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+++ Aktualisiert: 13:00 Uhr +++

Leichte Preiseinbußen bei der Trinkmilch

Kuehlregal mit Milchprodukten in einem Einzelhandelsgeschaeft
am Donnerstag, 05.11.2020 - 11:53 (Jetzt kommentieren)

Der Einzelhandel hat etwas niedrigere Trinkmilchpreise durchgesetzt, kauft die Butter aber teurer ein. Die Erzeugerpreise tendieren fest.

Kuh beim Melken

Die halbjährlichen Kontraktverhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) für Trinkmilch und die anderen Produkte der „Weißen Linie“, also zum Beispiel Joghurt und Quark, sind im Wesentlichen abgeschlossen. Nach Angaben von Marktbeobachtern wurde bei der Trinkmilch durchschnittlich eine Preissenkung von 2 Cent je Liter für die nächsten sechs Monate vereinbart. Aldi hatte sich dem Vernehmen nach schon vor Wochen die Rücknahme der 5 Cent Trinkmilch-Preiserhöhung vom Frühjahr bei den Lieferanten gesichert.

Die übrige Weiße Linie soll zu mehr oder weniger unveränderten Einkaufspreisen abgeschlossen worden sein. Für die Butter zahlt der Handel nach Einschätzung des Verbandes Milcherzeuger Bayerns (VMB) jetzt sogar 20 Cent/kg mehr als bisher. Ursache dürfte der erwartete Nachfrageboom nach abgepackter Ware sein. Im Corona-Jahr 2020 werden wahrscheinlich viele Verbraucher die Weihnachtsbäckerei wiederentdecken. Der Kontrakt hat allerdings nur Gültigkeit für November und Dezember.

Insgesamt sprechen Beobachter von einer „Seitwärtsbewegung“ der Molkereierlöse ohne großes Auf und Ab. Demzufolge dürften von diesem Abschluss keine größeren Auswirkungen auf die Auszahlungspreise der Molkereien ausgehen.

LTO erwartet weiter steigende Erzeugerpreise

Der Kontraktabschluss passt insoweit in das Marktgeschehen, als die Notierungen für Butter und Magermilchpulver an der Leipziger Terminbörse EEX für das erste Halbjahr 2021 stabil sind. Der daraus abgeleitete agrarheute Börsenrohstoffwert der Milch bewegt sich in einem engen Korridor zwischen 30,26 und 30,66 Cent/kg Milch. Auch der vom Kieler ife ausgewiesene Börsenmilchwert schwankt für den Zeitraum Januar bis Juni 2021 minimal zwischen 30,1 und 30,5 Cent/kg.

Der vom niederländischen Bauernverband (LTO) errechnete durchschnittliche EU-Milcherzeugerpreis stieg im September gegenüber dem Vormonat um 0,28 Euro auf 32,99 Euro je 100 kg Milch mit 4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß. Das war das vierte Plus in Folge seit Mai. Der LTO erwartet, dass die Erzeugerpreise in den nächsten Monaten weiter klettern. Dabei beruft sich der Verband auf Ankündigungen mehrerer großer Milchverarbeiter in Europa.

Die aktuellen Auszahlungpreise in Deutschland finden Sie hier.

Streicht der Handel die Preissenkung ein?

Noch undeutlich ist, ob und in welcher Form der deutsche Einzelhandel den etwas niedrigeren Einkaufspreis bei der Trinkmilch an die Verbraucher weitergeben wird. In der Vergangenheit wurden Preisänderungen häufig sofort an den Verbraucher durchgereicht, allerdings oftmals unter Abzug einer zunehmend größer werdenden Marge für den Handel.

Bisher haben die großen Handelsketten aber noch keine Preissenkungen in der Einstiegsstufe für Frischmilch und H-Milch angekündigt. Durch die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer zum Jahreswechsel vom derzeit Corona-bedingt reduzierten Niveau stehen ohnehin Anpassungen an.

Markenbutter wird zu Niedrigstpreisen verschleudert

Die Einzelhändler haben die gesenkte Mehrwertsteuer aber in unterschiedlicher Form umgesetzt. Auch ist der ehemals absolut einheitliche Einstiegspreis für Milchprodukte der Handelsmarken in den vergangenen Monaten aufgeweicht worden. Somit ist gut möglich, dass die Handelsketten die neuen Kontraktpreise unterschiedlich am Regal einpreisen.

Ohnehin wurde der Verbraucher in den letzten Wochen eher durch extreme Angebotsaktionen geködert als durch dauerhafte Niedrigpreise. So kostet Markenbutter „Frau Antje“ bei Lidl in dieser Woche nur 1,31 Euro je 250 Gramm statt 2,39 Euro; das entspricht einem Rabatt von 45 Prozent. Aldi Süd wird Meggle-Markenbutter ab der kommenden Woche – ungeachtet des gerade vereinbarten höheren Einkaufspreises – sogar für 1,29 Euro anbieten.

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