geht die Kommission bis zum Jahresende nur von einem moderaten Rückgang des Kuhbestandes um rund 100.000 auf 23,0 Mio. Stück aus. Außerdem soll die Milchleistung je Kuh aufgrund der schwierigen Futterversorgung 2018 und 2019 weniger stark steigen als in den Vorjahren.

Milchpreise wieder schwächer?

Milchpreise

Die Milchpreise in Deutschland sind nach den Angaben der Kommission im Juli um 0,63 Cent auf  33,19 Cent j kg Rohmilch (natürlicher Fettgehalt) gestiegen. Damit haben die Auszahlungspreise, nach einem Rückgang von November bis Mai, den zweiten Monat in Folge zugelegt.

In Frankreich lag der Milchpreis im Juli bei 33,70 Cent/kg und ist nach den vorläufigen Daten der Kommission bis August auf 35,76 Cent gestiegen. In den Niederlanden wurden im Juli Milchpreise von 35,75 Cent gezahlt.

Der aus der Verwertung von Butter und Magermilch für Deutschland errechnete Rohstoffwert der Milch, lag im Juli nur bei 33,7 Cent und ist bis September auf 35,2 Cent gestiegen.

Im Oktober hat sich die finanzielle Verwertung der Milch jedoch wieder verschlechtert. Der aus den Terminmarktpreisen für Butter und Magermilch abgeleitete Börsenrohstoffwert rutschte im Oktober wieder auf 31,4 Cent ab. Bis zum März 2019  ergibt sich ein Rückgang der Verwertung auf 30,7 Cent. Erst danach steigen die aus der Rohstoffwertung am Terminmarkt errechneten Preise wieder moderat an.

Mit Material von "Short Term Outlook" Europäische Kommission