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Milchmarkt

Magermilchpulver: Lageberstände nur kurzfristig für Hungerkrisen

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Josef Koch, agrarheute
am
09.04.2018

Die UN befürwortet, EU-Magermilchpulver aus der Intervention in die Krisenregionen Somalia und Jemen zu liefern. Doch laut WTO-Auflagen ist das gar nicht so einfach.

Magermilchpulver

Hohe EU-Magermilchpulverbestände und Hungerkrisen in Somalia und Jemen. "Weshalb hat die EU nicht schon längst Hilfslieferungen veranlasst?", fragen sich viele Milchbauern. Doch die EU fühlt sich gebunden an die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO), die solche Hilfslieferungen nicht ohne Weiteres erlauben. Offenbar scheut EU-Agrarkommissar Phil Hogan, die hohen bürokratischen Hürden zu überspringen, um Hilfslieferungen doch zu ermöglichen.      

Immerhin kommt jetzt Druck von den den Vereinten Nationen (UN). Die von der Europäischen Union eingelagerten Bestände an Magermilchpulver sollten nur zur absoluten Nothilfe gegen den akuten Hunger an Entwicklungsländer verteilt werden. Dafür hat sich die UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nahrung, Prof. Hilal Elver, gegenüber Agra-Europe ausgesprochen.

Zu den aktuell in Frage kommenden Staaten nannte Elver vor allem den Jemen sowie Somalia. Dort könnte gerade Milchpulver für die von Mangelernährung betroffenen Kinder eine große Hilfe sein.

Laut Angaben der EU-Kommission haben die zwecks Marktbereinigung eingelagerten Interventionsbestände an Milchpulver einen Umfang von gut 400 000 t.

Keine längere Lieferungen

Die UN-Sonderberichterstatterin warnte zugleich davor, bedürftige Länder über einen längeren Zeitraum ohne tiefergehende strukturelle Unterstützung für mehr Eigenproduktion lediglich durch Nahrungsmittelgaben zu alimentieren. Ein solches Vorgehen habe bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass unter Umständen langfristig mehr Schaden als Nutzen angerichtet werden könne.

Für die akute Nothilfe sei das überschüssige Milchpulver der EU allerdings hochwillkommen. Darüber hinaus sprach sich Elver für eine bessere Eigenversorgung von Staaten der sogenannten Dritten Welt, insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent, aus. Andernfalls würden diese Länder vor allem gegenüber den USA, die seit den sechziger Jahren vor allem Preisdumping bei Exporten für Weizen, Mais und Reis betrieben, den Kürzeren ziehen.

Diskussion um Lösungsansätze

Am kommenden Mittwoch, 12. April, findet in Brüssel eine Diskussionsrunde mit der EU-Kommission statt. Dabei sollen verschiedene Vorschläge erörtert werden, wie die EU mit den hohen Interventionsbeständen an Magermilchpulver umgehen soll. Insider erwarten indes keine schnellen Lösungen.   

Mit Material von AgE
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